Bildung: Auf dem Weg in die Unwissensgesellschaft

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Bildung: Auf dem Weg in die Unwissensgesellschaft

von Ferdinand Knauß

Angeblich leben wir in einer Wissensgesellschaft. Tatsächlich aber stirbt das Wissen, wenn es zur Ware gemacht und an den Schulen und Universitäten durch Kompetenzen ersetzt wird.

In seinem sehr lesenswerten aktuellen Werk „Die Explosion des Wissens“ erzählt der britische Ideenhistoriker Peter Burke die Geschichte des Wissens von der Epoche der Aufklärung bis zur Gegenwart nach. Der deutsche Titel - im Original heißt es schlicht „A Social History of Knowledge“ – ist vielsagend zweideutig: Was explodiert, breitet sich schlagartig aus, macht existierende Ordnungen platt - und zerlegt sich dabei gleichzeitig selbst unwiederbringlich in kleinste Einzelteile.

Die Geschichte des Wissens wird üblicherweise als eine große Geschichte des Fortschritts gesehen, die in der „Wissensgesellschaft“ mündet, in der wir nun angeblich leben – und die immer schneller fortschreitet. Eine ewige Aufwärtsbewegung von immer mehr wissenden Menschen.

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Burke aber erzählt sein Werk gerade nicht als eine solche eindimensionale Fortschrittsgeschichte. Er widmet auch dem „Wissen verlieren“ ein eigenes Kapitel. Die Geschichte des Wissens ist – wenn man weit genug zurückblickt – eine des Auf und Ab. Und es gibt gute Gründe dafür, die Gegenwart eher auf dem absteigenden Ast zu sehen.

Deutschlands beste Universitäten 2014

  • Platz 10

    Technische Universität Kaiserslautern
    Sie wurde 1970 von der rheinland-pfälzischen Landesregierung gegründet und erhielt eine naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung, die sich bis heute bemerkbar macht. Im Fach Maschinenbau schaffte es die TU Kaiserslautern beim diesjährigen Hochschulranking aufs Treppchen. Im Bereich Elektrotechnik wurde sie Fünfte. Die Wirtschaftsingenieure sicherten sich den siebten, die Informatiker den achten Rang.

  • Platz 09

    Technische Universität Berlin
    Die 1879 gegründete TU Berlin schafft es gleich in fünf Fächern unter die ersten Zehn: Platz zwei in den Naturwissenschaften, Rang vier im Wirtschaftsingenieurwesen, Platz fünf in der Informatik. Sechster wurde die TU Berlin in der Elektrotechnik, siebter im Maschinenbau. Insgesamt konnte sich der Hochschulstandort in diesem Jahr deutlich verbessern und in zahlreichen Kategorien aufsteigen.

  • Platz 08

    Universität zu Köln
    Ihre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. 1919 wurde sie neu gegründet. Auch 625 Jahre nach ihrer ursprünglichen Gründung ist die Hochschule noch auf dem neusten Stand, wie das Uni-Ranking zeigt. Die Volkswirte der Universität zu Köln schaffen es auf den zweiten Platz. Im Fach BWL reicht es diesmal für den dritten Rang. Unter die ersten Fünf gelangt sie außerdem bei dem Wirtschaftsinformatikern.

  • Platz 07

    Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München)
    Doch die bayrische Hauptstadt beherbergt noch eine weitere Spitzenuniversität – die LMU München. Schon Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier. Die 1472 gegründete Hochschule zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie aktuell als beste deutsche Universität ausgezeichnet. Und auch die deutschen Personaler kann sie von sich überzeugen, vor allem in den Wirtschaftswissenschaften. Rang zwei erreicht sie im Fach BWL, in der Volkswirtschaftslehre reicht es für den dritten Rang. Die Bronzemedaille sicherte sich die LMU außerdem in den Naturwissenschaften.

  • Platz 06

    Technische Universität München
    Bereits 1868 gegründet, kann die TU München auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken, die von reichlich Erfolgen geprägt ist. So wurden zum Beispiel schon 13 Alumni und Professoren der Universität mit einen Nobelpreis ausgezeichnet. Auch im diesjährigen Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche kann die TU überzeugen. In der Wirtschaftsinformatik belegt sie hinter Darmstadt den zweiten Rang. Platz drei geht an die Informatiker der TU München. Auch im Maschinenbau (5. Platz), in der Elektrotechnik (4. Platz) und den Naturwissenschaften (5. Platz) punktete die bayrische Hochschule.

  • Platz 05

    Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Die Bankenstadt Frankfurt am Main bleibt auch im Uni-Ranking 2014 ihrem Image treu und punktet vor allem in den Wirtschaftswissenschaften: Sie siegt in der Volkswirtschaftslehre und schafft es im Fach BWL immerhin auf den fünften Rang. Genauso wie bei den Naturwissenschaften.

  • Platz 04

    Technische Universität Darmstadt
    Hoheitlich ist ebenfalls der Sitz des TU Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings nochmal 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: In der Wirtschaftsinformatik konnte die Universität ihren Sieg aus dem Vorjahr verteidigen. Im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Wirtschaftsingenieurwesen belegt sie jeweils Rang drei. Platz vier wurde es in der Informatik.

  • Platz 03

    Universität Mannheim
    Junge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Universität.
    Im diesjährigen Hochschul-Ranking belegt sie in der Betriebswirtschaftslehre weiterhin den ersten Rang. Im Fach Wirtschaftsinformatik reichte es immerhin für Platz zwei, in der VWL für den vierten Rang. Eine weitere TopTen-Platzierung schaffte sie im Bereich Informatik – Platz sechs.

  • Platz 02

    Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen)
    Obwohl die RWTH Aachen in gleich drei Disziplinen (Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau) ihren Spitzenplatz ans KIT abgeben muss, gehört sie weiterhin zu den Top-Hochschulen Deutschlands. Das ist auch der Anspruch der RWTH Aachen, die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative. Neben den zweiten Plätzen in Informatik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen, konnten die Aachener in Elektrotechnik und den Naturwissenschaften die Konkurrenz hinter sich lassen.

  • Platz 01

    Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
    Die Uni Karlsruhe war die Informatik-Pionierin unter den deutschen Hochschulen. 1969 etablierte sie als erste deutsche Hochschule einen Informatik-Diplomstudiengang. Drei Jahre später entstand in Karlsruhe die erste deutsche Fakultät für Informatik. Das zahlt sich nun aus. In diesem Jahr kann das KIT sowohl in der Informatik als auch im Maschinenbau und im Wirtschaftsingenieurwesen den ersten Rang für sich beanspruchen. Und ist damit in den technischen Studiengängen der absolute Spitzenreiter, sogar vor dem langjährigen Erstplatzierten, der RWTH Aachen. Ihr muss sich das KIT 2014 nur noch in den Fächern Elektrotechnik und Naturwissenschaften geschlagen geben. Dort erreichten die Karlsruher die Plätze zwei und acht.

Denn Wissen kann verloren gehen. Oder genauer gesagt: Wissen, egal ob auf Pergament, Papier oder auf Servern gespeichert, bleibt tote Materie, wenn es sich nicht mehr durch Menschen in Geist verwandelt. Und dann wird aus einer Wissensgesellschaft ganz schnell eine Unwissensgesellschaft.

Das passierte im weltgeschichtlichen Maßstab bereits mindestens einmal, nämlich beim Übergang von der Antike ins frühe Mittelalter. Mit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches gingen nicht nur praktische Kulturtechniken verloren, wie zum Beispiel das Wissen um die Herstellung von Dachziegeln. Viele Menschen des 6. Jahrhunderts lebten in Strohhütten, während die einstigen Städte mit Fußbodenheizungen und Abwassersystemen zu Ruinen verfielen.

Aber viel wichtiger: Gleichzeitig schloss in Athen im Jahre 529 der oströmische Kaiser Justinian die Platonische Akademie, in der bis dahin das Erbe der klassischen griechischen Denker gepflegt wurde. Diese banausische Untat im Namen des Christentums gilt vielen Historikern als die Geburtsstunde des „finsteren“ Mittelalters. Unzählige Bücher wurden in den folgenden Jahrhunderten schlicht vergessen, weil sie niemand mehr las.

Der Niedergang des Wissens ist aber leider nicht nur ein historisches Phänomen, sondern höchst aktuell.

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6 Kommentare zu Bildung: Auf dem Weg in die Unwissensgesellschaft

  • Guter und relevanter Artikel von Herrn Knauß !!
    Nicht umsonst hiess es "Wissen ist Macht". Gilt immer noch - aber nur für in der Birne abgespeichertes Wissen. In Bibliotheken, Büchern und auf servern abgelegtes Wissen ist totes Holz.
    Aber der Zeitgeist geht in die andere Richtung - "Nichts wissen macht auch nichts" (man kann es ja jederzeit bei Wikipedia finden). Ha ha.

  • Schon lange habe ich darauf gewartet einen Artikel wie diesen zu lesen und fühle mich nun noch mehr bestätigt in meiner Position zur unseren heutigen Wissensgesellschaft, da ich die selbe Meinung mit dem Autor teile. Ich mache 2015 mein Abitur und will keinesfall behaupten dass Wissen an den Schulen nicht mehr beigebracht wird, sondern dass die Art und Weise wie Schüler und Studenten Wissen vermittelt bekommen die Falsche ist. Bildung wird zunehmend als Handelsware betrachtet und auch so an den Schulen vermittelt. Bereits vor ca. 2000 Jahren sagte eins der antike Philosoph Seneca "Non vitae, sed scholae discimus" bzw. auf Deutsch "Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir". Genau in dieser Zeit befindet sich unsere Gesellschaft wieder. Es ist fast so als wäre kritisches Denken wieder verpönt, wie zu Braunen Zeiten. Am besten lässt sich das an dem Beispiel illustrieren, indem sich Politiker gegen eine Reinvestition an Bildung entscheiden. Die "Gesellschaft des Unwissens" wie sie Knauß nennt, hat für mich persönlich auch den Anschein eines komformistischen Gesellschaftssystems. Also Menschen die um jeden Preis zur breiten Bevölkerung gehören möchten und sich deshalb an alle Normen, Pflichten und Regeln halten ohne sich eine eigene politische Meinung zu bilden. Dies hat für eine einzelne Person einen Identitätsverlust zur Folge und dieser wird somit zum "Mitläufer". Die These ist gewagt und zweifel ich natürlich selber stark an dass es erneut zur Gleichschaltung kommt aber wen wundert es dass ich so etwas denke, wenn man in der Presse ständig vom zunehmenden Rechtspopulismus in Europa ließt oder dass der BND und die NSA sämtliche privaten Daten speichern und einen über Computer und Telefon überwachen. Ich hoffe ich konnte wenigstens ein paar Leute von meiner Argumentation überzeugen und dazu motivieren mehr kritisch zu Denken und zu Hinterfragen!

  • Chapeau, Herr Knauß, was für eine perfide Ironie: Faktenwissen als Schutz vor Leichtgläubigkeit zu verkaufen. Als ob Einstein nur deshalb auf die Relativitätstheorie gekommen wäre, weil er in der Schule besser aufgepasst hätte als all die anderen Physiker seiner Zeit; als ob der Verfasser des Hexenhammers nur deshalb so einen gefährlichen Schwachsinn zusammenschreiben konnte, weil er nicht genug Zeit in Büchereien verbracht hätte.
    Vielleicht will es dem natürlichen Verstand so vorkommen, als ob der (Irr-)Glaube, dass Karl der Große nie gelebt habe, nur von denen angenommen werde, denen man nicht gesagt hat, dass er eben doch gelebt hat - aber ist es mit der Existenz des Yetis nicht genau so?
    Natürlich, manches muss man einfach wissen; aber es ist verdammt wenig - und zumeist gerade das, was keiner für wissenswert hält (weil es ihm selbstverständlich ist, dass man es weiß; noch so ein Paradoxon, denn bedeutet nicht gerade das, dass es gewußt werden muss?). Der Name unseres amtierenden Bundespräsidenten gehört zum Beispiel nicht dazu, geschweige denn die vergangener.
    Weitaus wichtiger als Faktenwissen ist aber die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen; denn alleine dieser "Kompetenz" verdanken wir alles Faktenwissen. Kant erkannte die Natur der Sternennebel durch Nach-Denken, und nicht durch Nach-Schlagen in einem Buch. Es nützt nichts, das Höhlengleichnis auswendig hersagen zu können - womöglich auf Altgriechisch -, wenn man es nicht verstanden hat. Die Kraft aber, alles anzuzweifeln und zu hinterfragen, wächst nicht mit der Menge des Wissens, das man in sich hineinstopft; eher ist es umgekehrt. Sewegen sagte Sokrates stoz, dass er nichts wisse, und auch Goethe lässt Faust nach drei Studiengängen erkennen, dass er nun "so klug als wie zuvor" sei.
    Nein, Herr Knauß, Faktenwissen ist Gift für Phantasie: was ich sicher zu wissen glaube, kann ich mir nicht - ergebnisoffen! - selbst ausrechnen.

    "Sapere aude!" heißt nicht: lernt endlich lesen ...

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