
James Pillans lehrt Erdkunde und ist begeistert von seiner jüngsten medialen Errungenschaft. „Als Erstes habe ich die Topografie Spaniens dargestellt“, berichtet er, „ich lud die Schüler ein, sich mit mir auf eine imaginäre Reise über die Berge zu begeben, mit mir eine Schifffahrt über die Flüsse zu machen.“ Mit großem Erfolg: „Das gleichzeitige Ansprechen von Ohr und Auge hat sie so beeindruckt, dass sie sich sofort daranmachen wollten, meine Darstellung zu kopieren.“
Das Medium, von dem Pillans schwärmt, wird Schulen rund um die Welt mit einer neuen Dimension versehen: die Schiefertafel. Es ist 1854, als der Schotte Pillans, inzwischen Professor in Edinburgh, über seine früheren Erfahrungen als Lehrer das Werk „Physical and Classical Geography“ schreibt und dabei als Erster eine Tafel erwähnt. Innerhalb weniger Jahre breiten sich die schwarzen Bretter rund um den Globus aus. Es ist eine Revolution, die den mündlichen Vortrag um eine visuelle Dimension ergänzt. Diese Zweidimensionalität hat 150 Jahre gehalten, doch jetzt steht die nächste Erneuerung bevor: der Einzug der digitalen Dimension.
Schweinezyklus bei Schulungstechnik
Über Jahrzehnte hielten sich Schulträger im Umgang mit neuen Medien streng an die der Institution eigenen Art des Schweinezyklus: Wenn es neue Technik gab, stand man ihr so lange skeptisch gegenüber, bis der Einfluss sich nicht mehr leugnen ließ. Wenn man sich dazu entschied, neue Geräte anzuschaffen, hatte der Markt längst die nächste Innovation hervorgebracht, die Geräte wurden kaum genutzt. So war es beim Videorekorder und DVD-Spieler, bei Computer und Laptop. Die meisten deutschen Schulen verfügen über die Geräte, doch zum Einsatz kommen sie kaum.
Bild: dapd„The new iPad“ - unter diesem schlichten Namen stellte Apple-Chef Tim Cook die dritte Generation seines erfolgreichen Tablets vor. Der Markt wächst schnell - und noch immer profitiert vor allem Apple mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent. Mit dem neuen Tablet wird Apple diesen Vorsprung wohl mindestens halten können.
Bild: REUTERSWichtigste Neuerung: Endlich hat auch das iPad wie das iPhone eine „Retina-Auflösung“. Weil das Display des iPads deutlich größer ist, bedeutet das eine Vervierfachung im Vergleich zum Vorgängermodell auf erstaunliche 2048x1536 Pixel. Das ist deutlich mehr als ein Full-HD-Fernseher (1280x1080).
Die Vervierfachung hat einen guten Grund: So können ältere iPads-Apps einfach die neue Größe skaliert werden, ohne dass sie verschwommen aussehen.
Die Pixeldicht beträgt nun 264 Punkte pro Zoll (PPI) - bei den beiden Vorgängern waren es 132 PPI. Nur beim iPhone 4S mit dem kleineren Display sind es noch etwas mehr. Auch wer nah an das Display herangeht, kann keine einzelnen Pixel mehr erkennen. Daher der Name Retina, wie die Netzhaus des menschlichen Auges heißt.
Bild: dpaPassend zum Retina-Display hat Apple dem neuen Gerät auch eine neue Fünf-Megapixel-Fotokamera spendiert, die hier von einem Apple-Mitarbeiter demonstriert wird. Die Kamera kann auch Videos in Full-HD-Qualität (1920x1080) aufnehmen. Die Foto-Kamera kommt mit ihren fünf Megapixel Auflösung nicht ganz an die des iPhone 4S heran, das eine Kamera mit acht Megapixel Auflösung besitzt.
Bild: dapdVerkaufsstart ist der 16. März - auch in Deutschland. Dann auch werden Websites wie iSuppli das neue iPad auseinandernehmen und ihm die letzten Geheimnisse entlocken - zum Beispiel die Größe des eingebauten Arbeitsspeichers. Dazu machte Apple bei der Präsentation keine Angaben. Interessierte können ein iPad auf der Apple-Website vorbestellen.
Bild: dapdDie teuerste Version des neuen iPads soll 829 US-Dollar kosten - die billigste 499 Dollar. Das ist dieselbe Preisspanne wie bislang. In Deutschland wird es die neuen iPads ab 479 Euro nur mit WLAN zu haben - also ohne den mobilen LTE-Funk. Geräte mit 4G-Funk gibt es ab 600 Euro. Das Spitzenmodell mit 4G-Funk und 64 Gigabyte Speicher für Daten und Apps kostet in Deutschland 800 Euro. Das Vorgängermodells iPad 2 gibt es ab sofort ab 400 Euro zu kaufen.
Bild: dapdUm die Retina-Auflösung flüssig ansteuern zu können, hat Apple auch den Grafikchip kräftig aufgerüstet. Die Grafikeinheit des neuen Dual-Prozessors A5X soll um ein Vielfaches schneller sein als die seines Vorgängers. Während dem Hauptprozessor nur zwei Kerne zur Verfügung stehen, greift der Grafikchip auf vier zurück.
Bild: ReutersDamit die neue hohe Auflösung auch zur Geltung kommt, müssen die Entwickler ihre Apps anpassen. Apple selbst brachte natürlich zum Start des neuen iPads die eigenen Apps auf den neuesten Auflösungs-Standard des iPads - darunter die Office-Anwendungen Keynote, Numbers und Pages, die Podcaster- und Musik-App Garageband und das Videoprogramm iMovie. Andere Entwickler müssen nun noch nachziehen.
Als weitere Neuerung kommt Apples Foto-Management-Software iPhoto vom Mac auch auf das iPad. Damit gibt Apple ein weiteres Signal, dass die Tablets den Personal Computer mit der Zeit immer unwichtiger machen. Auf dem neuen iPad kann man Fotos mit einer Auflösung von bis zu 19 Megapixeln bearbeiten - das reicht auch für anspruchsvolle Fotografen.
Bild: dapdÄußerlich hat sich wenig geändert: Etwas schwerer und dicker ist das neue iPad im Vergleich zum Vorgänger - 662 Gramm mit Mobilfunkverbindung statt 613 Gramm. Das allererste iPad brachte mit mobiler Datenverbindung noch 730 Gramm auf die Waage.
Außerdem ist das neue iPad etwas dicker: 9,4 Millimeter statt 8,8. Das erste iPad war noch 1,3 cm dick. Der Formfaktor bleibt mit 9,7 Zoll aber gleich - ebenso wie die Preise.
Bild: ReutersApple-Chef Tim Cook setzte auch ein symbolisches Zeichen dafür, dass der Konzern nach dem Tod des Gründers Steve Jobs von einem Team geführt wird. Die wichtigste Aufgabe des Abends - die Vorstellung des iPad - überließ er Marketingchef Schiller (Foto).
Schiller präsentierte das neue Gerät mit drastisch verbessertem Display, einem schnelleren Prozessor und einem LTE-Datenturbo, das den bisherigen UMTS-Funk um Längen schlägt. Auf den müssen deutsche Kunden aber verzichten, weil Apple die Frequenzen der deutschen LTE-Anbieter Deutsche Telekom und Vodafone nicht unterstützt
Bild: ReutersDer neue Datenübertragungs-Standard wirkt sich auf die Akkulaufzeit aus: Mit aktivierter 4G-Übertragung sinkt die Laufzeit laut Apple von zehn auf neun Stunden. Ist die High-Speed-Funkübertragung deaktiviert, soll sie wie derzeit zehn Stunden betragen.
„The new iPad“ - unter diesem schlichten Namen stellte Apple-Chef Tim Cook die dritte Generation seines erfolgreichen Tablets vor. Der Markt wächst schnell - und noch immer profitiert vor allem Apple mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent. Mit dem neuen Tablet wird Apple diesen Vorsprung wohl mindestens halten können.
Doch was jetzt passiert, wird durch Aussitzen wohl nicht aufzuhalten sein. Am Ende werden digitale Medien vom seltenen Highlight zusehends zum festen Bestandteil des Schulunterrichts geworden sein. Vielleicht ist die Plattform des Lernens statt des Papiers bald der Touchscreen. Noch ist es zu früh, um ein abschließendes Urteil darüber zu fällen, ob und wann es so kommt. Doch dass etwas Großes in Bewegung kommt, ist unübersehbar. Gerade hat Apple zur Bildungsoffensive geblasen, das iPad soll auch in Schulen zum Verkaufsschlager werden. Die Ende Januar lancierte Software iBookAuthor ist die erste offene Plattform für die Entwicklung von Schulbüchern. In den USA haben bereits die drei wichtigsten Verlage begonnen, ihre Produkte über den Apple-Marktplatz iTunes zu vertreiben. Schon heute werden in den USA mit digitalen Bildungsinhalten schätzungsweise 2,2 Milliarden Dollar pro Jahr umgesetzt. In Deutschland ziehen die Schulbuchverlage nach: Ab dem Sommer werden die großen Verlage ihre Produkte auf einer gemeinsamen Plattform digital vertreiben. Bildungsvorreiter wie Südkorea haben die Arbeit mit digitalen Büchern bereits für verpflichtend erklärt.
Auch Pillans Tafel steht zur Disposition. In den USA ist das berührungsempfindliche Whiteboard in manchen Bundesstaaten bereits flächendeckend an seine Stelle getreten. Der Marktführer Smart hat 2011 mehr als 400 000 Geräte verkauft. Mit deren Hilfe können Lehrer Videos einspielen, Internet-Seiten öffnen und zugleich Notizen an die Wand werfen. Auch hierzulande verfügen laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr mehr als 60 Prozent der Schulen zumindest über ein solches Gerät, fünf bis zehn Prozent haben ihre Schulen bereits komplett auf die neue Darstellungsform umgestellt. In Rheinland-Pfalz und Berlin laufen Programme, die alle Schulen mit Whiteboards ausstatten sollen.
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