Bürodelikte: "Delikt bleibt Delikt"

Bürodelikte: "Delikt bleibt Delikt"

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Kriminologin Britta Bannenberg

Kriminologin Britta Bannenberg sagt, wie sich die Motive beim Druckerpapier-Klau und Steuerbetrug ähneln.

WirtschaftsWoche: Frau Bannenberg, Druckerpapier mitnehmen, Stifte einstecken, Briefe auf Firmenkosten aufgeben — mache ich mich damit strafbar?

Bannenberg: Wenn es beruflich erforderlich ist, nicht. Wenn Sie aber etwa Druckerpapier für private Korrespondenz nutzen, ist das Diebstahl — und damit strafbar.

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Mancher Arbeitnehmer rechtfertigt das aber mit hohem Arbeitseinsatz, überlangen Bürotagen und ausgleichender Gerechtigkeit.

Selbst wenn es sich nur um ein Bagatelldelikt handelt, bleibt es ein Delikt. Sätze wie „Das macht doch jeder“ oder „wenn ich nicht, dann kommt jemand anders“ mögen das Gewissen beruhigen, aber sie ändern an der juristischen Beurteilung nichts. Das sind gefährliche Rechtfertigungsstrategien. Jeder weiß, was verboten ist — genauso wie Schwarzfahren oder Ladendiebstahl.

Was verleitet Menschen dazu, für Cent-Beträge ihren Job zu riskieren?

Erstens: eine günstige Gelegenheit. Versuchungen treten am häufigsten in der unmittelbaren sozialen Umgebung auf, also zum Beispiel im Büro. Zweitens: eine geringe Entdeckungswahrscheinlichkeit. Das ist vor allem bei fehlender Kontrolle der Fall. Wenn beides zusammenkommt, werden viele schwach. Während Schwarzfahren und Ladendiebstahl aus diesen Gründen für die Jugend typisch ist, gelten Steuerhinterziehung, Versicherungs- und Spesenbetrug im Kleinen als Massendelikt der Erwachsenen.

Das ist doch auch eine Rechtfertigung: Die Gelegenheit war günstig, und es interessierte keinen. Was raten Sie, wenn Kontrollen fehlen? 

Selbstkontrolle. Die hängt allerdings stark von der persönlichen Integrität ab, also einem festen Normen- und Wertesystem. Wer ein sehr hohes moralisches Selbstbewusstsein hat, wird sagen: „Ich stehle nicht!“ Bei den anderen setzen dann wiederum Rechtfertigungsmechanismen ein. Hinzu kommt: Wer nicht erwischt wird, wird in seinem Handeln bestärkt – und wird so zum Wiederholungstäter.

Die Delikte werden dann immer erheblicher?

Nicht unbedingt. Wer Druckerpapier mitgehen lässt, klaut nicht gleich am nächsten Tag den Kopierer. Beim Gros bleiben die Delikte auf der Bagatellebene.

Wie kommt es dann, dass einige Top-Manager Unternehmen mit Millionensummen schädigen?

Delikte mit großen Schadenssummen sind im Grunde nichts anderes als kleine Übertretungen. Bei Managern, die täglich mit mehreren Millionen Euro jonglieren, verschwimmen die Dimensionen. Ihnen fehlt der Bezug zur realen Größe.

Das heißt, die Motivation bei Druckerpapier-Klau und Steuerhinterziehung ist oft dieselbe?

Im Grunde schon. Dahinter steckt dasselbe Denkmuster. Wirtschaftsstraftäter sind in der Regel keine besonders kriminellen Persönlichkeiten, sondern erfolgreiche Menschen mit einem festen Werteverständnis. Die allermeisten würden eine verlorene Geldbörse dem Eigentümer zurückgeben.

Nur der Gesellschaft etwas von ihrem Geld zurückgeben wollen sie nicht. Welche Rolle spielt bei diesen Gedanken die Macht?

Eine entscheidende. Macht hat Machtmissbrauch immer im Gepäck. So wie der einfache Mitarbeiter seine Macht im Kleinen missbraucht, tut es der Manager im Großen. Natürlich nur in den Bereichen, wo die Kontrolle fehlt und Manager einen Rechtfertigungsgrund sehen, Motto: „Ich darf das tun“ oder „Ich tue es im Unternehmensinteresse“. Bei einer solchen Doppelrechtfertigung fallen alle Hemmungen. Das hat dann fast schon einen spielartigen Charakter. Die wenigsten Manager plagt dabei ein Unrechtsbewusstsein. Sie denken: „Kriminell ist, wer gewalttätig ist, aber nicht ich.“

Unabhängig von der Selbstkontrolle – was können die Unternehmen dagegen tun?

Stärker kontrollieren. Gleichzeitig müssen die Vorstände und Aufsichtsräte aber auch vorleben, dass ihnen das Thema wichtig ist. Das ist auch eine Generationenfrage. Die Jüngeren, die mit Anfang 40 in die Vorstände drängen, nehmen das Thema sehr ernst.

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