Aufschieberitis vor Semesterende: Warum Studenten lieber putzen als pauken

Aufschieberitis vor Semesterende: Warum Studenten lieber putzen als pauken

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Stifte sortieren, Oma anrufen, Wohnung putzen: Bei der Aufschieberitis ist jedes Mittel recht um nicht mit der eigentlichen Aufgabe anfangen zu müssen.

Das Lernen vor dem Semesterende ist für Studenten eine Qual - und für ihre Wohnungen ein richtiger Luxus. Denn wohl in keiner anderen Zeit greifen die Studenten lieber zum Putzlappen. Grund dafür ist ein weit verbreitetes Phänomen: Die Aufschieberitis.

Eine Studenten-WG ist nicht sauber. Wer hat zuletzt das Bad geputzt? Er? Sie? Egal, machen wir morgen. Gegen Ende des Semsters sieht das anders aus. Dann blitzt Badewanne, der Herd erstrahlt plötzlich in neuem Glanz und sogar der Staubsauer steht verlockend in der Ecke - aber die Lernbücher bleiben angestaubt im Schrank. Schuld daran ist die "Aufschieberitis", denn mit den Klausuren und Abgabefristen kommen auch die Ausreden. In extremen Fällen werden sie chronisch und zum Persönlichkeitsproblem. Nur woher kommt das?

Im Prinzip ist Aufschieberitis nichts anderes als eine Verzögerungstaktik – mit einem Haken: Man täuscht nicht andere, sondern sich selbst. Und ist sich dessen auch noch vollkommen bewusst. Kern des „Aufschiebens“ ist es, unangenehme, lästige oder anstrengende Arbeiten vor sich herzuschieben, frei nach dem Motto: „Das mache ich schon morgen“. Um dringenden Aufgaben aus dem Weg zu gehen, ziehen die „Aufschieber“ alle anderen erdenklichen Tätigkeiten vor, auch die, vor denen sie sich sonst drücken. An dieser Stelle ist Staub wischen dann wirklich „notwendig“ und E-Mails checken wird doppelt wichtig. Viele Aufschieber kriegen ihre kleinen Bummeleien zwar irgendwann wieder in den Griff, andere jedoch nicht: Sie sind aber nicht besonders faul, sondern haben eine psychische Arbeitsstörung. „Prokrastination“ nennt sich das und bedeutet sinngemäß übersetzt „Vertagung“.

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Seit einigen Jahren beschäftigen sich auch die Universitäten mit Prokrastination – und das mit gutem Grund, denn vor allem unter Studenten finden sich überdurchschnittlich viele Aufschieber. Professor Matthias Nückles von der Uni Freiburg begründet das mit den Umständen, in denen Prokrastination häufig auftritt: „Das sind konkrete Leistungssituationen, in denen das Individuum signifikante Freiheitsgrade hat und von sich aus Dinge angehen muss.“ Also Situationen, in denen sich vor allem Studenten häufig wiederfinden: Kein Chef schaut ihnen auf die Finger, bis zur Abgabefrist ist individuelles Zeitmanagement gefragt und normalerweise hat die nächste Hausarbeit keinen direkten Auswirkungen auf den Lebensunterhalt. Sprich: Perfekte Bedingungen um die Hausarbeit erst morgen anzufangen. In einer Studie der Uni Freiburg geben sechs von zehn Studenten an, selber „aufzuschieben“ und die Uni Münster hat herausgefunden, dass mindestens sieben Prozent der Studenten unter der extremeren Ausprägung, der Prokrastination leiden. Amerikanische Studien gehen sogar von bis zu 20 Prozent aus.

Die Psychologie-Diplomandinnen der Münsteraner Studie haben anhand ihrer fast 1000 Befragten das Durchschnittprofil eines Aufschiebers analysiert. Demnach sind Aufschieber unter den beiden Geschlechtern etwa gleich oft vorhanden, sind ängstlich und unsicher, eher bereits am Ende des Studiums und studieren ein „unstrukturiertes“ Fach wie beispielsweise eine Sprache oder Philologie.

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