Deutscher Schulpreis: Kanzlerin im Dienste der Gemeinschaftsschulen

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KommentarDeutscher Schulpreis: Kanzlerin im Dienste der Gemeinschaftsschulen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises 2013 der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung.

von Ferdinand Knauß

Die Kanzlerin gibt sich die Ehre bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises. Doch mit Deutschlands besten Schulen hat das wenig zu tun - eher mit Werbung für eine pädagogische Ideologie.

„Sitzenbleiben, Schrägversetzungen oder andere Aussortierungen kennt man hier nicht.“ Michael Schratz, der Sprecher der Jury des von der Robert-Bosch-Stiftung, der Heidehof-Stiftung, dem "Stern" und der ARD gestifteten "Deutschen Schulpreises" schwärmt von der Anne-Frank-Schule in Bargteheide. Stattdessen, so glaubt er nach zwei Tagen Unterrichtsbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Schülern und Lehrern zu wissen, trauten die Lehrer den Schülern dort "mehr zu als diese sich selbst. Durch diese Ermutigung wachsen die Mädchen und Jungen buchstäblich über sich selbst hinaus." Belohnt wurde die erst 1989 gegründete Gemeinschaftsschule dafür heute mit 100.000 Euro und dem Hauptpreis der Jury - und der Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich.

Den in der Pressemitteilung verkündeten Anspruch, "Deutschlands beste Schule" gefunden zu haben, kann man allerdings durchaus in Zweifel ziehen. Keine Rede ist in der Mitteilung nämlich von der vergleichsweise geringen Zahl der Schulen, die sich überhaupt bewerben. 114 waren es insgesamt, davon nur 15 Gymnasien. Zum Vergleich: Es gibt etwa 34.000 allgemeinbildende und fast 90.00 Berufsschulen in Deutschland. "Die Bedeutung des Preises wird maßlos überschätzt", kritisiert daher Josef Kraus, Präsident des Lehrerverbandes.

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Inflation des Abiturs 2 Quelle: dpa

Grundlage der Bewertung sei ein "umfassendes Bildungsverständnis", heißt es in der Pressemitteilung, das in sechs Qualitätsbereichen von der Jury geprüft werde: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Diese Kriterien hätten sich in den letzten Jahren "als Merkmale für gute Schule etabliert".

Nicht nur die Lobesworte des Jurysprechers und die Bewertungskriterien, sondern auch die geringe Zahl der Gymnasien unter den Bewerbern und der Charakter der in diesem und den vergangenen Jahren ausgezeichneten Schulen - allesamt Gemeinschafts- und Gesamtschulen - legen nahe, dass es hier vor allem um die Auszeichnung und Propagierung von reformpädagogisch orientierten Schulen geht. Der Hamburger Bildungspolitiker Walter Scheuerl kritisiert, der ‚Deutsche Schulpreis‘ der Robert Bosch Stiftung sei eine "Marketing-Mogelpackung für die gescheiterten Reformschulen und die überkommene Reformpädagogik der 68er-Generation des letzten Jahrhunderts“. Die Öffentlichkeit werde durch Slogans wie "Die besten Schulen Deutschlands" und "Dem Lernen Flügel verleihen" vorgegaukelt, es komme bei der Nominierung von Schulen auf echte Qualität an. Tatsächlich komme es der Jury nicht auf Leistungs- und Lernergebnisse der Schüler an, sondern auf reformpädagogische Kriterien. "Das einzige Leistungs- und Qualitätskriterium des Schulpreises, das nach den Ausgabekriterien eine Rolle spielen soll, kann auch durch Projektarbeit und Wettbewerbe erfüllt werden", kritisiert Scheuerl.

In den PISA-Vergleichsstudien, die nicht Noten und formale Abschlüsse, sondern den Lernerfolg bewerten, schneiden Gesamt- und Gemeinschaftsschulen, auch die besseren unter ihnen, stets schlechter als Gymnasien und Realschulen ab.

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Ob die Bundeskanzlerin durch ihre Teilnahme bewusst die reformpädagogische Bewegung unterstützen will, die in der CDU, als man sich dort noch für Bildung interessierte, nicht viele Anhänger hatte, oder ob es ihr egal ist, weil sie nur schöne Bilder und den Schein des Kümmerns vermitteln will, das ist eine andere Frage. Aber im Kanzleramt der Bildungsrepublik Deutschland ist man vermutlich mit wichtigeren Dingen als Lernerfolgen und solchem Gedöns beschäftigt.

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