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European Business School: Die peinlichen Fehlbuchungen der elitären Wirtschaftsschule

11. Oktober 2011
Das Eingangsschild der Quelle: dpaBild vergrößern
Das Eingangsschild der European Business School (EBS) im Schloss Reichartshausen Quelle: dpa
von Christian Schlesiger

Die European Business School gilt als ehrgeiziger Gegenentwurf zur staatlichen Massenuniversität. Doch die Inhalte, die sie lehrt, scheint sie selbst nicht zu kapieren. Deshalb muss die EBS nun fast eine Million Euro zurückzahlen.

Das Profil, das sich die European Businss School (EBS) in Oestrich-Winkel auf ihren Internetseiten gibt, ist selbstbewusst. „Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht bildet die international orientierte Wissens- und Verantwortungselite der Zukunft aus“, heißt es in der Selbstdarstellung. „Wir stehen für Verantwortung, Netzwerk, Internationalität und Exzellenz“. Für ein G-8 Land hätte Deutschland „in der internationalen Spitzenbildung in Wirtschaftsthemen bisher so gut wie keine Bedeutung“, heißt es weiter. „Genau in diese Marktlücke stoßen wir vor."

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Doch die unsachgemäße Verwendung von Steuermitteln kratzt nun am Image der Eliteuni. Ob die EBS dabei bewusst getäuscht hat oder mit den eigenen Ansprüchen einfach überfordert ist, lässt sich noch nicht vollständig klären. Fakt ist aber, dass sie die Wirtschaftsthemen, die sie lehrt, selbst nicht beherzigt. Zumindest im Grundkurs Buchführung gibt es Nachholbedarf.Das geht aus einem Prüfbericht des hessischen Wissenschaftsministeriums hervor. Eine Excel-Tabelle mit fehlerhaften Buchungen ist Teil des Berichts und liegt der WirtschaftsWoche vor. In 56 Positionen listet die Excel-Tabelle Fehlbuchungen für das Jahr 2009 auf. 2010 beinhaltet weitere 13 buchhalterische Irrläufer. Und das Geld, das in den falschen Kanälen gelandet ist, hat sich das Land Hessen nun zurück geholt. 950.000 Euro hat die EBS bereits zurückgezahlt, weil es nicht wie geplant dazu eingesetzt wurde, die juristische Fakultät aufzubauen.

Pamphlet des eigenen Unvermögens

Die Liste liest sich wie ein Pamphlet des eigenen Unvermögens. So setzte die EBS beispielsweise Shanghai-Flüge in Höhe von 10.077,31 Euro an, die bei einem Treffen mit einer Beratung angefallen sind. Doch für die Kosten der "Inlandsflüge First Class" würden schlichtweg "Belege fehlen". Bei "Spesen Januar 2009" gab es Unklarheiten bezüglich des "Projektzusammenhangs". 3.143,97 Euro sollten daher zurück gezahlt werden, denn die Buchung sei "periodenfremd", es handelte sich um "Kosten aus 2008". Bei diversen Bürokosten wie "Windows, Server, Kopien" wurde offenbar zu viel angesetzt. Eine "teilweise Kürzung" der erfolgten Zuwendungen sei erforderlich. Das Ministerium forderte 11.412,01 Euro allein bei diesem Posten zurück. Der Höhepunkt des Jahres 2009 ist ganz sicher das Catering für eine Party, bei der schlichtweg der "Projektzusammenhang" fehle. Rückforderung: 4391,10 Euro. Der Zusammenhang sei auch bei einem "Workshop auf Mallorca" der Fakultät nicht erkennbar. Laut EBS-Vizepräsident Rolf Tilmes soll "der Workshop der Professoren und führenden Verwaltungsmitarbeiter im Rahmen der Vorbereitung der Universitätsgründung und dem Aufbau der EBS Law School" aber nicht aus Steuergeld bezahlt worden sein.

Auch im Jahr 2010 geht es so weiter. Es fehle der Projektzusammenhang, Ausgaben wurden fehlerhaft verbucht, Belege fehlten oder der Zeitpunkt der Förderung für Staatsmittel sei einfach der falsche gewesen. Ausgaben in Höhe von 866,24 für die Vorbereitung auf ein Strategiemeeting in einem 4-Sterne-Hotel in der Schweiz seien nicht angemessen. Gleiches gelte für die "Anmietung eines Limousinenservices für diverse Fahrten in Berlin" in Höhe von 1199,52 Euro. Und Chauffeurkosten in Höhe von 6427,97 Euro entfallen auf "private Nutzung".

Die Opposition im Landtag ist erschüttert. „Der Umfang der nicht sachgerechten Verwendung der Steuermittel ist gravierend", sagt die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Sarah Sorge. Die EBS habe 2009 und 2010 Steuermittel in Höhe von 17 Millionen Euro von der Landesregierung bekommen, insgesamt sollte sie 24,7 Millionen Steuermittel für den Aufbau der juristischen Fakultät erhalten. Aus den Prüfberichten zur Verwendung der Steuermittel bei der EBS gehe klar hervor, dass es "keine Regelung zur Einholung von Angeboten, kein Vier-Augen-Prinzip bei Ausgaben unter 100.000 Euro, keine Gegenzeichnung bei Auftragsvergaben, keine Spesenordnung und auch keine zentrale Erfassung der Rechnungseingänge gab", sagt Sorge. "Zudem wurde bei Kosten über 100 000 Euro gegen die Geschäftsordnung verstoßen und nicht immer wie vorgeschrieben von zwei Geschäftsführern gegengezeichnet. Auch bei Geschäften mit nahestehenden Personen existierten keine Regeln.“Für die Landesregierung scheint die Sache mit der Rückzahlung aber nun erledigt zu sein. Sie unterstützt die Hochschule wieder. Dabei hat der Prüfbericht das Jahr 2011 noch gar nicht berücksichtigt. Offenbar gibt es auch hier Gelder in Höhe von 100.000 Euro, die zweckentfremdet wurden. Für eine Wirtschaftshochschule, die die „Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung" und das Leitmotiv des ehrbaren Kaufmanns lehrt, ist das ein Image-Desaster. Der Bilanz-GAU ist derzeit ohnehin nicht die einzige Baustelle. Dem ehemaligen Präsidenten der Business School Christopher Jahns wird vorgeworfen, 180.000 Euro für eigene Zwecke abgezwackt zu haben. Zwar schlossen die Uni und Jahns kürzlich einen Vergleich. Doch die Reputation hat die EBS damit sicher noch nicht wieder hergstellt.

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