European Business School: Elite-Uni am Abgrund

European Business School: Elite-Uni am Abgrund

von Christian Schlesiger

Fragwürdige Buchhaltungspraktiken und interne Hahnenkämpfe treiben die einstige Vorzeige-Privathochschule EBS an den Rand des Ruins. Brisante Dokumente zeigen das ganze Ausmaß.

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Das Eingangsschild der European Business School.

Das Angebot schlug auf dem Campus in Oestrich-Winkel ein wie eine Bombe: Einen höheren einstelligen Millionenbetrag wolle er in seine frühere Ausbildungsstätte investieren, teilte Peter Rasenberger dem Stiftungsvorstand der European Business School (EBS) mit. Kein selbstloses Unterfangen: Unternehmensberater Rasenberger ist Kopf einer Gruppe von Alumni, die mit privatem Geld Uni-Anteile erwerben will. Zwar seien noch rechtliche Fragen offen, sagt EBS-Geschäftsführer Rolf Tilmes. „Im Grundsatz ist man sich im Vorstand aber einig, das Angebot zu unterstützen.“

Dass sich Ex-Studenten in dieser Größenordnung an ihrer alten Alma Mater beteiligen, wäre ein Novum in Deutschland – für die EBS aber überlebenswichtig. Seit Monaten kämpft die Privat-Uni mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten – eine Situation, die sie auch selbst zu verantworten hat: Die Buchhaltung versagte, die Bewerbung um internationale Gütesiegel stockt. Vorwürfe gegen Ex-EBS-Präsident Christopher Jahns ruinieren den Ruf, gestandene Professoren überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Die EBS steht vor schweren Zeiten – intime Kenner der Materie sagen: vor dem Abgrund.

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Die Geldsorgen der Eliteschule

  • 1 Millionen Euro...

    ...musste die EBS zurückzahlen, weil sie 2009 und 2010 wegen mangelhafter Buchführung zu viel Steuern kassierte. Es fehlten Belege und Projektgründe. Einige Rechnungen waren zu hoch. Nun prüft der Landesrechnungshof erneut.

  • 120 Millionen Euro...

    ...kostet der Aufbau der juristischen Fakultät an der EBS in den ersten acht Jahren. 25 Millionen Euro übernimmt das Land Hessen. Statt wie geplant 120 Studenten schrieben sich nur 88 fürs Erstsemester ein.

  • 62.500 Euro...

    ...wollte die Deutsche Post der EBS überweisen – Teil der 250.000 Euro, mit denen sie jährlich einen EBS-Lehrstuhl finanziert. Die Tranche werde aber erst gezahlt, wenn die satzungsgemäße Verwendung des Budgets belegt sei.

Nun sind neue Vorwürfe und Unterlagen aufgetaucht, die die Corporate-Governance-Praxis der privaten Hochschule in Frage stellen. Im Fokus: Ex-Präsident Jahns. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden seit April wegen Untreue. Ein Haftbefehl führte im Frühjahr erst zu seiner fristlosen Kündigung, später einigte sich die EBS mit Jahns auf einen Vergleich.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft aber haben Bestand: Laut Haftbefehl soll Jahns, der sich einmal wöchentlich bei der Polizei melden muss, „seine beherrschende Stellung“ an der Hochschule ausgenutzt haben, um „durch Vorlage von Rechnungen seiner BrainNet-Gruppe an die EBS Gelder aus der privaten Hochschule zu ziehen und sie seiner Firmengruppe in der Schweiz zugutekommen zu lassen“. Rechnungen, denen „keine tatsächlich erbrachten Leistungen der BrainNet-Gruppe an die EBS zugrunde lagen“. Der EBS sei damit „ein Gesamtschaden in Höhe von 180 000 Euro entstanden“.

Fragwürdige Geschäftspraktiken

Jahns’ Anwalt Alfred Dierlamm sagt, „dass diesen Rechnungen werthaltige Beratungsleistungen von BrainNet zugrunde lagen, die – nach üblichen Marktgegebenheiten bewertet – einen Wert von mindestens 409 000 Euro hatten. Eine Schädigung der EBS durch diese Rechnungen hat zu keiner Zeit stattgefunden.“

Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, lassen aber auf fragwürdige Geschäftspraktiken schließen. Demnach wollte Jahns wohl Beträge abrechnen, die deutlich höher sind als bisher bekannt – mit Firmen, an denen er beteiligt war.

Im Mittelpunkt steht eine E-Mail von Jahns an einen ehemaligen kaufmännischen Leiter von Oktober 2010, in der es um die Zukunft des Supply Chain Management Institute (SMI) der EBS geht. Das SMI wurde seit 2004 als wissenschaftliches Institut für Einkauf und Logistik aufgebaut und gilt inzwischen als Aushängeschild, mit Präsenzen in China, Indien und Russland. Jahns, das legt die E-Mail nahe, wollte das SMI nutzen, um ältere Leistungen abzurechnen, die Firmen, an denen er beteiligt war, zwischen 2004 und 2008 erbracht hatten.

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