Bildungskatastrophe : Das große Zerstörungswerk der OECD

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GastbeitragBildungskatastrophe : Das große Zerstörungswerk der OECD

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Mit Pisa und anderen sogenannten Qualitätsstudien ruiniert die OECD weltweit historisch gewachsene Bildungssysteme. Dahinter steht ein höchst fragwürdiges Menschenbild, schreibt der Erziehungswissenschaftler Beat Kissling in einem Gastbeitrag.

Seit 14 Jahren haben sich viele europäische Staaten von der OECD in die sogenannten Pisa-Studien einbinden lassen. Sie produzieren alle drei Jahre Ranglisten der getesteten Schüler beziehungsweise der Länder, in denen sie unterrichtet werden. Weltweit hat sich die Zahl der mitmachenden Staaten innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt, Tendenz rasch steigend.

Zum Autor

  • Beat Kissling

    Dr. phil. Beat Kissling, Psychologe,  Erziehungswissenschaftler und Beiratsmitglied der Gesellschaft für Bildung und Wissen; beruflich tätig als Gymnasiallehrer und Hochschuldozent

Die Wirtschaftsorganisation etabliert sich somit global als alleiniger Schiedsrichter für die Beurteilung nationaler Bildungssysteme. Doch mit welcher Legitimation? Es ist schwer nachzuvollziehen, wieso Länder mit gänzlich unterschiedlichen Bildungstraditionen und -systemen sich auf diesen uniformierenden, angelsächsisch orientierten Test- und Rankingfetischismus haben ‚einspuren’ lassen, der dem europäischen Bildungsverständnis vor 2000 gänzlich fremd war. Viele Länder mit ausgezeichnet funktionierenden Bildungssystemen, zum Beispiel die Schweiz, taten das ohne jegliche Notwendigkeit.

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Konrad Paul Liessmann ist Professor für Philosophie an der Universität Wien und wissenschaftlicher Leiter des Philosophicums in Lech. Quelle: dpa Picture-Alliance

Am 5. September lieferte die GEMS Education im Auftrag der OECD ein „Education efficiency ranking“ mit 30 beteiligten Staaten. GEMS Education ist nach eigenen Angaben der weltweit führende private Bildungskonzern und Spitzenreiter bei der internationalen Bildungsentwicklung sowie -reform. Das Unternehmen steht in enger Verbindung mit dem World Economic Forum, Microsoft, Stiftungen wie der Clinton Global Initiative oder Tony Blairs Faith Foundation und nun auch mit der UNESCO.

Die aktuell erstellte Effizienz-Rangliste gründet auf der berechneten Relation zwischen finanziellen Ausgaben der verschiedenen nationalen Bildungssysteme (konkret der durchschnittlichen Lehrerlöhne sowie Klassengrößen) und ihrer letzten PISA-Testresultate. Vier Tage später, also am 9. September, schob die OECD ihren jährlichen Bericht „Education at a Glance“ nach, der wiederum sämtliche beteiligte Staaten mit zahllosen Tabellen und Zahlen zueinander in Konkurrenz setzte. Es geht da um Abschlussquoten auf den verschiedenen Schulstufen, Entwicklungen der Erwerbslosenquoten, Verhältnis von Berufsbildungsabsolventen zu erfolgreichen Studienabgängern, öffentliche Vorschul-Bildungseinrichtungen und so weiter.

Wie immer wurden diese Offenbarungen der OECD von der Politik der beteiligten Länder nervös erwartet und je nach dem Abschneiden des eigenen Landes erleichtert oder schamvoll entgegengenommen. Parteiprogramme werden daraufhin modifiziert oder akzentuiert, alles je nach Opportunität.

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