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Bildung: Erste Versuche

von matthias.kamp@wiwo.de und peter gräf (Berlin)

Die Vorsätze sind immer die besten. Christian Wulff, damals noch CDU-Oppositionschef in Niedersachsen, forderte eine „totale Kurskorrektur“ in der Bildungspolitik, „eine wirkliche Strukturreform“. Der Berliner Schulsenator Klaus Boeger (SPD) machte sich stark dafür, die Reformen „sorgfältig, vorbehaltlos und entschlossen zu prüfen und umzusetzen“. Und Rot-Grün versprach 2002 im Koalitionsvertrag, „Deutschland muss im Bildungsbereich weltweit einen Spitzenplatz einnehmen“. Anlass für diese große Koalition des guten Willens: die erste Pisa-Studie im Jahr 2001, die deutschen Schülern ein desaströses Zeugnis ausgestellt hatte.

So werden auch diesen Montag wieder alle Politiker in bester Absicht Vorsätze verkünden, wenn Pisa-Papst Andreas Schleicher die neuesten Untersuchungsergebnisse bekannt gibt. Der Leiter der Abteilung für Bildungsforschung bei der OECD testiert den Deutschen im Jahr fünf nach Pisa erneut schlechte Leistungen, diesmal bei der Integration von Ausländerkindern. Besonders erschreckend: Türkische Schüler in Deutschland haben einen niedrigeren Leistungsstand als in vergleichbaren Ländern. Zwar hat es seit den ersten alarmierenden Pisa-Untersuchungen einige Reformen gegeben. Etliche Bundesländer haben das Abitur nach zwölf Schuljahren eingeführt. Die Bundesregierung stellte zudem Geld für Ganztagsschulen zur Verfügung.

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Karte: Hier forschen Deutschlands Spitzen-Wissenschaftler.

Doch von einer grundlegenden Reform, die das Schulwesen modernisiert, kann in Deutschland keine Rede sein. Vor allem: Anstatt mehr Geld in die Bildung zu stecken, werden die Etats weiter zusammengestrichen oder verharren auf unbefriedigendem Niveau. „Langfristig muss Deutschland mehr in Bildung investieren“, bemängelt Schleicher. Wie sehr die Politik abseits von Sonntagsreden im „Weiter so“ schlummert, zeigen Zahlen, die das Statistische Bundesamt vor Kurzem erst meldete. Danach haben Bund, Länder und Gemeinden ihre Aufwendungen für Vorschulen, Schulen und Hochschulen, die 2002 bei 103 Milliarden Euro lagen, im darauf folgenden Jahr trotz aller „Wir-werden-uns-bessern“-Schwüre nach dem Pisa-Debakel auf 102,2 Milliarden Euro gekürzt. Seit 1995 sind die Ausgaben in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Tendenz gefallen: von 3,55 auf 3,35 Prozent. Bei den Ausgaben für Schulen wurde seit Mitte der Siebzigerjahre sogar noch stärker gekürzt: Sie sind von drei auf zwei Prozent des BIPs gesunken, die für Hochschulen von einem auf ein halbes Prozent. „Rhetorik und tatsächliche Politik liegen weit voneinander entfernt“, sagt der Bildungsforscher Klaus Klemm von der Universität Duisburg/Essen. Die skandalöse Unterfinanzierung des deutschen Bildungswesens wird insbesondere im internationalen Vergleich deutlich. Während Schweden oder Dänemark (inklusive der privaten Finanzierung) mehr als sechs Prozent ihres BIPs für die Bildung des Nachwuchses aufwenden, liegt Deutschlands Anteil bei 5,3 Prozent. Während die OECD-Länder im Schnitt 12,9 Prozent ihrer gesamten öffentlichen Ausgaben in die Bildung investieren – eine Steigerung von einem Prozentpunkt gegenüber 1995 –, beträgt der Anteil in Deutschland lediglich 9,8 Prozent – ein Plus von gerade mal 0,1 Prozentpunkten.

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