Exzellenzinitiative: "Wir brauchen mehr Ehrlichkeit bei den Unis"

Exzellenzinitiative: "Wir brauchen mehr Ehrlichkeit bei den Unis"

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Wolfgang Marquardt (Mitte), Vorsitzender des Wissenschaftsrats, im Kreis seiner Mitarbeiter

von Max Haerder

Der Elitewettbewerb für die deutschen Hochschulen geht in die heiße Phase. Wiwo.de sprach mit dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt, über die Konsequenzen der akademischen Milliardenkür.

Am 2. März entscheiden Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft, welche Hochschulen ins Finale der Exzellenzinitiative einziehen. Wie gut sind die Bewerbungen?

Marquardt: Mich beeindruckt die anhaltende Dynamik. Sie wird auch im Ausland wahrgenommen und darum werden wir beneidet. Es gibt weiterhin eine kreative Unruhe an den Hochschulen. Da ist ein Ruck durchgegangen, der sie aus ihrer Starre geholt hat. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Es hat viele Diskussionen über Fachgrenzen hinweg gegeben, die es in der Form vorher nicht gab.

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 Kritiker bemängeln aber die Konzentration auf wohlklingende Anträge und die grassierende Kommissionitis.

Die harte Kritik teile ich nicht. Zwar gab es viel internen Abstimmungsbedarf und das belastet, ganz klar. Aber wenn die Universitäten weiterkommen wollen, geht es nicht ohne Gremien, Diskussionen und Zeit. Die anstehenden Probleme lassen sich nicht von zwei Leuten in drei Stunden auf einem Sofa lösen. Der winkende Gegenwert wiegt die Anstrengungen auf. Es ist Last und Faszination zugleich.

Die Exzellenzinitiative offenbart aber die großen Leistungsgefälle.

Diese Differenzierung hat man ja gewollt und - zumindest für die Forschung - ist sie durchaus funktional. Wir dürfen dabei aber die Lehre nicht vernachlässigen und auch nicht, wie Forschungsergebnisse praktisch umgesetzt werden. In einem gut funktionierenden Wissenschaftssystem müssen letztlich alle Kompetenzen, also insbesondere Forschung, Ausbildung oder Transfer, komplementär und flächendeckend abgedeckt werden.

Droht die Spaltung in Forschungs- und reine Lehrhochschulen?

Wer will eigentlich diese Spaltung? Humboldt ist immer noch unsere Leitlinie. Wir sind gut beraten, Forschung und Lehre weiter zusammen zu denken. Eine exzellente Uni zeichnet sich durch diese Einheit aus.

Was bedeutet die letzte Runde des Wettbewerbs konkret?

Eine große Rolle spielt die Nachhaltigkeit: Die Anträge müssen Antworten geben, wie es nach Auslaufen der Initiative 2017 weitergehen soll.

Noch schultert der Bund 75 Prozent der Kosten. Ist sein Ausstieg denkbar?

Der Ruck war nur mit zusätzlichem Geld möglich. Ein Glücksfall, dass der Bund sich engagiert hat! Im internationalen Vergleich ist das deutsche Hochschulsystem unterfinanziert. Das zu ändern, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe.

Der Bund muss helfen

Wären Bundes-Universitäten nicht die logische Konsequenz?

Wir laufen in eine angespannte Situation hinein. Die Länder werden an Stelle von 25 kaum 100 Prozent der Programmmittel schultern können. Wir brauchen für die Zeit nach 2017 andere Finanzierungsmodalitäten für die Hochschulen, als sie derzeit erlaubt sind. Die gesetzlich gegebenen gravierenden Einschränkungen sollten wir auflösen.

Fusionsmodelle wie an der Uni Karlsruhe umgehen diese faktisch. Brauchen wir also eine neue Föderalismus-Reform?

Die Verfassung wird im Moment in alle Richtungen gedehnt. Deshalb muss Ehrlichkeit in die Debatte hinein gebracht werden.

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