
Vielleicht muss man nur laut genug über ein Ergebnis jubeln, dann wird sich schon keiner so genau anschauen, was da genau passiert ist. Auf diese Strategie scheint zumindest Bundesbildungsministerin Anette Schavan zu setzen. „Ein wichtiger Schritt zum Bildungsraum Europa“ sei gelungen, sagt sie, als sie gemeinsam mit dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz der Länder, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD), die Einordnung der deutschen Bildungsabschlüsse in den europäischen Qualifikationsrahmen vorstellt. Das klingt zwar nach einer Meldung mit der Relevanz einer Gurkenkrümmungs-Richtlinie, sorgte aber seit Jahren für Zoff zwischen allen Beteiligten in der deutschen Bildungspolitik. Denn dahinter steht eine der Grundfragen des deutschen Bildungssystems: Ist akademische Bildung mehr wert als berufliche? Und die ist keineswegs gelöst.
Quelle: APMehr als 500 Personalverantwortliche der größten deutschen Unternehmen haben die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen erneut zur besten Uni Deutschlands gekürt. Die RWTH landete als einzige Hochschule in vier Kategorien auf dem ersten Platz: Elektrotechnik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Einzig im Bereich Informatik verdrängte die TU München die Aachener von der Spitzenposition auf Rang drei.
Quelle: TU DarmstadtIm Mittelpunkt des Uni-Rankings stehen neun wirtschaftsnahe Studiengänge. In insgesamt sechs Fächern davon konnte die TU Darmstadt punkten: In Elektrotechnik, Informatik, Naturwissenschaften, Maschinenbau, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen landet sie unter den Top fünf. So viele Spitzenplatzierungen ergattert keine andere Uni.
Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Das KIT entstand vor einigen Jahren durch die Fusion der Hochschule mit dem Forschungszentrum Karlsruhe. Die Entscheidung hat sich offenbar gelohnt, denn die Uni schneidet im aktuellen Ranking ebenfalls herausragend ab. Das KIT steht in Informatik auf dem ersten Platz, in Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen auf Rang zwei, in Naturwissenschaften reicht es immerhin noch für den dritten Platz.
Quelle: dpaBei den Personalern der größten deutschen Unternehmen sind Absolventen der Technischen Universität München ebenfalls begehrt: In der Kategorie Wirtschaftsinformatik steht die TU auf dem ersten Platz, in Informatik und Naturwissenschaften belegt die Hochschule Platz zwei, in Elektrotechnik und Maschinenbau auf Platz vier, im Fach BWL reicht es noch für Platz neun.
Quelle: LMUAn der LMU München werden nach Ansicht der Personaler die besten Juristen ausgebildet, hier erhielt die Uni 22,8 Prozent der Stimmen. Im Bereich BWL landet die LMU auf Platz zwei, in Naturwissenschaften und VWL ergattert sie Bronze, in Informatik steht sie auf Platz neun.
Quelle: Stefanie EichlerDie besten Ökonomen werden nach Ansicht der Personalverantwortlichen an der Universität Mannheim ausgebildet. Im Fach Betriebswirtschaftslehre bekommt Mannheim 52,9 Prozent der Stimmen, in Volkswirtschaftslehre ergattert die Uni Mannheim mit 27,4 Prozent ebenfalls den ersten Platz.
Quelle: dpaAuch eine private Hochschule steht hoch im Kurs. Die Absolventen der Hamburger Bucerius Law School haben gute Chancen, einen Job zu finden. Wie im Vorjahr belegt die Hochschule in der Kategorie Jura Rang drei.
Quelle: WWU Münster- Peter GreweAuch Münsteraner Absolventen können bei Personalern punkten: Im Bereich Jura liegen sie auf Rang zwei, in Betriebswirtschaftslehre auf Rang vier, in VWL und Wirtschaftsinformatik auf Platz fünf.
Quelle: dpaDie größte deutsche Hochschule taucht im Uni-Ranking nur in drei Fächern auf: In BWL und VWL steht Köln auf dem dritten Platz, in Jura auf Rang fünf.
Quelle: WHUAuch die private Hochschule WHU in Vallendar hat sich inzwischen im Kreis der Spitzenunis etabliert: Sie landet in BWL auf dem fünften Platz – und damit einen Rang vor ihrem Konkurrent, der ebenfalls privaten European Business School in Oestrich-Winkel.
Mehr als 500 Personalverantwortliche der größten deutschen Unternehmen haben die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen erneut zur besten Uni Deutschlands gekürt. Die RWTH landete als einzige Hochschule in vier Kategorien auf dem ersten Platz: Elektrotechnik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Einzig im Bereich Informatik verdrängte die TU München die Aachener von der Spitzenposition auf Rang drei.
Meister gleich Bachelor?
2008 bat die Europäische Union die Mitgliedsstaaten, ihre heimischen Abschlüssen in ein achtstufiges System einzugruppieren, das soll die Bewertung ausländischer Abschlüsse für Arbeitgeber erleichtern und so die Mobilität im europäischen Arbeitsmarkt erhöhen. Viele Staaten haben das relativ zügig hinbekommen, in Deutschland schwelte seitdem der Streit, ob Meister gleich Bachelor sein soll, Ausbildung gleich Abitur.
Und jetzt ist alles gut? Von wegen. Nur in einem Punkt hat man sich jetzt geeinigt. Der Meister wird gemeinsam mit dem Bachelor auf Stufe sechs stehen, beide berechtigen somit zur Aufnahme eines Master-Studiums. Den Streit um Abitur und Ausbildung haben Bund und Länder jedoch nur vertagt. Für fünf Jahre wird das Thema jetzt mal beobachtet. Als täte man das nicht schon seit Dekaden.
Die Verzögerungstaktik verwundert nicht, geht es für die Beteiligten in der Debatte doch nicht nur um Argumente, sondern auch um Machtansprüche. So ist die berufliche Bildung bundeseinheitlich geregelt, die Schulabschlüsse sind hingegen Ländersache. Und die Länder wollen den wichtigsten ihrer Abschlüsse nicht entwertet sehen. So reden die Beteiligten lieber um den heißen Brei herum, als sich in dieser Frage, die ehrlich gestellt Fraktionen spalten könnte, auf die Füße zu treten. Ministerin Schavan begründet die Vertagung mit dem Argument, die Frage sei gar nicht unmittelbar relevant, schließlich strebe niemand nach dem Abitur sofort den Arbeitsmarkt an.
Beschäftigungsfähigkeit als zentrales Ziel
Doch es wird endlich Zeit, sich jenseits solcher Grabenkämpfe damit auseinanderzusetzen, wie weit man die Verzahnung von Arbeitsmarkt und Bildung führen will. Im Bologna-Prozess wurde „Employability“, also Beschäftigungsfähigkeit, zum zentralen Ziel der akademischen Bildung erklärt. Meint man das ernst, so muss man anfangen, alle Abschlüsse an ihrer Arbeitsmarktreife zu messen, auch das Abitur. Stattdessen könnte sich auch die Einsicht durchsetzen, dass es gerade im Sinne vieler nicht akademisch gewachsenen Berufsbilder sein könnte, weiterhin den Unterschied zwischen praktischer und akademischer Bildung zu bewahren. Dann muss schleunigst ein sauberes System geschaffen werden, das Übergänge ermöglicht, ohne die beiden Zweige gleichzuschalten. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen mag, diskutieren sollte man sie, bevor es zu spät ist. Denn bald erledigt die europäische Bürokratie das Thema von selbst, ohne dass noch Platz für Argumente bleibt.













