Avicenna-Studienwerk: Erstes staatliches Stipendium für muslimische Studenten

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Avicenna-Studienwerk: Erstes staatliches Stipendium für muslimische Studenten

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Das Bundesbildungsministerium finanziert das Avicenna-Studienwerk mit sieben Millionen Euro. „Wir wollen selbstbewusste Persönlichkeiten und Multiplikatoren unterstützen“, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (Mitte).

von Inga Methling

Für evangelische, katholische und jüdische Studenten gibt es das schon längst – jetzt werden auch muslimische Studierende mit einem staatlichen Stipendium gefördert.

Rund sieben Millionen Euro hat das Bildungsministerium für die nächsten vier Jahre angesetzt. Zum Wintersemester 2014/15 sollen die ersten 50 Studenten und Doktoranden Geld erhalten. Das neue Avicenna-Studienwerk sieht ein einkommensabhängiges Grundstipendium von bis zu 670 Euro im Monat plus Büchergeld vor. Promovierende bekommen 1.050 Euro.

Das Programm soll leistungsstarke junge Muslime fördern, die sich auch für das Gemeinwohl einsetzen. „Wir wollen selbstbewusste Persönlichkeiten und Multiplikatoren unterstützen“, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Das Avicenna-Studienwerk ist ein im März 2012 von Wissenschaftlern und Studierenden in Osnabrück gegründeter Verein. Der Vorstand und Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück, Bülent Ucar, spricht von einem historischen Schritt. „Die Etablierung eines muslimischen Begabtenförderungswerks ist ein Signal der Anerkennung und ein wichtiger Schritt hin zur Gleichbehandlung." Die Idee dazu hatten die Studenten Matthias Meyer und Beschir Hussain, die beide selbst Stipendiaten der Studienstiftung waren.

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Der Name Avicenna stammt vom muslimischen Universalgelehrten Ibn Sina (980-1037). Sein herausragendes Werk ist der Kanon der Medizin, der als Lehrbuch auch in Europa bis ins 18. Jahrhundert verwendet wurde. Avicenna gilt als ein Brückenbauer zwischen Ost und West und ist ein Symbol für wissenschaftliche Exzellenz.

Neben überdurchschnittlichen Leistungen zählt bei der Bewerbung auch gesellschaftliches Engagement. Aktuell wird noch am genauen Auswahlverfahren gefeilt. Die Stipendiaten sollen eine Beziehung zum Islam haben, konkrete Fragen zur Glaubensausübung spielen jedoch keine Rolle. Gefördert werden sollen auch Nicht-Muslime, die sich wissenschaftlich mit islamischen Themen auseinandersetzen. 

Neben der finanziellen und materiellen Förderung sollen die Stipendiaten vor allem „ideell“ unterstützt werden. Dazu gehören unter anderem Seminare zum Islam und gesellschaftspolitischen Themen, Unterstützung bei Praktika und Auslandsaufenthalten sowie eine studienbegleitende Förderung durch Wissenschaftler und Experten.

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Das Avicenna-Studienwerk wird von der Stiftung Mercator mit einer Million Euro unterstützt. „Die strukturelle Gleichbehandlung der Muslime in der Begabtenförderung ist ein wichtiges integrationspolitisches Signal und trägt dem Anliegen der Anerkennung des muslimischen Glaubens in Deutschland Rechnung“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Bernhard Lorentz.

Bundesweit gibt es bislang zwölf Begabtenförderungswerke. 2012 hat der Bund über die Begabtenförderwerke 25.394 Studierende und 4.242 Promovierende mit insgesamt 175,5 Millionen Euro gefördert. Die Förderwerke werden von unterschiedlichen Interessengruppen getragen, die die Pluralität der Gesellschaft abbilden und so möglichst unterschiedliche leistungsbereite Menschen darauf vorbereiten sollen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Konfessionell geprägt sind das katholische Cusanuswerk, das Evangelische Studienwerk Villigst und das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk. An deutschen Hochschulen sind derzeit rund 60.000 Muslime eingeschrieben.

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