Bildungsforscher: Mehr gute Ganztagsschulen gegen Nachhilfeboom

Bildungsforscher: Mehr gute Ganztagsschulen gegen Nachhilfeboom

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Ganztagesschule: Mehr gute Ganztagsschulen gegen Nachhilfeboom

Nach einer neuen Studie ist Nachhilfeunterricht ein boomender Geschäftszweig in Deutschland, der die soziale Kluft an den Schulen vergrößern kann. Bildungsforscher suchen nach Auswegen - zum Beispiel über mehr gebundene Ganztagsschulen.

Der Bildungsforscher Wilfried Bos empfiehlt den Ausbau des Ganztagsschulangebots als Rezept gegen eine verstärkte Privatisierung von erfolgreicher Bildung. So könne man verhindern, dass per Nachhilfeunterricht zunehmend der Geldbeutel der Eltern über die Bildungschancen von Kindern entscheide, sagte der Wissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur. Bos forscht an der Technischen Universität Dortmund über Bildung und Qualitätssicherung und hat zahlreiche große Bildungsstudien verfasst.

Der aktuelle Nachhilfeboom sei „eigentlich eine Bankrotterklärung für die Schule. Denn deren Aufgabe ist es doch, den Kindern genug beizubringen, man sollte das also nicht privatisieren“, sagte Bos. „In gut gemachten Ganztagsschulen, in denen nachmittags auch wirklich Lehrer sind, ist Nachhilfe allerdings gar nicht in diesem hohen Maße notwendig. In einer solchen gebundenen Ganztagsschule wäre - zumindest theoretisch - die Möglichkeit vorhanden, sich ausreichend um die Kinder zu kümmern.“

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Bos reagierte damit auf eine neue Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, wonach mit kommerzieller Nachhilfe in Deutschland Milliarden Euro umgesetzt werden. Statt die soziale Kluft im Bildungssystem zu verringern, verbreitern außerschulische Förderstunden sie eher, so ein Fazit des Reports.

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„Dieser Geschäftszweig kann auf jeden Fall die soziale Ungleichheit verstärken, weil Eltern mit niedrigem Einkommen Nachhilfe schwerer bezahlen können“, sagte Bos. Dabei gehe es oft gar nicht um Nachhilfe bei gefährdeter Versetzung, sondern um bessere Zensuren für den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium oder um ein Abitur mit einer 1 vor dem Komma. Dafür würden auch gute Schüler „gedrillt“, so der Bildungsforscher.

Laut Böckler-Studie schwanken die Expertenschätzungen zur Nachhilfequote in Deutschland zwischen 6 und 27 Prozent aller Schüler. Das öffentliche Gut Bildung müsse aus der „privatwirtschaftlichen Umklammerung“ gelöst werden, damit eine erfolgreiche Schullaufbahn nicht in erster Linie von Ehrgeiz und Einkommen der Eltern abhänge, schreiben die Verfasser von der Universität Duisburg-Essen.

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