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Dekan Paul Danos im Interview: "Kurzfristig sicher mehr Bewerber"

von Daniel Rettig

Der Dekan der renommierten MBA-Schule Tuck, Paul Danos, über die Folgen der Finanzkrise für die Business Schools und notwendige Änderungen im Lehrplan.

Danos, 65, ist Chef der ersten Business School der Welt: Die Tuck School, im US-Bundesstaat New Hampshire
Danos, 65, ist Chef der ersten Business School der Welt: Die Tuck School, im US-Bundesstaat New Hampshire

WirtschaftsWoche: Herr Danos, ist die Finanzkrise für die Business Schools eher Fluch oder Segen?

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Danos: Ein Segen ist sie sicher nicht. Natürlich wird die Nachfrage nach Absolventen vor allem im Bereich Investmentbanking sinken – aber in nächster Zeit werden die Bewerberzahlen erst mal steigen ...

... weil sich die MBA-Studenten so weiterbilden und gleichzeitig die Krise aussitzen können?

Das kommt auf die Perspektive an. Kurzfristig erwarte ich definitiv mehr MBA-Interessenten. An unserer Schule haben wir in diesem Jahr 15 Prozent mehr Bewerber als 2007 – und das war schon ein Rekordjahr. Langfristig sieht das etwas anders aus, das wissen wir seit dem Platzen der Internet-Blase 2001: Im ersten Jahr nach der Krise stiegen die Bewerberzahlen, im zweiten Jahr sanken sie.

Bisher setzen die meisten Business Schools auf eine praxisorientierte Ausbildung mit vielen Fallstudien und wenig Theorie. Wird diese Ausrichtung so bestehen bleiben?

Definitiv nicht. Die Finanzkrise hat eindrucksvoll gezeigt, dass viele Banker und Manager ihre eigenen Produkte überhaupt nicht mehr verstanden haben. Vielen mangelte es an theoretischen Kenntnissen.

Werden sich deshalb die Lehrpläne der Schulen ändern?

Davon gehe ich aus. Nach der Insolvenz des US-Konzerns Enron im Jahr 2001, dem haarsträubende Management-Fehler vorausgingen, riefen viele Schulen Ethik-Kurse ins Leben. Auch jetzt müssen alle Business Schools reagieren...

... und dann welche Schwerpunkte setzen?

Ganz oben auf der Liste stehen sicher die Bereiche Finanz- und Geldpolitik sowie die Regulierung von Finanzmärkten.

"Vielen fehlen theoretische Kenntnisse“

Das klingt aber weniger nach MBA-typischer Praxisorientierung, sondern mehr nach theoretischer Ökonomie.

Aber genau diese Themen sind jetzt enorm wichtig. Bisher spielten Theorien und ökonomische Modelle im MBA-Studium nur eine untergeordnete Rolle.

Warum?

In der Ära des früheren US-Notenbankchefs Alan Greenspan wurde der Regulierung von Finanzmärkten keine Beachtung geschenkt. Man glaubte, alles werde gut, so lange man den Märkten freie Hand lasse. Die Erfahrung der vergangenen Monate hat uns auf bittere Weise das Gegenteil gelehrt.

Also müssen MBA-Studenten in Zukunft vermehrt Theorien büffeln?

Wenn die Business Schools weiterhin erstklassige und verantwortungsbewusste Manager ausbilden wollen, führt daran im Studium kein Weg vorbei. Die klassischen Fallstudien bleiben zwar weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Aber allein mit deren Hilfe lernt man noch nichts über das Funktionieren von Finanzmärkten

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