Edelwohnheime: Studentenwerke kleckern, Privatinvestoren klotzen

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Edelwohnheime: Studentenwerke kleckern, Privatinvestoren klotzen

von Felix Ehrenfried

Edelwohnheime für Studenten sind längst keine Seltenheit mehr in deutschen Uni-Hochburgen. Der Markt für Privatwohnheime boomt, während die öffentliche Hand nur schleppend neuen Wohnraum für Nachwuchsakademiker schafft.

Irgendwann hatte Michaela Neuhauser (Name geändert) nach der Rückkehr aus dem Auslandssemester das Suchen satt: „Ich brauchte einfach schnell eine neue Wohnung, bevor die nächste Welle an neuen Studenten den Wohnungsmarkt überflutet.“ Statt weiter Kleinanzeigen und Onlineportale zu durchforsten, verabschiedete sie sich vom Gedanken an eine günstige Studentenbude. Neuhauser, gerade 22 Jahre alt, studiert an der Universität Konstanz im fünften Semester Jura und wohnt seit wenigen Wochen in einem privaten Wohnheim der Kapitalpartner Konzept GmbH, einem Immobilienunternehmen mit Wohnheimen in vier deutschen Studentenstädten.

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480 Euro für 24 Quadratmeter

Für ihre rund 24 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung zahlt sie rund 480 Euro Miete monatlich. Das ist wesentlich mehr, als sie für ein Zimmer in einem Wohnheim des lokalen Studentenwerkes „Seezeit“ gelöhnt hätte. Dort liegen die Preise für ein Zimmer grob zwischen 300 und 350 Euro. „Dort habe ich mich auch auf die Warteliste gesetzt, jedoch leider nie wieder etwas von denen gehört“, erklärt Neuhauser. Da sie in der knappen Zeit bis zum Semesterbeginn auch kein privates WG-Zimmer finden konnte, entschloss sie sich daher kurzerhand für die teurere Edelvariante.

Der Fall in Konstanz ist exemplarisch für viele Unistädte: Um die Wohnsituation von Nachwuchsakademiker in beliebten Hochschulstädten ist es schlecht bestellt. Die Wartezeiten für öffentliche Wohnheimplätze erstrecken sich oft über mehrere Semester und private Wohngemeinschaften können sich vor Anfragen bei frei werdenden Zimmern nicht retten.

Die Optionen und ihre Folgen

  • Die Wohnung wird von allen angemietet

    Die Mitbewohner unterschreiben alle den Mietvertrag und haben alle die gleichen Rechte und Pflichten. Sie sind alle gemeinsam für die Miete verantwortlich. Der deutsche Mieterbund empfiehlt, im Vertrag festschreiben zu lassen, dass WG „Mieter ohne Zustimmung des Vermieters austauschen“ kann.

  • Ein WG-Mitglied ist der Hauptmieter

    Die anderen WG-Mitglieder sind dann Untermieter. Der Hauptmieter ist derjenige, der für Mietrückstände alleine haftet. Er muss sich darum kümmern, dass das Geld von den anderen ebenfalls überwiesen wird.

  • Zimmer werden einzeln vermietet

    Der Vermieter hat mit jedem WG-Mitglied einen eigenen Mietvertrag. Küche und Bad gelten als Gemeinschaftsräume. In diesem Fall entscheidet der Vermieter alleine, wer neu in die Wohnung einzieht. Die Mitbewohner haben darauf keinerlei Einfluss.

Private Investoren präsentieren sich in dieser Situation mittlerweile gerne als Retter - und bieten zahlungskräftigen Studenten eine Premium-Alternative. „In unseren Objekten haben sie das Rundum-Paket, inklusive Fitnessbereich,  großen Aufenthaltsräumen und hochwertiger Ausstattung der Zimmer“, wirbt Heiko Henneberg, Geschäftsführer der Youniq GmbH, mit zwölf Wohnanlagen zwischen Greifswald und München einer der Großen auf dem Markt. Auch um Wasser-Anschluss, Rundfunkgebühr und ähnlich lästigen Verwaltungskram müssen sich die Studenten nicht kümmern.

Bis vor wenigen Jahren waren solche Luxuswohnheime noch Exoten in den Studentenstädten der Republik. Heute sieht die Situation ganz anders aus, wie ein Blick auf die Zahlen verrät: Mittlerweile werden bereits 17 Prozent der bundesweit 223.000 Wohnheimplätze von privaten Anbietern betrieben, wie ein Marktreport des Immobiliendienstleisters CBRE zum Wintersemester 2013/14 verrät, Tendenz steigend.

30 Prozent können 500 Euro oder mehr für Miete ausgeben

Damit haben die Privatanbieter bereits kirchliche und gemeinnützige Betreiber überholt, die bis vor wenigen Jahren noch die einzige „Alternative“ zu Wohnheimplätzen der lokalen Studentenwerke waren. Auch verrät der Marktreport, dass gerade private Anbieter das „gehobene Preissegment“ dominieren, also Wohnheimplätze mit Monatsmieten über 400 Euro.

Dass studentisches Luxus-Wohnen zum Trend wird, hat mehrere Gründe. So gibt es immer mehr Studenten, die genügend finanzielle Mittel haben und bereit sind, mehr für die eigene Studentenbude zu bezahlen. „Wir haben ermittelt, dass rund 30 Prozent der Studenten heute 500 Euro und mehr im Monat fürs Wohnen ausgeben können“, sagt Henneberg von Youniq. Neben seinem Unternehmen buhlen mittlerweile rund ein Dutzend Anbieter um die Gunst der Studenten, die für eine schicke Innenausstattung und Fitnessstudio im Haus bereit sind, mehr Geld auszugeben.

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