Ausbildungsmarkt: Verlierer sind Hauptschüler, Migranten und Ostdeutsche

Ausbildungsmarkt: Verlierer sind Hauptschüler, Migranten und Ostdeutsche

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Die duale Ausbildung verliert im Osten zunehmend an Bedeutung: Fast um die Hälfte ist die Zahl der Bewerber in den vergangenen Jahren in Sachsen geschrumpft.

International gilt die deutsche Berufsausbildung als vorbildlich. Doch hierzulande schrumpft der Ausbildungsmarkt. Wer im Osten lebt, Hauptschüler oder Migrant ist, tut sich besonders schwer, eine Lehre zu finden.

Es wirkt skurril: Auf der einen Seite klagen Betriebe über mangelnden Nachwuchs, auf der anderen Seite finden viele Jugendliche keine Lehrstelle. Azubis fehlen insbesondere in den Reinigungsberufen, im Gastgewerbe und in der Lebensmittelverarbeitung. In diesen Branchen gibt es die meisten unbesetzten Ausbildungsplätze.
Der "Ländermonitor berufliche Bildung" der Bertelsmann-Stiftung zeigt, wo Angebot und Nachfrage besonders auseinander klaffen. Demnach ist die Zahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz seit 2007 bundesweit von 756.000 auf 613.000 gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 19 Prozent. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ging ebenfalls zurück, mit einem Minus von 13 Prozent jedoch weniger stark (von 644.000 auf 563.000). Die rechnerischen Chancen auf eine Lehrstelle haben sich somit für den einzelnen Bewerber erhöht.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen

  • Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

    Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
    Auf Platz fünf der häufigsten Ausbildungsberufe bei den Männern folgt mit 10.737 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

  • Elektroniker

    Elektroniker
    Auf Platz vier folgt der Beruf des Elektronikers, den im vergangenen Jahr 11.340 junge Männer angefangen haben zu lernen.

  • Industriemechaniker

    Industriemechaniker
    Bei den Männern folgt auf den erwähnten Traumberuf des KfZ-Mechatronikers der Einzelhandelskaufmann mit 14.154 Vertragsabschlüssen. An dritter Stelle kommt der Industriemechaniker. Die entsprechende Ausbildung haben im vergangenen Jahr 12.432 junge Männer begonnen.

  • Zahnmedizinische Fachangestellte

    Zahnmedizinische Fachangestellte
    Auch der Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten ist demnach ein Frauenjob: Mit 11.070 Ausbildungsverträgen liegt er bei den Frauen auf Platz fünf der beliebtesten Lehrberufe.

  • Medizinische Fachangestellte

    Medizinische Fachangestellte
    Mehr als ein Fünftel der neu abgeschlossenen Verträge konzentrierte sich auf diese fünf genannten häufigsten Ausbildungsberufe. Betrachtet man die Berufswahl nach Geschlechtern getrennt, sieht das Ranking allerdings ein bisschen anders aus. Bei den Neuabschlüssen von weiblichen Jugendlichen lag 2014 der Beruf Kauffrau für Büromanagement mit einem Anteil von 10,3 Prozent auf Rang eins, danach folgen die Einzelhandelskauffrau mit 16.926 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und die Verkäuferin mit 14.508 Verträgen. Erst an vierter stelle taucht ein Beruf auf, den man auf der Liste der beliebtesten Lehrberufe bei den Männern vergeblich sucht: Den der medizinischen Fachangestellten: 13.881 junge Frauen haben eine entsprechende Ausbildung begonnen.

  • Industriekaufmann/-kauffrau

    Industriekaufmann/-kauffrau
    Mit 18.177 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen belegt der Industriekaufmann beziehungsweise die Industriekauffrau den fünften Platz der häufigsten Ausbildungsberufe bei Männern und Frauen. Laut den Statistikern beeinflusst die schulische Vorbildung die Berufswahl der Deutschen. Bei Jugendlichen mit Hochschulzugangsberechtigung waren Industriekaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement sowie Bankkaufmann/-kauffrau die häufigsten Ausbildungsberufe.

  • Kraftfahrzeugmechatroniker/-in

    Kraftfahrzeugmechatroniker/-in
    19.773 junge Deutsche haben sich für eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker/-in entschieden. Damit belegt dieser Lehrberuf den vierten Platz. Bei Männern ist Kfz-Mechatroniker der beliebteste Ausbildungsberuf - sie machen mit 18.978 angehenden Mechatronikern den Löwenanteil aus.

  • Verkäufer/in

    Verkäufer/in
    Auf Platz drei folgen sowohl bei Männern als auch Frauen der Verkäufer beziehungsweise die Verkäuferin. 24.702 entsprechende Ausbildungsverträge sind im letzten Jahr abgeschlossen worden. Bei Jugendlichen ohne einen Hauptschulabschluss rangierte der Beruf Verkäufer/-in sogar auf Platz eins, gefolgt von Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Der Anteil Jugendlicher mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag ohne Hauptschulabschluss beträgt dabei allerdings nur 2,9 Prozent gegenüber einem Anteil von 26,0 Prozent mit Abitur.

  • Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement

    Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement

    Auf Platz zwei der beliebtesten Lehrberufe folgen der Kaufmann oder die Kauffrau für Büromanagement. 28.725 junge Menschen haben einen entsprechenden Ausbildungsberuf begonnen. Die Daten der aufgehobenen Ausbildungsberufe Bürokaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation und Fachangestellter/Fachangestellte für Bürokommunikation wurden dem neuen Beruf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement zugeordnet.
    Die deutsche Wirtschaft braucht derzeit jedoch ganz andere Fachkräfte: In 96 verschiedenen Berufsbildern herrscht schon seit Jahren ein Mangel an auszubildenden und Fachkräften. Die Kaufleute sind es jedoch nicht, die so händeringend gesucht werden. Die komplette Liste aller Engpass-Berufe finden Sie hier.

  • Einzelhandelskaufmann/-frau

    Einzelhandelskaufmann/-frau
    Deutschland ist und bleibt Kaufmann. Seit zehn Jahren sind die Top drei der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland unverändert - und ganz vorne stehen die kaufmännischen Berufe. So haben im 2014 insgesamt 518.391 Jugendliche einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. 31.080 davon entfielen auf den Beruf des Kaufmanns oder der Kauffrau im Einzelhandel.

Aber: Hauptschüler und Ausländer sind von dieser Positiv-Entwicklung ausgeschlossen, wie der Ländermonitor zeigt. Die geringste Erfolgsquote bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben demnach Hauptschüler ohne deutschen Pass. Nur 37 Prozent von ihnen finden direkt eine Lehrstelle, deutsche Hauptschüler haben eine Erfolgsquote von 54 Prozent. Eine Ausbildungsumfrage der Allensbach-Stiftung unter 15- bis 24-Jährigen zeigt, wie problematisch diese Art der Diskriminierung ist: Junge Menschen mit ausländischen Wurzeln sind laut Studie deutlich aufstiegswilliger als die deutschen Altersgenossen. 60 Prozent von ihnen ist es wichtig oder sehr wichtig, sozial aufzusteigen und mehr zu erreichen als ihre Eltern. Von allen Befragten legen darauf nur 46 Prozent den gleichen Wert. Jeder zweite junge Migrant glaubt demnach auch, dass er beruflich mehr erreicht als seine Eltern. Doch ohne Ausbildungsplatz ist das nicht möglich.

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Diese Ausbildungsberufe haben die höchsten Abbrecherquoten

  • 51,0

    Am häufigsten werfen junge Menschen die Lehre hin, die Kellner oder Kellnerin werden wollten.

  • 50,9

    50,9 Prozent derjenigen, die eine Ausbildung zum Umzugshelfer begonnen haben, halten nicht durch.

  • 49,5

    Auch den Beruf des Wachmanns haben sich 49,5 Prozent der Auszubildenden offenbar anders vorgestellt, als er letztlich ist.

  • 49,4

    Dichtauf folgen die Köche: Am Herd brechen 49,4 Prozent ihre Ausbildung ab.

  • 45,0

    45 Prozent der Kosmetiker-Azubis halten die Lehre nicht durch.

  • 44,3

    Auch bei den Gebäudereinigern ist die Abbrecherquote mit 44,3 Prozent sehr hoch.

  • 44,2

    Bei den Friseuren werfen 44,2 Prozent der Lehrlinge vorzeitig das Handtuch.

  • 43,7

    Und bei den Lkw-Fahrern brechen 43,7 Prozent vorzeitig ab.

Immerhin: Je höher der Schulabschluss, desto geringeren Einfluss hat die Nationalität. Die Erfolgsquote für den Eintritt in eine Berufsausbildung von ausländischen Schulabgängern mit Abitur oder Fachhochschulreife liegt mit 94 Prozent nur knapp unterhalb der ihrer deutschen Altersgenossen (97 Prozent).

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

  • 21 Prozent

    Laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ wollen sich 21 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Lehre beziehungsweise ihrem späteren Job selbst verwirklichen.

  • 22 Prozent

    22 Prozent gehören zu den zweckorientierten Karrieristen, die den Beruf lernen, mit dem sich am schnellsten das meiste Geld verdienen lässt und wo es am schnellsten die Karriereleiter hinauf geht.

  • 57 Prozent

    Die Mehrheit sucht Spaß sowie Erfüllung im Beruf und möchten bei der Arbeit ihre Wertvorstellungen umsetzen.

Die besten Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben Ausländer unabhängig vom Schulabschluss in Mecklenburg-Vorpommern. 89 Prozent der ausländischen Bewerber beginnen dort eine vollqualifizierende Ausbildung – von den deutschen Altersgenossen gelingt dies nur 84 Prozent. Erheblich schlechtere Chancen haben Jugendliche ohne deutschen Pass in Bremen: Nur 41 Prozent von ihnen können in der Hansestadt direkt eine Ausbildung beginnen (Deutsche: 74 Prozent).


Ostdeutsche Unternehmen bilden kaum noch aus

Laut der Studie gibt es auch regionale Verlierer im bei der Lehrstellensuche: Die Ausbildung in Unternehmen oder an Berufsschulen büßt vor allem im Osten Deutschlands immer mehr an Bedeutung ein. Auch die Bewerberzahlen brechen dort dramatischer ein als in anderen Teilen Deutschlands. Das Problem sind die fehlenden jungen Menschen, ein ungebrochener Trend zum Studium und freie Stellen, die nicht zu Bewerbern passen.

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Insgesamt ist demnach das Angebot an Plätzen im Osten zwischen 2007 und 2013 um fast 40 Prozent geschrumpft. Die Zahl der Bewerber sank um 47 Prozent. Der demografische Wandel schlage im Osten noch stärker zu als im Westen, erklären die Experten der Stiftung. So sei die Bevölkerung im besonders ausbildungsrelevanten Alter zwischen 15 und 24 Jahren im Osten in den letzten zehn Jahren um ein Drittel geschrumpft, im Westen war der Rückgang mit unter 20 Prozent weniger dramatisch. „Von den Jugendlichen, die übrig bleiben, wollen immer mehr Abitur machen und studieren“, sagte Clemens Wieland, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung.


Im Osten fällt zudem besonders stark ins Gewicht, dass gerade kleine Betriebe sich zunehmend aus der Ausbildung zurückziehen. Von den Unternehmen mit maximal fünf Mitarbeitern haben etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen weniger als fünf Prozent überhaupt noch Lehrlinge. In den westlichen Bundesländern ist die Quote bei den Kleinstbetrieben auch rückläufig aber immerhin doppelt so hoch.

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