Der Bluff des Zentralabiturs: Biologie-Abitur auf Fünftklässler-Niveau

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Der Bluff des Zentralabiturs: Abitur auch ohne Wissen möglich

Streit um Schulzeit Das neunjährige Gymnasium kehrt zurück

Das achtjährige Gymnasium halten die meisten Eltern, Lehrer und Schüler für gescheitert. Niedersachsen kehrt nun ganz zum "G9" zurück. Schuld an der Misere sind auch kurzsichtige Wirtschaftsinteressen.

Quelle: dpa

Biologie-Abitur auf Fünftklässler-Niveau

Die See-Elefanten Aufgabe von 2010 ist ähnlich aufgebaut, enthält aber deutlich mehr Text- und Grafikmaterial als die von 2005. In der Teilaufgabe a erhält der Schüler in diesem Material ausführliche Informationen zur Populationsentwicklung der See-Elefanten und eine einfache Grafik auf Siebtklässler-Niveau, die zeigt, dass die Population der See-Elefanten zwischen 800 und 1200 Tieren schwankt. Die Aufgabe lautet nun, die Populationsentwicklung anhand dieses Materials zu beschreiben und zu begründen. „Begründen“ bedeutet, dass der Schüler einen angegebenen Sachverhalt auf Gesetzmäßigkeiten beziehungsweise kausale Zusammenhänge zurückführen soll.

Der auf diese kompetenzorientierten Aufgabenformate dressierte Schüler weiß aber nun, dass er die Informationen aus dem vorgegeben Arbeitsmaterial nur ab- oder umzuschreiben braucht, um dem Erwartungshorizont vollständig genüge zu leisten. Im Erwartungshorizont wird bestätigt, dass der Schüler diese Informationen direkt aus dem Arbeitsmaterial entnehmen kann. In Wahrheit muss der Schüler also gar nichts begründen, er übernimmt ausschließlich vorgegebene Informationen.

Man sollte annehmen, dass es kaum möglich ist, diese Teilaufgabe noch zu toppen, aber Teilaufgabe b belehrt uns eines Besseren. Hier soll der Schüler letztlich aus zwei einfachen Grafiken entnehmen, wer von den Haien, Schwertwalen und See-Elefanten wann und wo wen jagt. Ein einfaches Ablesen der dazu zur Verfügung gestellten Grafiken mit dem Lineal – selbst Fünftklässler dürften damit kaum Probleme haben - erfüllt den Erwartungshorizont vollständig.

Da man Abiturienten aber anscheinend gar nichts mehr zutraut, bekommt der Schüler im Material darüber hinaus anhand dreier Grafiken aus Kinderbüchern gezeigt, wer denn hier überhaupt Weißer Hai, Schwertwal oder See-Elefant ist. Spätestens hier könnte man erwarten, dass auch der letzte Schüler es nun verstanden haben sollte, wer wen frisst. Für diejenigen Abiturienten, die eventuell keine Kinderbücher kennen und auch noch nie etwas von Schwertwalen und Weißen Haien gehört haben oder See-Elefanten für Raubtiere halten, steht nun zusätzlich unmissverständlich im Text des Arbeitsmaterials, dass die Weißen Haie und Schwertwale die Räuber und die See-Elefanten die Beute sind - und nicht umgekehrt.

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Spätestens dadurch wird diese Zentralabituraufgabe zur Realsatire. Was mögen leistungsstarke Schüler bei der Bearbeitung solcher Aufgaben denken? Die Teilaufgaben c und d stehen dann auch den vorgestellten in nichts nach. In Teilaufgabe d soll es ums „Beurteilen“ gehen - der höchste Anforderungsbereich. Man sollte also erwarten, dass der Schüler nun in Kenntnis der grundlegenden Gesetze der Populationsdynamik „zu einem Sachverhalt ein selbstständiges Urteil unter Verwendung von Fachwissen und Fachmethoden formulieren und begründen“ soll. Doch tatsächlich reicht es aus, wenn der Schüler seine aus dem Material a-c entnommen Argumente noch einmal wiederholend zusammenschreibt.

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