Ausbildungsreport: Überstunden gehören zur Ausbildung dazu

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Ausbildungsreport: Überstunden gehören zur Ausbildung dazu

Für viele Auszubildende hat die Arbeitswoche deutlich mehr als 40 Stunden. Auch sonst hapert es bei so manchem Ausbildungsbetrieb. Und das, obwohl sich die Unternehmen jetzt schon schwer tun, Lehrlinge zu finden.

Viele Betriebe suchen händeringend nach Azubis - allerdings geben sie sich keine große Mühe, für die Lehrlinge auch attraktiv zu sein. Viele junge Leute klagen über Überstunden und fehlende Ausbildungspläne wie der Ausbildungsbericht 2015 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unter 18.000 Azubis zeigt. Demnach leisten 38 Prozent der Azubis regelmäßig Überstunden. 33 Prozent haben keinen betrieblichen Ausbildungsplan. Jeder zehnte Lehrling muss demnach häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen.

Von jenen, die einen Ausbildungsplan haben und auch gut kennen, gab nur gut die Hälfte an, dass dieser auch immer eingehalten werde. Fast 13 Prozent der minderjährigen Azubis beklagen, regelmäßig mehr als die Höchstzahl von 40 Wochenstunden arbeiten zu müssen. Der DGB-Jugendsekretär Florian Haggenmiller forderte: „Diesem klaren Gesetzesverstoß müssten Sanktionen für die Betriebe folgen.“

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Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

  • 21 Prozent

    Laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ wollen sich 21 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Lehre beziehungsweise ihrem späteren Job selbst verwirklichen.

  • 22 Prozent

    22 Prozent gehören zu den zweckorientierten Karrieristen, die den Beruf lernen, mit dem sich am schnellsten das meiste Geld verdienen lässt und wo es am schnellsten die Karriereleiter hinauf geht.

  • 57 Prozent

    Die Mehrheit sucht Spaß sowie Erfüllung im Beruf und möchten bei der Arbeit ihre Wertvorstellungen umsetzen.

Mehr als 71 Prozent sind mit der Ausbildung zwar zufrieden - doch gibt es riesige Unterschiede zwischen den Branchen. Überdurchschnittlich schlecht bewerteten laut dem Report Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Köche, Hotelfachleute, Maler, Lackierer sowie Zahnmedizinische Fachangestellte ihre Ausbildung. So gaben fast 59 Prozent der Hotelfachleute und 57 Prozent der Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen.

Die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack sagte, die Vermutung liege nahe, dass junge Leute diese Berufe bewusst meiden. Besonders zufrieden sind der Umfrage zufolge - wie auch in den Vorgänger- Reports - hingegen Bankkaufleute, Mechatroniker, Zerspanungs- oder Industriemechaniker und Elektroniker mit ihrer Ausbildung.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen

  • Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

    Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
    Auf Platz fünf der häufigsten Ausbildungsberufe bei den Männern folgt mit 10.737 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

  • Elektroniker

    Elektroniker
    Auf Platz vier folgt der Beruf des Elektronikers, den im vergangenen Jahr 11.340 junge Männer angefangen haben zu lernen.

  • Industriemechaniker

    Industriemechaniker
    Bei den Männern folgt auf den erwähnten Traumberuf des KfZ-Mechatronikers der Einzelhandelskaufmann mit 14.154 Vertragsabschlüssen. An dritter Stelle kommt der Industriemechaniker. Die entsprechende Ausbildung haben im vergangenen Jahr 12.432 junge Männer begonnen.

  • Zahnmedizinische Fachangestellte

    Zahnmedizinische Fachangestellte
    Auch der Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten ist demnach ein Frauenjob: Mit 11.070 Ausbildungsverträgen liegt er bei den Frauen auf Platz fünf der beliebtesten Lehrberufe.

  • Medizinische Fachangestellte

    Medizinische Fachangestellte
    Mehr als ein Fünftel der neu abgeschlossenen Verträge konzentrierte sich auf diese fünf genannten häufigsten Ausbildungsberufe. Betrachtet man die Berufswahl nach Geschlechtern getrennt, sieht das Ranking allerdings ein bisschen anders aus. Bei den Neuabschlüssen von weiblichen Jugendlichen lag 2014 der Beruf Kauffrau für Büromanagement mit einem Anteil von 10,3 Prozent auf Rang eins, danach folgen die Einzelhandelskauffrau mit 16.926 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und die Verkäuferin mit 14.508 Verträgen. Erst an vierter stelle taucht ein Beruf auf, den man auf der Liste der beliebtesten Lehrberufe bei den Männern vergeblich sucht: Den der medizinischen Fachangestellten: 13.881 junge Frauen haben eine entsprechende Ausbildung begonnen.

  • Industriekaufmann/-kauffrau

    Industriekaufmann/-kauffrau
    Mit 18.177 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen belegt der Industriekaufmann beziehungsweise die Industriekauffrau den fünften Platz der häufigsten Ausbildungsberufe bei Männern und Frauen. Laut den Statistikern beeinflusst die schulische Vorbildung die Berufswahl der Deutschen. Bei Jugendlichen mit Hochschulzugangsberechtigung waren Industriekaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement sowie Bankkaufmann/-kauffrau die häufigsten Ausbildungsberufe.

  • Kraftfahrzeugmechatroniker/-in

    Kraftfahrzeugmechatroniker/-in
    19.773 junge Deutsche haben sich für eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker/-in entschieden. Damit belegt dieser Lehrberuf den vierten Platz. Bei Männern ist Kfz-Mechatroniker der beliebteste Ausbildungsberuf - sie machen mit 18.978 angehenden Mechatronikern den Löwenanteil aus.

  • Verkäufer/in

    Verkäufer/in
    Auf Platz drei folgen sowohl bei Männern als auch Frauen der Verkäufer beziehungsweise die Verkäuferin. 24.702 entsprechende Ausbildungsverträge sind im letzten Jahr abgeschlossen worden. Bei Jugendlichen ohne einen Hauptschulabschluss rangierte der Beruf Verkäufer/-in sogar auf Platz eins, gefolgt von Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Der Anteil Jugendlicher mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag ohne Hauptschulabschluss beträgt dabei allerdings nur 2,9 Prozent gegenüber einem Anteil von 26,0 Prozent mit Abitur.

  • Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement

    Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement

    Auf Platz zwei der beliebtesten Lehrberufe folgen der Kaufmann oder die Kauffrau für Büromanagement. 28.725 junge Menschen haben einen entsprechenden Ausbildungsberuf begonnen. Die Daten der aufgehobenen Ausbildungsberufe Bürokaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation und Fachangestellter/Fachangestellte für Bürokommunikation wurden dem neuen Beruf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement zugeordnet.
    Die deutsche Wirtschaft braucht derzeit jedoch ganz andere Fachkräfte: In 96 verschiedenen Berufsbildern herrscht schon seit Jahren ein Mangel an auszubildenden und Fachkräften. Die Kaufleute sind es jedoch nicht, die so händeringend gesucht werden. Die komplette Liste aller Engpass-Berufe finden Sie hier.

  • Einzelhandelskaufmann/-frau

    Einzelhandelskaufmann/-frau
    Deutschland ist und bleibt Kaufmann. Seit zehn Jahren sind die Top drei der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland unverändert - und ganz vorne stehen die kaufmännischen Berufe. So haben im 2014 insgesamt 518.391 Jugendliche einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. 31.080 davon entfielen auf den Beruf des Kaufmanns oder der Kauffrau im Einzelhandel.

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Einen Schwerpunkt legt die Studie auf die Situation der Azubis mit ausländischen Wurzeln. Mehr als jeder Fünfte gab an, in der Ausbildung bereits Diskriminierungen etwa aufgrund der Hautfarbe erfahren zu haben. Bei jedem achten passiere dies regelmäßig. Junge Leute mit Migrationshintergrund haben zudem überdurchschnittlich oft Ausbildungsplätze jenseits ihres Wunschberufs.

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) konnten vergangenes Jahr 32 Prozent der Betriebe nicht alle angebotenen Stellen besetzen. Rund 12 000 Unternehmen bekamen demnach gar keine Bewerbungen.

Der Vize-Hauptgeschäftsführer des DHIK, Achim Dercks, stellte heraus: „Der DGB-Report zeigt, dass ein Großteil der befragten Azubis mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden ist.“ Gäbe es Konflikte, solle Jugendlichen und Unternehmen verstärkt geholfen werden. Dazu werde nun ein neues, unkompliziertes Beschwerdemanagement erprobt. „Bei besonders groben Verstößen greifen die Industrie- und Handelskammern schon jetzt ein und können die Ausbildungsberechtigung entziehen“, sagte Dercks.

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