Bildungsökonomie: Vergesst die OECD!

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KommentarBildungsökonomie: Vergesst die OECD!

von Ferdinand Knauß

Die Agenda des OECD-Berichts "Bildung auf einen Blick" hat sich in Ministerien und vielen Redaktionen durchgesetzt. Falsch bleibt sie trotzdem. Nicht immer mehr Akademiker, sondern die Qualität des Wissenschaftssystems sollte oberstes Ziel sein.

Ereignisreiche Tage liegen hinter der Bildungsrepublik Deutschland. Die Nachrichten wurden weniger von Politikern produziert, als von den so genannten Bildungsökonomen. Da war unter anderem der "Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung und vor allem der alljährliche Bericht "Bildung auf einen Blick" der OECD.

Deren Botschaft ist seit einigen Jahren stets dieselbe, und durch dauernde Wiederholung hat sie sich offenbar auch vielen Nachrichtenjournalisten so sehr eingeprägt, dass sie sie ohne jede Distanz weiterverbreiten: "Deutschland hinkt bei der Zahl der Hochschulabsolventen vielen Industriestaaten hinterher", meldet zum Beispiel Reuters. Die Pressestelle der OECD und deren Bildungsökonomen um Andreas Schleicher werden sich freuen. Wenn Nachrichtenagenturen in ihren Meldungen den Spin der eigenen Verlautbarungen übernehmen, ist das der größte annehmbare PR-Erfolg. Wer hinterherhinkt, muss sich sputen. Genau das ist die Agenda der OECD und der meisten anderen Vertreter der Bildungsökonomik, ob Bertelsmann-Stiftung oder Stifterverband: Steigert den Anteil der höheren Bildungsabschlüsse!

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Das Argument des obersten Bildungsökonomen der OECD, Andreas Schleicher, ist simpel und daher scheinbar überzeugend: Menschen mit Studienabschluss verdienen mehr und sind - zumindest in Deutschland - kaum arbeitslos. Ein Hochschulabsolvent verdient im Leben durchschnittlich 145.000 Euro mehr als jemand ohne Studium, nach Abzug aller direkten und indirekten Kosten. Also mehr davon! Wie ein Investor beim Aktienkauf, so solle auch der Staat seine Bildungsinvestition am Ertrag bemessen: "Für den deutschen Steuerzahler … gilt, dass er von jedem Hochschulabsolventen 156.000 Euro mehr an Steuern bekommt, als er an Steuergeldern in dessen Studium investiert. Es lohnt sich also für den Staat, in bessere Bildung zu investieren."

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Ähnlich vereinfachend argumentiert auch der "Chancenspiegel: Als wichtigste Belege dafür, dass die "Chancengerechtigkeit … in den vergangenen zwei Jahren tendenziell verbessert" habe, nennen die Bertelsmann-Autoren: "Das Risiko, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, ist gesunken und die Chancen, die Hochschulreife zu erwerben, sind in fast allen Bundesländern gestiegen." Ob hinter der formalen Studienberechtigung eine tatsächliche Studienbefähigung steht, ist den Autoren ganz offensichtlich egal.

Wenn alle jungen Menschen in Deutschland Abitur machten, wäre nach dieser absurden Logik der Bertelsmannschen Bildungsökonomen die absolute Gerechtigkeit erreicht. Tatsächlich kommen wir diesem Ziel mit großen Schritten näher: Die deutsche Studentenquote, also der Anteil der Studienanfänger an der gleichaltrigen Bevölkerung ist in nur fünfzehn Jahren von 28,1 (1996) auf 54,7 Prozent (2012) gestiegen. Wenn das so weitergeht, studieren in fünfzehn Jahren drei von vier jungen Menschen - und in dreißig Jahren alle.

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