Bildungspolitik: Wanka will Lehrer für Inklusion ausbilden lassen

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Bildungspolitik: Wanka will Lehrer für Inklusion ausbilden lassen

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Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will Lehrer mit Bundesmitteln für die inklusiven Schulen fit machen lassen.

von Ferdinand Knauß

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will die Sorgen um den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Schüler beheben. Ein Bildungsprogramm soll Lehrer auf ihre zusätzlichen Aufgaben vorbereiten.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka macht die Eingliederung behinderter Schüler zu ihrer Sache. Sie kündigte für den Sommer ein Ausbildungsprogramm an, das Lehrer unter anderem auf den Umgang mit behinderten Schülern vorbereiten soll. „Wenn wir die Integration von behinderten Kindern an Regelschulen wollen, brauchen wir auch Lehrer, die dafür ausgebildet sind“, sagte Wanka in einem Interview mit den „Ruhrnachrichten“. Bund und Länder hatten sich bereits im April 2013 darauf verständigt, die Ausbildung von Lehrkräften mit einer „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ zu verbessern. Der Bund will dafür bis 2023 jährlich 50 Millionen Euro für Hochschulprojekte zur Verfügung stellen.

Schulpolitik und damit auch die Fragen der Inklusion sind generell Sache der Länder. Aber angesichts der „Dimension der Herausforderung“, sieht Wanka nun auch die Bundesregierung in der Pflicht. Die Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung an Regelschulen ist in allen Bundesländern beschlossene Sache, nachdem sich die Bundesrepublik dazu auf Basis der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 selbst verpflichtet hat.

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Studien der OECD und der Bertelsmann-Stiftung wollen zwar belegt haben, dass inklusive Bildungssysteme unterm Strich bessere Lernerfolge gewährleisten. Doch die Umsetzung in der Schul-Praxis entpuppt sich immer mehr als ein steiniger Weg mit großem politischen Zündstoff. In Nordrhein-Westfalen haben Landesregierung und Kommunen monatelang um die Finanzierung von Umbaumaßnahmen und zusätzlichen Sozialarbeitern (nicht Lehrer!) für inklusive Schulen gestritten. Sozialarbeiter werden grundsätzlich von Kommunen finanziert. Mittlerweile hat die Düsseldorfer Landesregierung eingewilligt, einen Teil der Kosten zu tragen.

Nicht nur hinter vorgehaltener Hand fürchten viele Lehrer, dass die Landesbildungsministerien die anstehende Auflösung der Förderschulen (früher Sonderschulen genannt) vor allem als Möglichkeit zum Sparen missbrauchen wollen. Die Pädagogen an den aufzulösenden Förderschulen sollen zwar in der Regel an die inklusiven Regelschulen versetzt werden, wo sie zusätzlich zu den Fachlehrern im Unterricht anwesend sein sollen, um die behinderten Kinder zu betreuen. Doch plant zum Beispiel Hamburg, diese spezialisierten Pädagogen nach bestimmten Fristen auch wieder abzuziehen. Viele Lehrer fürchten deswegen, dass sie demnächst mit Schülern in ihren Klassen konfrontiert sind, die auf Grund einer körperlichen Behinderung oder – die sind besonders gefürchtet – auf Grund besonderer „emotionaler oder sozialer Entwicklung“ spezielle Aufmerksamkeit benötigen.  

Laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung ist in den vergangenen fünf Jahren der Anteil der Schüler, bei denen ein besonderer Förderbedarf festgestellt wird, auf 6,6 Prozent (2008/09: 6,0 Prozent) gestiegen.  Von den Kindern mit besonderem Förderbedarf gehen inzwischen 28,2 Prozent zu regulären Schulen, gegenüber 18,4 Prozent vor fünf Jahren. Zugleich blieb der Anteil der Kinder an speziellen Förderschulen aber konstant bei 4,8 Prozent.

Der Anstieg der Zahl förderbedürftiger Kinder ist möglicherweise auch dadurch zu erklären, dass die Feststellung der Förderbedürftigkeit von Kindern attraktiver ist, seit diese Kinder nicht mehr unbedingt in besonderen Schulen unterrichtet werden müssen.

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In einem ebenfalls heute erschienen Interview in der "Passauer Neuen Presse" appellierte Wanka außerdem angesichts der konstant hohen Abbrecherzahlen an Universitätsstudenten, auch eine Berufsausbildung in Betracht zu ziehen. "Nicht jeder Abiturient muss unbedingt studieren", sagte sie. "Für manchen ist es vielleicht besser, zunächst eine betriebliche Ausbildung zu beginnen." In jüngerer Zeit hatten Bildungsexperten wie der frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin und der Lehrerverbandsvorsitzende Josef Kraus die einseitige Ausrichtung der deutschen Bildungspolitik auf die Steigerung der Akademikerzahlen scharf kritisiert. Nida-Rümelin hatte im Gespräch mit der WirtschaftsWoche davor gewarnt, dadurch das bewährte duale System der Berufsausbildung "abzuwracken".

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