Edelgard Bulmahn: "Bund soll Hochschulen 9500 Euro pro Absolvent zahlen"

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InterviewEdelgard Bulmahn: "Bund soll Hochschulen 9500 Euro pro Absolvent zahlen"

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Die frühere Forschungsministerin Edelgard Bulmahn im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Christian Schlesiger

Ihre Idee eines Hochschulwettbewerbs von 2004 hat die Uni-Landschaft nachhaltig verändert, nun fordert die frühere Forschungsministerin Edelgard Bulmahn mehr Corps-Geist an deutschen Universitäten - und einen Absolventen-Bonus für die Basis-Finanzierung. Der Vorschlag könnte die Wissenschaft erneut verändern. Ein Interview.

WirtschaftsWoche: Frau Bulmahn, die deutsche Wissenschaft feiert den Erfolg der Exzellenzinitiative. Außerhalb der Fachkreise wissen nur wenige, dass Sie den Hochschulwettbewerb 2004 ins Leben gerufen haben. Erinnern Sie sich noch an diese Zeit?

Edelgard Bulmahn: Ja sicherlich. In der Forschung drohten die Hochschulen durch die besser ausgestattete außeruniversitäre Forschung abgehängt zu werden. Mir war klar, dass sich etwas grundlegend ändern muss. Ich wollte frisches Geld in die Hochschulforschung geben und ich wollte neue Wege gehen, weil die Hochschulwissenschaftsprogramme und viele andere Förderprogramme nicht den Schub bewirkt hatten, der notwendig war.

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Der Wettbewerb der Hochschulen enthielt drei Förderlinien: die Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte. Sind Sie heute vom Erfolg dieser Maßnahmen überrascht?

Ich war überzeugt, dass wir mit dem Wettbewerb einen dynamischen Entwicklungsprozess der Hochschulen einleiten können. Aber ich hätte nicht gedacht, dass die Resonanz und der Erfolg so groß sein würden. Selbst Unis, die beim Wettbewerb leer ausgingen, profitieren bis heute, weil sie sich mit ihren Stärken auseinandergesetzt haben.

National stieß die Exzellenz-Uni zunächst auf viel Widerstand, international aber auf hohes Interesse in der Wirtschaftspresse, wie die „Nature“ und „Science“ berichtete. Inzwischen haben auch viele andere Staaten wie Frankreich oder Japan entsprechende Initiativen gestärkt.

Zur Person

  • Edelgard Bulmahn

    Edelgard Bulmahn, 63, war von 1998 bis 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Gegen Ende ihrer Amtszeit rief die SPD-Politikerin trotz heftigen Widerstands die Exzellenzinitiative aus. Der Hochschulwettbewerb um Fördergelder in der Spitzenforschung hat deutsche Universitäten nachhaltig verändert und international erfolgreicher gemacht. Die Exzellenzinitiative geht deshalb nach 2017 in die dritte Runde. Heute ist Bulmahn Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Inwiefern Widerstand?

Die Wissenschaftsorganisationen unterstützten den Vorschlag, aber einige Hochschulen und auch Teile der Presse kritisierten den Wettbewerb damals, weil er angeblich nicht in die deutsche Hochschullandschaft passe. Auch die Mehrheit der Länder torpedierte meinen Vorstoß, weil der Bund sich nicht in die Länderkompetenzen einmischen sollte. Mit den Länderministern gab es schon nach zwei Monaten einen gemeinsamen Beschlussvorschlag. Aber vor allem Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch blockierte ihn damals über ein Jahr. So konnte die Exzellenzinitiative erst Mitte 2005 starten.

Ihre Kraftanstrengung hat sich gelohnt...

Ja hat sie! Die Hochschulen haben Profil und Wertschätzung gewonnen, ihre Leistungskraft ist gestiegen. Die Vernetzung zwischen universitärer und außeruniversitärer Förderung ist gut. Wir haben sehr leistungsstarke Cluster. Ich freue mich deshalb sehr, dass der Wettbewerb nach 2017 in die dritte Runde gehen soll und bis 2028 weiter gefördert wird.

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Immer Ärger mit dieser Elite: Weltweit bekannte Forscher zieht es zu selten an deutsche Universitäten. Die Exzellenzinitiative und mehr Fördergelder sollen das endlich ändern – aber macht die SPD mit?

Elitenmangel in Deutschland: Forscher gesucht. Quelle: Getty Images, Montage

Am Freitag präsentiert die Kommission um den Schweizer Physiker Dieter Imboden ein Gutachten, das den Erfolg der Exzellenzinitiative belegen wird. Danach wird die Politik über die Neuausrichtung der Exzellenzinitiative entscheiden. Was fordern Sie?

Nach dem Kommissionsbericht muss schnell klar sein, wie es weitergehen soll. Mir sind drei Punkte wichtig. Erstens: Schwerpunkt des Hochschulwettbewerbs sollten die Exzellenzcluster bleiben. Der Bund sollte die Möglichkeit erhalten, einzelne Verbünde zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen dauerhaft zu fördern. Zweitens: Die Exzellenzinitiative sollte in Zukunft auch die forschungsbezogene Lehre berücksichtigen. Drittens: Die Exzellenzinitiative sollte die Zukunftskonzepte weiter fördern. Hochschulen oder Cluster sind mehr als die Summe ihrer Fachbereiche. Sie brauchen einen gemeinsamen Geist, sie brauchen Strukturentwicklung.

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