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Bildung: iPad & Co. erobern das Klassenzimmer

von Konrad Fischer und Max Haerder

Digitale Medien sind dabei, auch die letzte Bastion von Stift und Radiergummi zu erobern: die Schule. Lehrer, Verlage und Wissenschaftler fangen gerade an zu realisieren, wie grundlegend sich die Bildung verändern wird.

Schüler mit iPad Quelle: Matthias Jung für WirtschaftsWoche
Bildschirm statt Tafel. Im beruflichen Gymnasium dreht sich alles ums iPad. Quelle: Matthias Jung für WirtschaftsWoche

James Pillans lehrt Erdkunde und ist begeistert von seiner jüngsten medialen Errungenschaft. „Als Erstes habe ich die Topografie Spaniens dargestellt“, berichtet er, „ich lud die Schüler ein, sich mit mir auf eine imaginäre Reise über die Berge zu begeben, mit mir eine Schifffahrt über die Flüsse zu machen.“ Mit großem Erfolg: „Das gleichzeitige Ansprechen von Ohr und Auge hat sie so beeindruckt, dass sie sich sofort daranmachen wollten, meine Darstellung zu kopieren.“

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Das Medium, von dem Pillans schwärmt, wird Schulen rund um die Welt mit einer neuen Dimension versehen: die Schiefertafel. Es ist 1854, als der Schotte Pillans, inzwischen Professor in Edinburgh, über seine früheren Erfahrungen als Lehrer das Werk „Physical and Classical Geography“ schreibt und dabei als Erster eine Tafel erwähnt. Innerhalb weniger Jahre breiten sich die schwarzen Bretter rund um den Globus aus. Es ist eine Revolution, die den mündlichen Vortrag um eine visuelle Dimension ergänzt. Diese Zweidimensionalität hat 150 Jahre gehalten, doch jetzt steht die nächste Erneuerung bevor: der Einzug der digitalen Dimension.

Schweinezyklus bei Schulungstechnik

Über Jahrzehnte hielten sich Schulträger im Umgang mit neuen Medien streng an die der Institution eigenen Art des Schweinezyklus: Wenn es neue Technik gab, stand man ihr so lange skeptisch gegenüber, bis der Einfluss sich nicht mehr leugnen ließ. Wenn man sich dazu entschied, neue Geräte anzuschaffen, hatte der Markt längst die nächste Innovation hervorgebracht, die Geräte wurden kaum genutzt. So war es beim Videorekorder und DVD-Spieler, bei Computer und Laptop. Die meisten deutschen Schulen verfügen über die Geräte, doch zum Einsatz kommen sie kaum.

„The new iPad“ - unter diesem schlichten Namen stellte Apple-Chef Tim Cook die dritte Generation seines erfolgreichen Tablets vor. Der Markt wächst schnell - und noch immer profitiert vor allem Apple mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent. Mit dem neuen Tablet wird Apple diesen Vorsprung wohl mindestens halten können.

Bild: dapd

Doch was jetzt passiert, wird durch Aussitzen wohl nicht aufzuhalten sein. Am Ende werden digitale Medien vom seltenen Highlight zusehends zum festen Bestandteil des Schulunterrichts geworden sein. Vielleicht ist die Plattform des Lernens statt des Papiers bald der Touchscreen. Noch ist es zu früh, um ein abschließendes Urteil darüber zu fällen, ob und wann es so kommt. Doch dass etwas Großes in Bewegung kommt, ist unübersehbar. Gerade hat Apple zur Bildungsoffensive geblasen, das iPad soll auch in Schulen zum Verkaufsschlager werden. Die Ende Januar lancierte Software iBookAuthor ist die erste offene Plattform für die Entwicklung von Schulbüchern. In den USA haben bereits die drei wichtigsten Verlage begonnen, ihre Produkte über den Apple-Marktplatz iTunes zu vertreiben. Schon heute werden in den USA mit digitalen Bildungsinhalten schätzungsweise 2,2 Milliarden Dollar pro Jahr umgesetzt. In Deutschland ziehen die Schulbuchverlage nach: Ab dem Sommer werden die großen Verlage ihre Produkte auf einer gemeinsamen Plattform digital vertreiben. Bildungsvorreiter wie Südkorea haben die Arbeit mit digitalen Büchern bereits für verpflichtend erklärt.

Schulbuch ade Bildung wird digital

Apple bringt digitales Lernen in US-Schulen. Auch andere Länder wollen lieber Tablets statt Bücher.

Schulbuch ade: Bildung wird digital

Auch Pillans Tafel steht zur Disposition. In den USA ist das berührungsempfindliche Whiteboard in manchen Bundesstaaten bereits flächendeckend an seine Stelle getreten. Der Marktführer Smart hat 2011 mehr als 400 000 Geräte verkauft. Mit deren Hilfe können Lehrer Videos einspielen, Internet-Seiten öffnen und zugleich Notizen an die Wand werfen. Auch hierzulande verfügen laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr mehr als 60 Prozent der Schulen zumindest über ein solches Gerät, fünf bis zehn Prozent haben ihre Schulen bereits komplett auf die neue Darstellungsform umgestellt. In Rheinland-Pfalz und Berlin laufen Programme, die alle Schulen mit Whiteboards ausstatten sollen.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.03.2012, 18:01 UhrDerKritiker

    Leider geht in diesem Artikel durch die übertriebenen Polarisierungen (z.B. ländlicher Raum und mediale Ausstattung) der notwendige inhaltliche Tiefgang verloren. Die offentsichlichen Bildungschancen insteressieren den Aufor leider nicht. Sehr Mutig und mit Weitblick geht die Schule aus Prüm voran und ist damit aus meiner Sicht eine der modernsten Schulen im Land. Ich glaube es gibt nur eine weitere Schule in Hamburg, die die Geräte auch im 1:1 - Bereich einsetzt. Ich werde das Projekt über die Webseite (www.ipad-im-einsatz.de) weiter verfolgen.

  • 14.03.2012, 08:22 Uhrsusisorglos

    Der Artikel wird hinten raus besser - ist aber m.E. etwas schwach auf der Brust - interessant wäre doch, was die Lernpsychologie meint? Etwas mehr Tiefgang bei der Recherche?

  • 10.03.2012, 16:01 Uhrs.maier75

    Wichtig ist, dass Bildung Spaß macht, auch digital, denn Begeisterung der Schlüssel zum Lernen ist meint Herr Prof. Dr. Gerald Hüther http://www.atkearney361grad.de/2012/02/22/lernen-aus-sicht-der-hirnforschung-2-begeisterung-ist-schlussel-zum-lernen/

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