Anpassung par excellence: "Wir sollten nicht nur auf die Noten achten"

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Anpassung par excellence: Sind die Hörsäle voller Duckmäuser?

"Wir sollten nicht nur auf die Noten achten"

Haben Sie eine Lösung für das Problem?

Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Mein Buch ist ja – trotz des vordergründig wenig studentenfreundlichen Titels - eine Selbstkritik. Wir stellen uns viel zu selten die Fragen: Wie und was lehren wir denn überhaupt? Wie bringen wir wichtige geisteswissenschaftliche Erkenntnisse für bewahrenswert halten, an die Studenten? Wie inspirierend sind wir für neue Gedanken? Wir trauen uns nicht, zuzugeben, dass wir als Lehrende gar nicht so selten scheitern oder zumindest ratlos sind. Wir reden viel zu wenig über die Lehre.

Sie haben auch geschrieben, dass sich Dozenten und Studenten gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Beide gingen den Weg des geringsten Widerstandes.

Wie Noten vergeben werden, ist gerade in den Geisteswissenschaften ein geheimnisvoller Prozess. Der Wissenschaftsrat hat in einer großen Studie Ende 2012 eine wundersame Vermehrung guter und sehr guter Abschlussnoten festgestellt. Warum das so ist, darüber kann man nur mutmaßen. Aus der eigenen Praxis würde ich sagen: Es hat auch damit zu tun, dass beim Bachelorzeugnis jede Note sichtbar ist. Eigentlich sollte dieses Punktesammeln den Druck von der Abschlussprüfung nehmen. Es hat aber auch dazu geführt, dass man bei der Bewertung Hemmungen hat, eine Vier zu geben, weil sie bis in die Abschlussnote hinein durchschlägt.

Hochschulabschlüsse Warum das Studium an Wert verliert

Ein Akademiker zu sein, ist heute nichts besonderes mehr - das war mal anders. Doch die Abschlüsse werden immer bedeutungsloser - und zwingen zu außeruniversitären Zusatzqualifikationen.

Quelle: imago / hoch zwei stock

Woher kommt diese Einserflut?

Woher kommt die Explosion bei den 1,0-Abiturnoten? Es gibt die politische Erwartung, dass wir Exzellenz im Bildungswesen produzieren und wenn die Noten besser werden, dann sieht das nach einer erfolgreichen Bildungspolitik aus. Jetzt melden sich Wirtschaftsverbände und sagen: Wir haben nur noch Bewerber mit Top-Durchschnitten, wir glauben euren Bewertungen nicht mehr. So ganz ehrlich und transparent ist die Notengebung offenkundig nicht.

Ein Zustand, den die Lehrerschaft aber selbst in der Hand hat...

Ein erster Schritt ist es auch hier, Zweifel und Kritik offen auszusprechen. Zu fragen: Gehen den besseren Noten objektiv bessere Leistungen voraus? Oder ist die Eins nur der Weg des geringsten Widerstands?

Will der Markt nur Leute mit Einserschnitt?

Bisher waren die Signale so. Wer Top-Absolventen haben kann, lädt auch nur Bewerber mit Einserabschluss ein. Gute bis sehr gute Noten werden einfach vorausgesetzt. Und weil das nicht reicht, erwarten Arbeitgeber darüber hinaus noch zahlreiche Zusatzqualifikationen, vor allem Praktika in möglichst exotischen Ländern.

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Ich gebe zu jeder Hausarbeit eine Begründung der Note und biete natürlich auch ein Gespräch an. Bereits bei einer Drei plus gibt es regelrecht Verhandlungsbedarf. Wenn sich herumspricht, dass Sie auch Vieren oder gar „nicht bestanden“ vergeben, dann geht das Gros dorthin, wo die Punkte leichter zu bekommen sind. Manche Studenten sagen nach der Prüfung ganz ehrlich, dass sie sich wundern, wie oft sie bei überschaubarer Leistung mit guten Noten durchkommen. Nun kann man das natürlich nicht für alle Fächer sagen. Es gibt auch Professoren, die sich damit brüsten, wie viele Studenten bei ihnen durchfallen - in Jura oder in den Ingenieurswissenschaften zum Beispiel. Es wäre ideal, wenn wir zu einem Zustand fänden, in dem die Noten tatsächlich etwas aussagen. Oder aber wir einigen uns darauf, dass wir an der Hochschule allen ein „Sehr gut“ ausstellen.

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