Bildungspolitik: Schluss mit dem Akademisierungswahn

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Bildungspolitik: Schluss mit dem Akademisierungswahn

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Studieren im Zeitalter der totalen Akademisierung: Vorlesung an der RWTH Aachen.

von Ferdinand Knauß

Eine große Koalition der Bildungspolitik treibt die Studentenzahlen in immer neue Höhen. Und feiert sich dafür selbst. Die Verlierer sind die Berufsbildung und die Universitäten als Orte freier Wissenschaft.

Alternativlos ist nach Ansicht der im Bundestag vertretenen Parteien nicht nur die Eurorettung. Einig ist man sich auch in einer Grundsatzfrage der Bildungspolitik: Die starke Zunahme der Studentenzahlen wird von allen begrüßt und weiter gefördert. Jeder neue Höchststand wird als Erfolgsmeldung präsentiert. Und alle fordern, mehr Geld zur Bewältigung des gewollten Andrangs locker zu machen. Gestritten wird nur darüber, wie viel der Bund und wie viel die Länder für die Ausweitung des "Hochschulpaktes" bezahlen sollen.

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Eine parteienübergreifende Koalition verkauft uns wachsende Studentenzahlen als Erfolg kluger Bildungspolitik und Antwort auf die technologischen und sozialen Anforderungen der künftigen Arbeitswelt. Unter der Parole "Kein Kind darf verloren gehen" sorgt man dafür, dass ein immer größerer Teil der Schüler das Abitur erhält und öffnet zusätzlich die Tore der Hochschulen auch für einen großen Teil derjenigen, die kein Abitur haben. In der Folge dieser Politik ist die Studentenquote, also der Anteil der Studienanfänger an der gleichaltrigen Bevölkerung in fünfzehn Jahren von 28,1 (1996) auf 54,7 Prozent (2012) gestiegen.

Aber kann und soll diese Entwicklung so weitergehen? Wenn sie es tut, studieren in fünfzehn Jahren drei von vier jungen Menschen - und in dreißig Jahren alle. Von Bildungspolitikern hört man keine Bedenken. Und keine Debatte darüber, was es bedeutet für die Universitäten, für die Wirtschaft, für die Gesellschaft, wenn mehr als die Hälfte eines Jahrgangs studiert. Die von der OECD geforderte und durch den Bologna-Prozess umgesetzte Steigerung der Akademikerquote wird nicht in Frage gestellt.

WirtschaftsWoche Uni-Ranking 2012

Eine ganz unmittelbare Folge des allgemeinen Akademisierungswahns ist im aktuellen Berufsbildungsbericht zu erkennen: Deutschland gehen die Lehrlinge aus. "Es gibt immer weniger ausbildungsreife Jugendliche", klagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Zahl der Ausbildungsverträge ging 2012 um 2,2 Prozent auf 551 272 zurück.

So festgefügt ist das Dogma der fortschreitenden Akademisierung, dass kaum jemand beim Namen nennt, woran das vor allem liegt: Die Lehrlinge, die sich die Betriebe wünschten, sind zum großen Teil an den Hochschulen eingeschrieben. Die Universitäten werden überlaufen und dem dualen Ausbildungssystem, das als einer der größten Standortvorteile der deutschen Wirtschaft gilt und mittlerweile in zahlreichen Ländern weltweit nachgeahmt wird, gehen die geeigneten Leute aus.

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19 Kommentare zu Bildungspolitik: Schluss mit dem Akademisierungswahn

  • Deutschland stand wirtschaftlich so viel schlechter da als die angelsächsischen Länder, dass es von diesen einfach das Abitur-und-Bachelor-für-alle-System übernehmen musste.

  • Der Artikel ist gut.

    Man sollte aber auch einmal bei den Studiengängen Roß und Reiter nennen. Wir brauchen keine Park- und Faulenzerstudiengänge, von denen es nicht nur Hunderte gibt: von Denkmalswissenschaften bis hin zu Pferdewissenschaften. Die Geistes- und Sozialbereiche sind z.B. völlig überdimensioniert, haben einen schlechten Ruf und dienen der Gesellschaft schon lange nicht mehr- im Gegenteil. Man ist dort gegenüber den in der Wirtschaft arbeitenden Menschen feindselig eingestellt, beansprucht die Lufthoheit über alle Fragen der Gesellschaft, gibt vor, alles zu wissen. Am Ende sitzen sie in irgendeiner Behörde und spielen den Erklärbär für für die Energieversorgung der Zukunft, obwohl praktisch jeder von ihnen in der Schule seine 5 in Mathematik, Physik und Naturwissenschaften hatte. Früher waren diese intellektuell weniger Beschlagenen in einer Lehre und wurden vom Meister erzogen.

    In den technischen Studiengängen, die das Herzstück und Tafelsilber der Gesellschaft darstellen, werden die fundamentalen und forschungsorientierten Studiengänge wie Maschinenbau und Elektrotechnik / Informationstechnik finanziell ausgetrocknet. Dafür werden ständig unsinnige Mischstudiengänge neu eingerichtet, in denen naturgemäß nichts richtig studiert werden kann außer oberflächliches Geplänkel, das sich selbst für heutige Abiturienten noch eignet. Nur braucht die Industrie solche Absolventen mit flachem Wissen nicht. Ein weiterer Grund für ständig neue Einfachstudiengänge ist, daß neue Studiengänge mit neuer Geldvergabe verbunden sind. Das hat mit Macht zu tun, und das lieben Bürokraten, ebenso fachlich schlechte Professoren, die zu Funktionsträgern geworden sind und dort 'Vorstand' spielen, weil sie in der Forschung gescheitert sind.

    Studenten müssen folgendes beachten: 1) nur einen fundamentalen Studiengang (oben genannt) studieren, 2) nur bei sehr guten Professoren studieren: sie haben Bücher geschrieben, sind bekannte Forscher und meiden jeden Funktionär.

  • Wer für eine Berufsausbildung zu blöd ist geht an irgendeiner Uni Sozialwissenschaften oder ähnliche Laberfächer studieren. Für die nächsten 20 Jahre. Oder wird Imam...

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