Europa-2020-Bildungsziele: Studieren wie die Zyprioten?

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KommentarEuropa-2020-Bildungsziele: Studieren wie die Zyprioten?

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Androulla Vassiliou, zyprische EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, will dass die Europäer dem zyprischen Bildungsbeispiel folgen.

von Ferdinand Knauß

EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou präsentiert neue Erfolge der Bildungsexpansion in Europa. Wie unsinnig das Ziel von 40 Prozent Akademikern ist, belegt der Spitzenreiter in der Statistik.

Der Bildungsstand in der Europäischen Union macht Fortschritte, meldet die Kommission. In fast allen Mitgliedsländern steigt laut der Europäischen Statistikbehörde Eurostat der Anteil der jungen Menschen mit Hochschulabschluss und sinkt der Anteil der Schulabbrecher in Richtung der „Europa-2020-Bildungsziele“ von mindestens 40 beziehungsweise höchstens 10 Prozent.  

In 12 Mitgliedstaaten (Österreich, Tschechische Republik, Dänemark, Finnland, Irland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Polen, Slowakei, Slowenien und Schweden) liegt die Schulabbrecherquote inzwischen unter der Europa-2020-Zielvorgabe von 10 Prozent. In der EU 27 verfügten im Jahr 2012 schon 36 Prozent (in Deutschland 31,9) der 30- bis 34-Jährigen über einen Hochschulabschluss, gegenüber 34 Prozent im Jahr 2010 und 28 Prozent im Jahr 2005.

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Was zeigen die Zahlen? Für Androulla Vassiliou, zyprische EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, zeigen sie, „dass immer mehr junge Menschen entschlossen sind, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Außerdem scheinen die Anstrengungen zur Verbesserung der europäischen Bildungssysteme und des Zugangs zu ihnen zu fruchten.“

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Quelle: dpa

Tatsächlich hat der Anstieg der Studiertenquote und der Rückgang der Schulabbrecherquote wohl weniger mit der persönlichen Entschlossenheit der jungen Europäer zu tun, auf die die Politiker in Brüssel oder sonstwo glücklicherweise nur geringe Einflussmöglichkeiten haben. Vor allem der Anstieg der Studentenzahlen dürfte eher auf das zurückzuführen, was Vassiliou unter „Anstrengungen“ versteht. Gemeint sind natürlich ihre eigenen und die der Bildungspolitiker in den Staaten.

Die Wortwahl will suggerieren, dass man unter Aufwendung aller Kräfte den jungen Europäern immer mehr Bildung oder zumindest Ausbildung vermittle und sie infolgedessen immer höhere Bildungsabschlüsse erreichten. Vassiliou will uns ebenso wie die meisten anderen Bildungspolitiker eine Geschichte des Bildungsaufstiegs erzählen. Aber sollten solche Anstrengungen, wie anstrengend auch immer, tatsächlich fähig sein, in nur sieben Jahren den Anteil der Hochschulabsolventen um acht Prozentpunkte zu steigern?  

In Deutschland ist die Studentenquote, also der Anteil der Studienanfänger an der gleichaltrigen Bevölkerung in fünfzehn Jahren von 28,1 (1996) auf 54,7 Prozent (2012) gestiegen. Wir können also fast sicher sein, dass wir die EU-Zielquote für Hochschulabsolventen bald erreicht oder sogar übertroffen haben werden.  Im gleichen Zeitraum stagnierte die Zahl der Lehrer in Deutschland bei rund 670 000.  

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