Business-WG: Die neue WG-Romantik der modernen Jobnomaden

Business-WG: Die neue WG-Romantik der modernen Jobnomaden

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WG-Fernsehzimmer

Nach dem Coworking kommt das Coliving: Die künftige Heimat moderner Jobnomaden sind Riesenwohngemeinschaften. In den Business-WGs verwischen die Grenzen zwischen Büro und Badezimmer.

Dass Robby Gill derzeit in der Düsseldorfer Augustastraße seinen Wohnsitz hat, beweist nur ein neongelber Klebezettel auf dem Belegungsplan. Und auch der flüchtige Blick in das 18 Quadratmeter große Zimmer des 34-Jährigen deutet an: Diese Bleibe ist bloß eine Durchgangsstation.

Vor zwei Wochen ist der Betriebswirt aus Heidelberg hier eingezogen. Sechs Monate wird er bleiben – so lange, wie sein Projekt bei der Werbeagentur Ogilvy voraussichtlich dauert.

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Zusammen mit 30 Mitbewohnern, darunter Berufsanfänger und Selbstständige, wohnt Gill in einer umgebauten Büroetage im Düsseldorfer Stadtteil Derendorf – in einer ganz neuen Form der Wohngemeinschaft, einer Art Business-WG.

Das Wohnkonzept ist gedacht für Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Berufstätige, die neu in der Stadt sind, aber nicht lange bleiben. Das Modell ist die Antwort auf eine Entwicklung, die den Arbeitsmarkt schon länger verändert und noch dramatisch verändern wird.

Die Arbeitsformen werden flexibler, es gibt immer mehr Projektarbeit bei verschiedenen Auftraggebern, Teilzeitbeschäftigung und befristete Arbeitsverträge. Um 53 Prozent hat die Zahl der sogenannten atypischen Erwerbsformen seit 1998 laut Statistischem Bundesamt zugenommen. Inzwischen lebt fast jeder dritte Arbeitnehmer mit einem Teilzeitjob oder einem befristeten Arbeitsvertrag oder hat sich selbstständig gemacht. Deshalb schließen sich in Großstädten immer mehr Einzelkämpfer zu Bürogemeinschaften zusammen, den sogenannten Coworking Spaces (siehe auch WirtschaftsWoche 15/2010).

Beruflicher und privater Schnellstart

Dieser Trend setzt sich nun im Privaten fort: aus Coworking wird Coliving.

Die neue Wohnform hat schließlich, was andere Übergangsmodelle nicht haben: Sie ist billiger als ein Hotel und liefert, anders als etwa Boarding-Häuser, in die sich Projektarbeiter befristet einmieten können, ein buntes, soziales Netzwerk gleich mit.

„Die WG schafft die optimalen Voraussetzungen für Leute, die einen Schnellstart hinlegen wollen – beruflich und privat“, findet zum Beispiel der 27-jährige Bulgare Valeri Vuchev, der als Risikomanager bei der Düsseldorfer Hypothekenbank arbeitet und sich kürzlich in Düsseldorf eingemietet hat.

Zu den Erfindern der Riesenwohngemeinschaften in Deutschland zählt Sascha Eggers. Der Ex-Schauspieler startete vor fünf Jahren als einer der Ersten ein solches Projekt in einer Hamburger Villa.

Entstanden ist daraus inzwischen die „Students-Lodge“ in Eppendorf. Unter dem Dach des fünfstöckigen Jugendstilhauses leben derzeit 58 Bewohner auf 1300 Quadratmetern, darunter Mitarbeiter von Airbus, Beiersdorf und Siemens.

„Die meisten befinden sich in der Probezeit oder hangeln sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten“, sagt der 31-jährige Eggers. Ihre Mietverträge können wie ihre Arbeitsverträge kurzfristig gekündigt oder verlängert werden – jeweils vier Wochen im Voraus. „Alle hier sind in der gleichen, unsicheren Situation. Deshalb klappt das so gut.“

Nach Hamburg und Düsseldorf sollen bald weitere WGs dieser Art entstehen – in Köln, Frankfurt und München gibt es bereits konkrete Pläne. Ebenso in Düsseldorf-Pempelfort, wo schon Anfang Juni in der Gneisenaustraße eine zweite Berufskommune für 50 Personen eröffnen soll. Hauseigentümer Bernd Prasuhn baut derzeit das ehemalige Bürogebäude um.

Während sich in der Hamburger Riesen-WG die knapp 60 Jobnomaden einen Kühlschrank teilen, geht es in der Düsseldorfer Jobkommune deutlich komfor-tabler zu: Hier gibt es sogar Sauna, Whirlpool und einen Hemden-Abholservice.

Im Taubenschlag der Wanderarbeiter leben und arbeiten Marketingexperten und Personalmanager von L’Oréal, Vodafone und Henkel, aber auch selbstständige Kreative und IT-Berater sowie einige Banker sind darunter. Die Mischung ist bunt – und das ist auch so gewollt.

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