Büroalltag: Wie Sie andere besser kritisieren

Büroalltag: Wie Sie andere besser kritisieren

von Jochen Mai

Kritik zu üben gehört zu den täglichen Tätigkeiten im Büro. Doch wer mit berechtigtem Widerspruch Gehör finden möchte, muss einige Dinge beachten. Acht Tipps, wie Sie mit ihrer Kritik den richtigen Ton treffen.

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Erfolg im Büro: Wer seinen Ärger ausdrückt, der erscheint dominanter

Es gibt Tage, da wird einem schlagartig klar, dass weniger der Ehrliche der Dumme ist, sondern der, der die Klappe hält. Von wegen Schweigen ist Gold. Das Büro wimmelt von Typen, die Blech reden und Schrott produzieren – und trotzdem erfolgreich sind. Solche Kollegen wandeln durch die Büroflure wie Lucky Luke, bringen aber die Performance der Daltons. Das ist ungerecht, denken Sie. Das kann so nicht weitergehen! Tut es aber.

Schuld daran ist weniger die unfaire Welt im Allgemeinen oder Ihr behäbiges Umfeld im Besonderen, sondern schlicht mangelnder Mut und der stille Konsens, dass Schweigen, so sich nicht umgehend jemand beschwert, als Zustimmung gewertet wird. Der einzige Ausweg: Kritik.

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Kritik ist, wenn man es netter sagt, als man es meint. Leider ist dies einer der größten Irrtümer über Kritik. Es stimmt zwar: Tadel will hübsch angerichtet sein, damit ihn der andere bereitwillig schluckt und er so seine kreative Lernkraft entfalten kann.

Doch nutzt das alles wenig, wenn in der Soße aus Toleranz und Lieblichkeit die Kernbotschaft absäuft. Deshalb ist der wichtigste Rat für bessere Rüffel: Konzentrieren Sie sich trotz aller Verpackungskünste auf eine klare, harte Botschaft.

Der zweite Rat: Bevor Sie loslegen, hinterfragen Sie sich und Ihr Motiv. Oft sehen wir die Dinge nicht, wie sie sind, sondern „wie wir sind“, erkannte schon die Schriftstellerin Anaïs Nin. Oder anders formuliert: Wer selbst ein kleiner Chaot ist, traut das tendenziell auch allen anderen zu.

Wenn Sie denen dann Ihre Meinung geigen, hängt die Reaktion wesentlich davon ab, wie sehr Sie sich vorher klarmachen, warum Sie kritisieren möchten: Wollen Sie Ihrem Mitarbeiter oder Kollegen damit wirklich einen Dienst erweisen oder nur beweisen, dass Sie es besser können? Dabei keinen Streit zu provozieren gelingt letztlich nur durch eine innere Diensthaltung (die durchaus wahrgenommen wird), den Versuch, das Gesicht des anderen zu wahren und durch dieses erprobte Vorgehen:

1. Kommt es zur Aussprache, steht die Atmosphäre an erster Stelle. Bemühen Sie sich um Sachlichkeit. Starten Sie niemals mit Wut im Bauch. Ein zeitlicher Abstand zum Auslöser hilft häufig dabei, allerdings sollte das Gespräch auch nicht zu lange hinausgezögert werden.

2. In der sogenannten Annäherungsphase wird geklärt, wie Sie sich das weitere Gespräch vorstellen. Dabei sollten sich alle Beteiligten einig werden, dass sie gemeinsam an der Lösung arbeiten. Will einer den Konflikt partout nicht ausräumen, können Sie sich die Aktion sparen.

3. Sind sich alle einig, wird nacheinander über die jeweilige Interpretation des Auslösers gesprochen: Wie kam es dazu? Was hat die Sache eskalieren lassen? Charmanter ist, selbst zu beginnen, dann steht die Version des anderen zuletzt im Raum, was ihm ein besseres Gefühl gibt. Zu diesem Zeitpunkt darf die Richtigkeit der Sichtweisen aber noch nicht bewertet werden!

4. Bleiben Sie als Kritiker stets ruhig und hören Sie genau zu. Überhören Sie Beleidigungen, denn sie bringen Sie nur in Rage. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf das Problem. Und vermeiden Sie lange Schachtelsätze, kurze einfache Hauptsätze genügen. Mehr wird der Kritisierte zu diesem Zeitpunkt nicht hören und verstehen.

5. Unterbrechen Sie den anderen auf keinen Fall! Lassen Sie ihn ausreden – und warten Sie etwas, bevor Sie antworten. Das drosselt das Tempo und nimmt den Druck raus. Versuchen Sie durch Sprache und Stimme Ihr Gegenüber zu beruhigen. Sagen Sie aber niemals, dass sich der andere beruhigen soll. Er fühlt sich sonst gegängelt. Wirken Sie ausschließlich indirekt auf ihn ein, durch Ihr Vorbild.

6. Schildern Sie Ihre Sicht der Dinge, ohne seine zu bewerten. Respektieren Sie seine Gefühle und gehen Sie darauf ein. Zeigen Sie Verständnis für seine Interpretation, und bleiben Sie offen genug, zu erkennen, ob Sie sich nicht vielleicht ebenfalls geirrt haben. Eine objektive Wahrheit gibt es nun mal nicht. Signalisieren Sie jederzeit Kompromissbereitschaft.

7. Erst jetzt, in der sogenannten Unterredungsphase, werden Lösungen für jeden Streitpunkt gesucht. Diese Vorschläge werden danach bewertet, ob sie machbar und für alle Parteien akzeptabel sind. Ist das so, sollten Sie sich verbindlich darauf einigen und überlegen, ob Sie deren erfolgreiche Umsetzung zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gemeinsam (!) nachprüfen.

8. Sowohl bei der Supervision wie auch bei der Mediation hat sich bewährt, am Ende des Kritikgesprächs noch einmal alle Lösungen zu wiederholen und zu bekräftigen, dass sie alle Beteiligten geprüft und akzeptiert haben. Deswegen heißt das Gesprächsende auch Beschlussphase.

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