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Bildung: Ifo-Institut kritisiert Schultrennung in Bayern

von Ferdinand Knauß

Das Ifo-Institut will festgestellt haben, dass die frühe Trennung von Haupt- und Realschülern in Bayern deren Leistungen schadet. Die Landesregierung hält die Erkenntnisse für veraltet.

Baden-Württemberg

Stärken: Der Chancenspiegel präsentiert ein sehr ähnliches Ergebnis wie vorangegangene Pisa-Tests: Was Leistung angeht, sind die Schüler in Baden-Württemberg spitze: Die Lesekompetenz von Neuntklässlern ist überdurchschnittlich, 50,3 Prozent machen das Abitur, nur 5,7 Prozent der Schüler machen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 7 Prozent)

Schwächen: Zu den Topschülern gehören leider nur die mit wohlhabendem Elternhaus, Schüler aus sozial schwachen Strukturen haben wenig Chancen, das Gymnasium zu besuchen: Die Chance eines Kindes aus oberen Sozialschichten, das Gymnasium zu besuchen, ist 6,6 mal höher als die eines Kindes aus unteren Sozialschichten (Bundesdurchschnitt: 4,5). Einem Aufwärts- stehen 3,1 Abwärtswechsel gegenüber (Bundesdurchschnitt: 1:4,3). Heißt: Pro Schüler, der von der Realschule aufs Gymnasium wechselt, gehen mehr als drei Schüler den umgekehrten Weg.

Bild: dpa

Mal wieder fühlt sich eine wirtschaftswissenschaftliche Einrichtung berufen, zur Bildungspolitik Stellung zu beziehen. Das Ifo-Institut kritisiert die frühe Trennung von Haupt- und Realschülern in Bayern. Während zahlreiche europäische Länder in den letzten Jahrzehnten Schulsysteme einführten, die ein längeres gemeinsames Lernen aller Schüler vorsehen, ging Bayern im Jahr 2000 mit der flächendeckenden Einführung der sechsstufigen Realschule den entgegengesetzten Weg. Statt wie zuvor nach der sechsten Klasse wurden Haupt- und Realschüler nunmehr schon nach der vierten Klasse aufgeteilt. Ziel war es, Realschülern eine vertiefte und breitere Bildung zu ermöglichen und alle Schüler begabungsgerechter fördern zu können. Eine aktuelle Studie des ifo Instituts behauptet nun, dass die Reform zu einem Rückgang der schulischen Leistungen sowohl unter Haupt- als auch Realschülern geführt hat. Vor allem habe die Zahl leistungsschwacher Schüler in der Hauptschule dadurch zugenommen.

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Um die tatsächlichen Auswirkungen der bayerischen Schulreform auf die Schülerleistungen zu untersuchen, nahmen die Bildungsforscher des ifo Instituts die Ergebnisse der deutschen PISA-Erweiterungsstudien der Jahre 2000, 2003 und 2006 unter die Lupe. „Diese Tests erlauben Rückschlüsse auf die Durchschnittsleistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in den verschiedenen Schularten und ermöglichen einen Vergleich zwischen Schularten, Bundesländern und über die Zeit“, erklärt Marc Piopiunik, ifo-Experte für "Humankapital und Innovation" und Autor der Studie. Dadurch können die Leistungen der 15-jährigen Schüler in den Jahren 2000 und 2003, die zum größten Teil noch das alte Schulsystem besucht haben, mit den Leistungen der Schüler im Jahre 2006 verglichen werden, von denen die meisten bereits das neue Schulsystem besucht haben. Und da zeige sich eine Verschlechterung.

Die Würfel sind für Hauptschüler nicht gefallen

Eine eindeutige Kausalität kann Piopiunik dafür allerdings nicht nachweisen. Er vermutet, die Schüler hätten „durch die frühe Aufteilung weniger Anreize, sich in der fünften und sechsten Klasse besonders anzustrengen, da ja die Würfel bereits gefallen sind. Außerdem verringert eine frühere Aufteilung die Wahrscheinlichkeit, dass Schüler dem für sie richtigen Schultyp zugewiesen werden“.

Das Kultusministerium erklärte die Daten für überholt. „Die bayerischen Haupt- und Realschüler sind im bundesweiten Ländervergleich mit großem Abstand am besten“, sagte Sprecher Ludwig Unger. Das bewiesen auch die Zahlen des Berliner Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, das die Kultusministerkonferenz berät. Laut Kultusministerium gibt es in Bayern derzeit etwa 209.000 Haupt-und Mittelschüler, 243.000 Realschüler und 353.000 Gymnasiasten.

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Eine Erklärung dafür, dass bayrische Schüler in Pisa-Tests stets deutlich besser abschneiden als gleichaltrige Schüler in anderen Bundesländern, die stärker auf Gesamtschulen setzen, liefert Piopiniuks Studie nicht. Auch eine

Der wichtigste Einwand gegen die Ifo-Argumentation ist aber: Die Würfel sind für Schüler keineswegs gefallen. Dieses Argument der Gegner getrennter Schulformen wird seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig bemüht. Aber es stimmt weniger als je zuvor. Auch nicht in Bayern, wo das Schulsystem durchaus durchlässig ist. Der Sprecher des bayrischen Kultusministeriums machte zurecht darauf aufmerksam, dass ein Viertel der bayerischen Haupt- und Mittelschüler mit der mittleren Reife abschließt, und 43 Prozent der Abiturzeugnisse nicht am Gymnasium, sondern an Fach- und Berufsoberschulen erworben werden. Dass Hauptschülern im Alter von zehn Jahren der Lebenslauf vorbestimmt und der Aufstieg verwehrt werde, stimmt einfach nicht, weil ein Wechsel besonders guter Schüler immer möglich ist. Die Rede von der "Selektion" ist ein schulpolitischer Kampfbegriff der Gegner des getrennten Schulsystems - leider ein sehr erfolgreicher.

Mit Material von dpa

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