Bertelsmann-Chancenspiegel: Das deutsche Schulsystem ist ungerecht

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Bertelsmann-Chancenspiegel: Das deutsche Schulsystem ist ungerecht

Eine Bertelsmann-Studie resümiert: Das deutsche Schulsystem ist immer noch ungerecht. Der Bildungserfolg ist demnach weiterhin stark abhängig von der sozialen Herkunft.

Die Chancengerechtigkeit in den deutschen Schulsystemen macht zwar stetige, aber nur langsame Fortschritte. Das zeigt der Chancenspiegel, den die Bertelsmann Stiftung mit der Technischen Universität Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena veröffentlicht hat.

Weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss, und der Anteil der Hochschulzugangsberechtigten steigt. Der Bildungserfolg jedoch ist nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig. Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien.

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Große regionale Unterschiede

Der Chancenspiegel analysiert jährlich, wie gerecht und leistungsstark das jeweilige Schulsystem der Bundesländer ist. Bildungsforscher vergleichen dafür die Durchlässigkeit der Schulsysteme sowie die Möglichkeiten der Schüler, sich gut ins Schulsystem zu integrieren, fachliche Kompetenzen zu entwickeln und gute Abschlüsse zu erhalten.

Die diesjährige Neuauflage bestätigt: Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, aber kein Land ist in allen Bereichen Spitze oder Schlusslicht. Im Ausmaß überraschend ist, dass Bildungschancen auch innerhalb der einzelnen Bundesländer regional höchst ungleich verteilt sind.

Weniger Schulabgänger ohne Abschluss

Die bundesweit positiven Trends: Seit dem Vorjahr sank erneut der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Verließen 2011 noch 6,2 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, waren es 2012 nur noch 6,0 Prozent (2009: 6,9 Prozent). Gestiegen ist hingegen der Anteil der Jugendlichen, die Fachhochschul- bzw. Hochschulreife erlangten. 2011 gelang dies 51,1 Prozent der Schulabgänger, 2012 bereits 54,9 Prozent (2009: 46,7 Prozent).

Geringe Fortschritte stellt der Chancenspiegel bei schulischen Ganztagsangeboten fest. 2012 besuchten 32,3 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule. Dieser Anteil hatte 2011 bei 30,6 Prozent gelegen. Der insgesamt langsame Ausbau deckt bei Weitem nicht die Nachfrage der Eltern nach Ganztagsplätzen; sie liegt bei 70 Prozent.

Im gebundenen Ganztag – also in Schulklassen, die über den gesamten Tag gemeinsam als Klassenverband unterrichtet werden – lernen lediglich 14,4 Prozent der Schüler. Genau diese Ganztagsform, so die Bildungsforschung, bietet jedoch gute Rahmenbedingungen dafür, alle Schüler individuell optimal zu fördern.

Der gebundene Ganztag kann potenziell am ehesten die Nachteile derjenigen Kinder ausgleichen, die in ihren Familien nur geringe Unterstützung erfahren. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, forderte deshalb einen erheblich schnelleren Ausbau der Ganztagsangebote: "Ein Rechtsanspruch wäre der entscheidende Hebel, damit genügend Ganztagsschulen eingerichtet und bessere Konzepte entwickelt werden."

Anteil der Sonderschüler bleibt konstant

Zwischen Fortschritt und Stagnation sieht der Chancenspiegel die Teilhabechancen von Schülern mit Förderbedarf. Zwar gehen immer mehr Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf auf eine Regelschule, der Anteil der Sonderschüler jedoch bleibt konstant. "Dieses Doppelsystem schließt nach wie vor fast 5 Prozent aller Schüler vom Regelschulsystem aus. Außerdem bindet es wichtige Ressourcen, die für guten inklusiven Unterricht in den Regelschulen gebraucht werden", sagte Dräger.

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Erstmals untersucht der Chancenspiegel nicht nur die Länderebene, sondern auch die Kreise und kreisfreien Städte. Die Bildungschancen sind auf der kommunalen Ebene höchst ungleich verteilt. In Bayern etwa verlassen landesweit nur 4,9 Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule.

Regional allerdings schwankt dieser Anteil zwischen 0,7 Prozent und 12,3 Prozent – auch bedingt durch das jeweilige Schulangebot vor Ort. Beispiel Sachsen: Hier machen 44,7 Prozent der Schüler Fachabitur oder Abitur. Die kommunale Spannbreite liegt zwischen 32 Prozent und 63 Prozent. "Eine stärkere Unterstützung der regionalen Schulentwicklung durch die Länder ist ratsam. So kann der Entstehung von Ungleichheit begegnet werden, unabhängig von den kommunalen Finanzlagen", sagt Bos von der TU Dortmund.

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