Bundesforschungsministerin Johanna Wanka: "Vorurteile abbauen"

InterviewBundesforschungsministerin Johanna Wanka: "Vorurteile abbauen"

von Christian Schlesiger

Die Bundesforschungsministerin gibt mehr Geld für IT-Sicherheit – und hält die Innovationskraft des Mittelstands für zu gering.

Frau Ministerin, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, forderte in der WirtschaftsWoche jüngst eine deutsche Alternative zu Google. Stimmen Sie zu?

Es wäre schön, wenn wir in Deutschland eine Alternative zu Google hätten. Aber wir sollten realistisch bleiben und können den Markterfolg von Google nicht einfach nachahmen. Wir müssen aber darauf reagieren und überlegen, wie mit gesammelten Daten richtig umgegangen werden kann. Wir brauchen zum einen eine Strategie, große Datenmengen sinnvoll zu erschließen, Stichwort Big Data. Und wir müssen IT-Sicherheitssysteme entwickeln, die Bürger und Unternehmen vor Angriffen und dem Missbrauch von Daten schützen.

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Die IT-Forschung gilt nicht gerade als Stärke Deutschlands...

Wir haben mit SAP zwar nur einen großen Softwarekonzern, aber deutsche IT-Forschung ist besser als ihr Ruf. Wir fördern derzeit die IT-Sicherheitsforschung an drei Kompetenzzentren in Darmstadt, Karlsruhe und Saarbrücken. Daran entscheidet sich auch, ob die derzeitige Entwicklung zur Industrie 4.0, also Produktion und Internet eng zu verbinden, in Deutschland Erfolg haben wird. Die IT-Sicherheit hat strategische Bedeutung für die vierte industrielle Revolution.

Bundesforschungsministerin Wanka Johanna Wanka (CDU) im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: dpa

Bundesforschungsministerin Wanka Johanna Wanka (CDU) im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: dpa

Was macht Sie so sicher, dass deutsche Unternehmen gegenüber ausländischen Konkurrenten nicht das Nachsehen haben?

Im Gegensatz zu anderen Ländern haben wir nicht deindustrialisiert. Unser Industrieanteil liegt bei mehr als 20 Prozent – in den USA und Großbritannien sind es nur rund elf Prozent. Wir besetzen Spitzenplätze beim Maschinenbau und auch bei der IT-Steuerung von komplexen Anlagen. Jetzt müssen wir die Verbindung mit dem Internet hinbekommen. Das ist die Herausforderung.

Und drei Sicherheitszentren reichen?

Das war erst der Anfang. Wir haben in diesem Jahr die Forschung im Bereich Big Data verstärkt und bauen gerade zwei weitere Kompetenzzentren für dieses neue Thema in Berlin und Dresden auf. Noch in diesem Jahr werden wir ein Förderprogramm für die Sicherheit in der digitalen Gesellschaft auf den Weg bringen. Es geht um die Sicherheit von Privatbürgern und Unternehmen. Wir investieren hier einen dreistelligen Millionenbetrag, der in große und kleine Forschungsprojekte fließen wird.

Die große Koalition schafft das Kooperationsverbot ab. Der Bund darf dann Hochschulen dauerhaft finanzieren. Werden die Exzellenzcluster im Rahmen der Exzellenzinitiative weiter mit Millionensummen gefördert?

Die Finanzierung der Exzellenzcluster ist zunächst bis 2017 gesichert. Wie es danach weitergeht, werden wir mit den Ländern diskutieren. Ich habe ein Interesse daran, dass die Profilierung einzelner Hochschulen in bestimmten Fächern weitergeht.

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