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Bildung: Feiger Aufschub

von Konrad Fischer

Bund und Länder erklären den Streit um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung für beendet. Das Gegenteil ist der Fall: Es wird Zeit, ihn endlich zu beginnen.

Abitur gleich Ausbildung? - Eine Lösung im Streit um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gibt es noch nicht. Quelle: AP
Abitur gleich Ausbildung? - Eine Lösung im Streit um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gibt es noch nicht. Quelle: AP

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Vielleicht muss man nur laut genug über ein Ergebnis jubeln, dann wird sich schon keiner so genau anschauen, was da genau passiert ist. Auf diese Strategie scheint zumindest Bundesbildungsministerin Anette Schavan zu setzen. „Ein wichtiger Schritt zum Bildungsraum Europa“ sei gelungen, sagt sie, als sie gemeinsam mit dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz der Länder, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD), die Einordnung der deutschen Bildungsabschlüsse in den europäischen Qualifikationsrahmen vorstellt. Das klingt zwar nach einer Meldung mit der Relevanz einer Gurkenkrümmungs-Richtlinie, sorgte aber seit Jahren für Zoff zwischen allen Beteiligten in der deutschen Bildungspolitik. Denn dahinter steht eine der Grundfragen des deutschen Bildungssystems: Ist akademische Bildung mehr wert als berufliche? Und die ist keineswegs gelöst.

Mehr als 500 Personalverantwortliche der größten deutschen Unternehmen haben die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen erneut zur besten Uni Deutschlands gekürt. Die RWTH landete als einzige Hochschule in vier Kategorien auf dem ersten Platz: Elektrotechnik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. Einzig im Bereich Informatik verdrängte die TU München die Aachener von der Spitzenposition auf Rang drei.

Quelle: AP

Meister gleich Bachelor?

2008 bat die Europäische Union die Mitgliedsstaaten, ihre heimischen Abschlüssen in ein achtstufiges System einzugruppieren, das soll die Bewertung ausländischer Abschlüsse für Arbeitgeber erleichtern und so die Mobilität im europäischen Arbeitsmarkt erhöhen. Viele Staaten haben das relativ zügig hinbekommen, in Deutschland schwelte seitdem der Streit, ob Meister gleich Bachelor sein soll, Ausbildung gleich Abitur.
Und jetzt ist alles gut? Von wegen. Nur in einem Punkt hat man sich jetzt geeinigt. Der Meister wird gemeinsam mit dem Bachelor auf Stufe sechs stehen, beide berechtigen somit zur Aufnahme eines Master-Studiums. Den Streit um Abitur und Ausbildung haben Bund und Länder jedoch nur vertagt. Für fünf Jahre wird das Thema jetzt mal beobachtet. Als täte man das nicht schon seit Dekaden.

Die Verzögerungstaktik verwundert nicht, geht es für die Beteiligten in der Debatte doch nicht nur um Argumente, sondern auch um Machtansprüche. So ist die berufliche Bildung bundeseinheitlich geregelt, die Schulabschlüsse sind hingegen Ländersache. Und die Länder wollen den wichtigsten ihrer Abschlüsse nicht entwertet sehen. So reden die Beteiligten lieber um den heißen Brei herum, als sich in dieser Frage, die ehrlich gestellt Fraktionen spalten könnte, auf die Füße zu treten. Ministerin Schavan begründet die Vertagung mit dem Argument, die Frage sei gar nicht unmittelbar relevant, schließlich strebe niemand nach dem Abitur sofort den Arbeitsmarkt an.

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Beschäftigungsfähigkeit als zentrales Ziel

Doch es wird endlich Zeit, sich jenseits solcher Grabenkämpfe damit auseinanderzusetzen, wie weit man die Verzahnung von Arbeitsmarkt und Bildung führen will. Im Bologna-Prozess wurde „Employability“, also Beschäftigungsfähigkeit, zum zentralen Ziel der akademischen Bildung erklärt. Meint man das ernst, so muss man anfangen, alle Abschlüsse an ihrer Arbeitsmarktreife zu messen, auch das Abitur. Stattdessen könnte sich auch die Einsicht durchsetzen, dass es gerade im Sinne vieler nicht akademisch gewachsenen Berufsbilder sein könnte, weiterhin den Unterschied zwischen praktischer und akademischer Bildung zu bewahren. Dann muss schleunigst ein sauberes System geschaffen werden, das Übergänge ermöglicht, ohne die beiden Zweige gleichzuschalten. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen mag, diskutieren sollte man sie, bevor es zu spät ist. Denn bald erledigt die europäische Bürokratie das Thema von selbst, ohne dass noch Platz für Argumente bleibt.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.04.2012, 12:20 UhrAnonymer Benutzer: egal

    vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Neuseeland vollkommen richtig handelt im wissenschaftlichen Sinne! Das Handwerk war schon IMMER eine Wissenschaft! Natürlich muss diese herstellende Wissenschaft dann auf hohem Niveau gelehrt werden, die Disziplin beruht darauf! Und natürlich hat man dann Fachsystematik - das ist Wissenschaft!

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Einteilung_der_Wissenschaft_bei_Aristoteles.doc.pdf&page=1&filetimestamp=20110304013656

    Handwerk war - bis zum Aufkommen der europäischen Ständestaaten als spätes Erbe der Spätantike, wo die Bürgerrechte sukzessive zugunsten einer Ständeordnung aufgehoben wurden -- eine Wissenschaft! Deshalb waren auch viele Gelehrte bis zur Spätantike auch aus Handwerksfamilien.

  • 14.04.2012, 12:02 UhrAnonymer Benutzer: egal

    der Absolvent in DE muss nicht mit dem Abiturienten verglichen werden, sondern mit dem Kollegen im Ausland... denn es geht ja nur darum, dass ein ausländischer Arbeitgeber die Qualifikation einschätzen kann.

    http://www.otago.ac.nz/courses/qualifications/bdenttech.html

    es kommt ein Zahntechniker bei raus - hüben wie drüben!

    weltweit gibts diese Qu-Frameworks. Ich muss den Gesellen also nicht mit dem Abiturienten vergleichen, sondern sein Können mit dem Kollegen im Ausland.

    es kommt der gleiche Beruf bei raus ----- er muss höher als Stufe 4 -- die Bildungsdauer ist gleich lang -- und der EQR gibt das auch her!

    der Bachelor in anderen Ländern ist die mittlere Ebene -- danach kommt der Master. Mal sehen, ob die Bachelorbiologen hier nachher mit den biol.techn.Assitenten konkurrieren.

  • 14.04.2012, 11:32 UhrAnonymer Benutzer: egal

    http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/nuernberg-region/schuler-sammeln-erfahrungen-aus-erster-hand-1.1356965

    Die Kinder in der Berufsbildung werden in DE ja immer jünger!!! Im Ausland lernen die zur selben Zeit Allgemeinbildung!

    wo sind die allgemeinbildenden Fächer für diese 15jährigen Mädchen geblieben???

    http://www.blv-bw.de/65.0.html

    was ist mit der Sozialkunde komisches passiert?

    http://www.ibba.tu-berlin.de/fileadmin/i20/FD_Metall_u_E-Technik/PolitikundTechnik.pdf

    Deutschland wird auch immer dümmer -- wollen mal sehen, wieviel Allgemeinbildung in 20 Jahren hier noch vorhanden ist

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