Der Bluff des Zentralabiturs: Abitur auch ohne Wissen möglich

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Der Bluff des Zentralabiturs: Abitur auch ohne Wissen möglich

Für die Lösung vieler Abitur-Aufgaben muss man nicht in die Schule gegangen sein, findet unser Gastautor und Bildungsforscher Hans Peter Klein. Den Niveauverlust als Erfolg zu verkaufen, hat sogar Methode.

Betrachtet man die Erfolgsmeldungen der Bundesländer mit Zentralabitur in den letzten Jahren, erscheint es mehr als angebracht, sich die dort verwendeten Aufgabenformate einmal näher anzuschauen. Immer mehr Abiturienten und immer bessere Notenschnitte, wie ist das möglich? Es stellt sich die Frage, ob tatsächlich alles Gold ist, was da im Glanz der Bildungspolitik der erstaunten Öffentlichkeit alles an Erfolgen präsentiert wird.

Insbesondere Hamburg hat durch seine beispielhafte Erhöhung der Abiturientenzahlen binnen weniger Jahre bundesweit Aufsehen erregt. Die von der Schulbehörde intern durchgeführte "KESS-12"-Studie kam zu dem Schluss, dass bei der Abiturprüfung des G8-Jahrgangs von 2011 die erhebliche Steigerung der Abiturientenzahl gegenüber dem G9-Jahrgang von 2005 bei verkürzter Schulzeit nicht auf Kosten der Verringerung der Ansprüche zustande gekommen sei. Schüler des Turbo-Abiturjahrgangs von 2011 sollen dabei sogar bessere Leistungen in Mathematik und den Naturwissenschaften und auch in Englisch erzielt haben.

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Mittlerweile gibt es nach langwierigen qualitativen Analysen der Hamburger Zentralabiturarbeiten im Fach Mathematik der Jahre 2005, 2011 und 2013 erhebliche Zweifel an den aus KESS 12 gezogenen Schlüssen. Ganz im Gegenteil dazu weist eine in Kürze in der Zeitschrift der Deutschen Mathematiker Vereinigung erscheinende Untersuchung, an der der Autor dieser Zeilen beteiligt war, nach, dass die deutliche Erhöhung der Abiturientenzahl auf eine genauso deutliche Absenkung des Niveaus der Mathematik-Aufgaben im Zentralabitur zurückführen ist - und widerlegt damit die Aussagen aus KESS 12.

Auch das Fach Biologie wurde in diese qualitativen Untersuchungen einbezogen. Als Beispiel für die Entwicklung der fachlichen Ansprüche eignet sich der Vergleich einer Aufgabe zum „Seehundbestand“ von 2005 mit einer zu den „See-Elefanten“ von 2010.

Beide gehören zum Themenbereich der Ökologie, sind also direkt vergleichbar. Die Aufgabe von 2005 zum Thema „Seehundbestand“ ist für einen Grundkurs angemessen, da sie in allen Teilaufgaben zumindest grundlegende Wissensbestände aus der Biologie voraussetzt, um sie angemessen lösen zu können. Auch wenn die gewählte Thematik zu den eher „leichteren“ Aufgabenstellungen gehört, kann der Schüler sein in der Sekundarstufe II erworbenes Wissen sachgerecht einbringen, um daraus in Zusammenhang mit dem Arbeitsmaterial die richtigen Schlüsse und Bewertungen vorzunehmen.

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