Auslands-Aufenthalt: Geht Erasmus das Geld aus?

09. November 2012
Die Universität von Sevilla: Spanien war vergangenes Jahr das beliebteste Ziel deutscher Erasmus. 19,8 Prozent der deutschen Teilnehmer verschlug es im Förderungsjahr 2010/2011 dort hin. Nun gehen dem EU-Studentenaustauschprogramm allmählich die Mittel aus. Quelle: dpa/dpawebBild vergrößern
Die Universität von Sevilla: Spanien war vergangenes Jahr das beliebteste Ziel deutscher Erasmus. 19,8 Prozent der deutschen Teilnehmer verschlug es im Förderungsjahr 2010/2011 dort hin. Nun gehen dem EU-Studentenaustauschprogramm allmählich die Mittel aus. Quelle: dpa/dpaweb
von Marcel Berndt

Dem EU-Studentenaustauschprogramm Erasmus geht das Geld aus. Die Mittel werden dem Ansturm der Studenten nicht gerecht - vor allem Deutsche haben bisher profitiert. Während die EU über ihren Haushalt verhandelt, fordern über 100 Prominente in einem offenen Brief, eine ausreichende Finanzierung des Projekts.

Es ist ein Aushängeschild der Europäischen Union. Doch nun geht dem erfolgreichen Studentenaustausch-Programm „Erasmus“ das Geld aus. Und das zum 25-jährigen Bestehen. Die bis Ende 2013 vorgesehenen Mittel reichen nicht aus, um das Programm bis dahin weiter zu führen.

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Das ist mit ein Grund, warum die EU-Kommission und die Finanzminister der Mitgliedsstaaten heute in Brüssel um den EU-Haushalt ringen. Es geht einerseits um den Haushalt 2013, andererseits um eine ungewöhnlich hohe Mittelaufstockung für dieses Jahr. Der von EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski beantragte Nachtragshaushalt beträgt neun Milliarden Euro.

„Kein einziger Euro davon geht nach Brüssel“, verteidigte der polnische Kommissar seinen Vorschlag, der noch von den Mitgliedstaaten gebilligt werden muss. Neben dem Erasmus-Programm wird das meiste Geld des Nachtragshaushalts im Kohäsionsfonds benötigt, der ärmere Regionen unterstützt.

„Es war absehbar, dass der Engpass kommt“, sagte Lewandowski. Die Kommission gibt den EU-Staaten schon länger die Schuld an den Finanznöten. Wenn die Mitgliedsstaaten die EU direkt besser ausstatten würden, müsste es am Ende keine Nachverhandlungen geben. So hatte die Kommission ursprünglich für dieses Jahr ein Plus von fünf Prozent gefordert. Die Finanzminister haben jedoch nur ein 1,86 Prozent größeres Budget von 129 Milliarden Euro gewährt. Ähnlich sehen die unterschiedlichen Positionen für den kommenden Haushalt 2013 aus.

Erfolgsgeschichte Erasmus

Die beschränkten Mittel gefährden auch die Erfolgsgeschichte Erasmus. In die Haushaltsverhandlungen haben sich daher über 100 europäische Prominente mit einem offenen Brief eingeschaltet. Darin fordern sie eine ausreichende Finanzierung des Studentenprogramms. „Wir hoffen, dass das Erasmus-Budget in den Jahren 2012/2013 ausreichend sein wird, um die Zusagen einzuhalten, die den Studierenden auf Grundlage bereits vereinbarter Verpflichtungen gegeben wurden“, heißt es in dem Schreiben.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 10.11.2012, 12:25 UhrErasmusVorteilsnehmer

    Es ist schlimm zu sehen, dass sich auch die Wiwo hier von der EU einspannen lässt, um unter dem Deckmäntelchen des Erasmus-Programms, welches gerade einmal einen winzigen Bruchteil des Budgets ausmacht, für die Budgeterhöhung zu trommeln. Diesen Missbrauch des Erasmus-Programms durch Brüssel für die Erhöhung des Kohäsionsfonds in toto wird nun schon seit Wochen von der Presse völlig unreflektiert aufgeriffen und Brüssel "nach dem Mund geschieben". Das zeigt, auf welchem Niveau der Journalismus angekommen ist...

  • 09.11.2012, 18:22 Uhrbachelorette

    ich will ja niemanden den Spaß verderben, aber im Endeffekt ist sowas wie Auslandsaufenthalt nur Spielkram. Es gibt einen Haufen Studenten, die studiert haben, Auslandsaufenthalt hatten, Praktika und dennoch dauert es ewig bis sie eine adäquate Stelle finden.

    Das ist sicher witzig für die Studenten, bringt Spaß und ist spannend, aber notwendig ist es nicht.

    momentan wären die Gelder besser in Sozialprojekten aufgehoben für die Jugendlichen die europaweit massenhaft arbeitslos sind. Damit sie teilweise nicht auch noch obdachlos werden.

    das Reisen könnte man ja nach den Krisen weitermachen, hat aber keine Priorität.

    natürlich ist es eine nette Spielerei, aber Auslandserfahrung kann man auch nach dem Bachelor sammeln oder sowas.
    Das ist höchstens ein Extra, weil die Personalauswahl heutzutage vollkommen übertrieben abläuft - das ist total aus dem Ruder gelaufen - man muss sich wieder mit "weniger" zufrieden geben. Das wird immer übertriebener das Anspruchsdenken und ist nicht mehr zeitgemäß.

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