European Business School: Razzia bei der EBS

KommentarEuropean Business School: Razzia bei der EBS

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Das Eingangsschild der European Business School (EBS) im Schloss Reichartshausen

von Daniel Rettig

Die Polizei durchsuchte gestern die Räume der European Business School (EBS) und die Wohnung des EBS-Präsidenten Christopher Jahns wegen des Verdachts der Untreue. Die Hochschule hat zu den Vorwürfen viel zu lange geschwiegen, der Imageschaden ist umso größer. Ein Kommentar von Daniel Rettig.

Es gibt immer zwei Möglichkeiten, mit einer Krise umzugehen: Aussitzen oder Angreifen. Es sieht so aus, als habe sich die European Business School (EBS) für die erste Option entschieden – doch damit macht sie alles nur noch schlimmer.

Anlass der Krise ist Christopher Jahns. Der 41-jährige ist seit 2009 Präsident und CEO der privaten Hochschule in Wiesbaden. Seit Anfang des Jahres ist er Mittelpunkt einer Affäre, die ihn nicht nur sein Amt und sein Renommee kosten könnte. Sondern, so wie es nun aussieht, auch ins Gefängnis bringen könnte.

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Im Januar hatte der „Spiegel“ erstmals aufgedeckt, dass Jahns offenbar führende Funktionen in Beratungsunternehmen innehatte, die lukrative Geschäfte mit der EBS tätigten. Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Unternehmensberatung „BrainNet“ und deren zahlreichen Tochterfirmen. Jahns ist dort in mehreren Verwaltungsräten vertreten – und BrainNet-Manager Christian Rast sitzt wiederum im Stiftungsvorstand der EBS.

Ermittlungen wegen Verdachts auf Untreue

Offenbar ein lohnendes Geschäftsmodell: BrainNet hat Niederlassungen in Bonn, Budapest, London, Mumbai, München, Sankt Gallen, Sao Paulo, Schanghai, Stockholm und Wien. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden und das hessische Landeskriminalamt nahmen nach den „Spiegel“-Enthüllungen Ermittlungen gegen Jahns wegen des Verdachts der Untreue auf.

Gestern Vormittag folgte dann der vorläufige Höhepunkt: Ermittler des Landeskriminalamts rückten an neun Standorten zur Hausdurchsuchung an. Am Gründungsort der EBS in Oestrich-Winkel, am neuen Hauptsitz in Wiesbaden und in Frankfurt am Main. Genauer gesagt: In Jahns’ Wohnung. Die Fahnder beschlagnahmten zahlreiche Akten und Computer.

Doch damit nicht genug: Jahns wurde festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Der ließ den EBS-Präsidenten zwar gegen Auflagen wieder laufen – doch damit ist der Schaden perfekt. Einerseits für Jahns, der sich nun vermutlich vor Gericht verantworten muss. Es bestehe „der dringende Verdacht der Untreue“, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden. Andererseits aber ist auch die EBS betroffen, weil sie durch die Affäre nachhaltigen Schaden erleiden könnte. Und daran ist sie zu einem guten Teil auch selbst schuld.

Jahns dachte nicht nur an das Glück der Hochschule

Als Jahns vor wenigen Wochen ankündigte, seine Ämter ruhen zu lassen, um „die Gegensätze innerhalb der Hochschule zu beruhigen“,gab die Pressestelle der Hochschule eine Mitteilung heraus. Darin ließ sie vor allem den Aufsichtsrat der EBS zu Wort kommen. Dieser gehe „unverändert“ davon aus, dass sich die Untreuevorwürfe gegen Jahns als unbegründet erweisen: „Er sieht in ihm nach wie vor den – von manchen beneideten – Initiator und Motor der erfolgreichen, dynamischen Entwicklung der EBS.“ So kann man es natürlich auch ausdrücken.

Angesichts der gestrigen Durchsuchungen und des Haftbefehls wirkt diese Erklärung jedoch wie blanker Hohn. Es mag sein, dass Neid und Missgunst eine Rolle bei den Enthüllungen gespielt haben. Das ist jedoch erstens nebensächlich und ändert zweitens nichts daran, dass Jahns – sollten sich die Vorwürfe erhärten –, als Chef der EBS nicht nur an das Glück der Hochschule dachte, sondern vor allem an seine persönlichen Finanzen.

Jahrelang hatte die EBS versucht, das Image der elitären Kaderschmiede für Söhne und Töchter aus gutem Hause loszuwerden. Das war ihr in letzter Zeit auch gut gelungen, die Uni galt inzwischen als ernstzunehmende Alternative zu renommierten staatlichen BWL-Fakultäten wie Mannheim oder Köln. Im Uniranking der WirtschaftsWoche im Jahr 2010 landete sie im Bereich BWL immerhin auf Platz fünf.

Der Umgang mit der Jahns-Affäre könnte dieses mühsam aufgebaute Renommee jedoch verspielen. Es ist dringend erforderlich, dass die Hochschule nicht länger schweigt – sondern Stellung bezieht und sich an der Aufklärung der Vorwürfe aktiv beteiligt. Die sprichwörtliche Uhr zeigt nicht kurz vor zwölf, sondern hat die magische Grenze bereits überschritten. Mit Aussitzen ist es nicht mehr getan.

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