Familie und Beruf: Studenten wollen lieber Kinder als Karriere

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Familie und Beruf: Studenten wollen lieber Kinder als Karriere

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Nicht nur Männer schwanken zwischen Elternrolle und Beruf.

Familie oder Traumjob? Deutschen Studenten fällt die Entscheidung leicht. Die Mehrheit würde für die Familie auf den Traumjob verzichten. Trotzdem sorgen sich die Studenten um den Karriereknick, der vielen Eltern droht.

Es tut sich etwas bei den Deutschen: Noch im vergangenen Sommer sagten zwei von drei Deutschen, dass ihnen die Karriere wichtiger ist als Kinderkriegen. In einer Forsa-Umfrage aus dem Januar gaben besonders die Väter an, den Spagat zwischen Job und Familie nicht zu schaffen. Viele Väter fühlten sich außerdem von den Erwartungen ihrer Partnerinnen überfordert. Das Credo laute: "Am besten, du verdienst 10.000 Euro im Monat und bist schon mittags zu Hause", fasste der Soziologe Thomas Gesterkamp das dilemma zusammen. Dann doch lieber nur die Karriere als das Vereinbarkeitschaos.

Doch im Sommer 2015 sieht es zumindest bei den jungen Akademikern anders aus, wie die deutschlandweite Umfrage "unicensus kompakt" des Personaldienstleisters univativ zeigt. Demnach sind 70 Prozent der Studenten in Deutschland eigene Kinder beziehungsweise eine eigene Familie wichtiger als der Traumjob. Und bei den meisten ist die Familienplanung schon sehr konkret: 37 Prozent wollen nach dem Uniabschluss zunächst ein paar Jahre arbeiten und dann eine Familie gründen. Nur acht Prozent der Befragten gaben an, Kinder nach der Probezeit, sieben Prozent direkt nach dem Abschluss zu planen. Lediglich zwei Prozent wollen schon während des Studiums Kinder bekommen.

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Was bei Müttern und Vätern zu kurz kommt

  • Beruf

    Der Beruf ist das Schlusslicht unter den Dingen, die Eltern zu kurz kommen: Gerade mal 12 Prozent der befragten Mütter und 8 Prozent der befragten Väter fanden, sie würden zu wenig Zeit in ihre Arbeit investieren.

    Befragt wurden liierte Eltern von Kindern unter 16 Jahren, die angaben, nicht allen Anforderungen gerecht zu werden.

    Quelle: Inst. für Demoskopie Allensbach

  • Freunde

    Ob die eigenen Freunde zu kurz kommen oder nicht, wird geschlechtsspezifisch differenziert wahrgenommen: Zwar findet auch fast ein Drittel (32 Prozent) der befragten Frauen, dass sie ihren Freunden nicht genug Zeit widmen, bei den Männern sind es mit 56 Prozent jedoch erheblich mehr.

  • Haushalt

    Hier ist die Diskrepanz zwischen Mann und Frau nicht ganz so groß wie bei der unterschiedlichen Wahrnehmung in Bezug auf die Vernachlässigung von Freundschaften. Ein klarer Trend ist aber auch hier erkennbar. Nur 21 Prozent der befragten Männer glaubten, sie müssten eigentlich mehr im Haushalt tun. Bei den Frauen waren es hingegen 35 Prozent.

  • Kinder

    Weit über zwei Drittel der befragten Männer gaben an, ihre Kinder kämen in ihrem Zeitmanagement zu kurz. Bei den Frauen waren es 41 Prozent.

  • Partner

    Auch die Partnerschaft kommt mehr Vätern als Müttern zu kurz: Zwar sagen 47 Prozent der befragten Frauen, ihr Partner bekäme zu wenig Zeit gewidmet, bei den Männern allerdings sind es 73 Prozent.

  • Sie selbst

    Dass sie selbst zu kurz kommen, finden 53 Prozent der befragten Männer und 56 Prozent der befragten Frauen.

Nur sechs Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer schließen Kinder in ihrer Lebensplanung vollkommen aus. "Das ist ein sehr positives Signal, sorgt man sich doch sonst gerade über die Geburtenrate unter Akademikern. Damit aber nach dem Einstieg in den Job keine Ernüchterung folgt, müssen Politik und Wirtschaft noch mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun", sagt Olaf Kempin, der Gründer und Co‐Geschäftsführer von univativ.

Kinder sind immer noch ein Karriererisiko

25 Prozent der weiblichen Studenten fürchten den Karriereknick durch die Babypause. Und das nicht zu Unrecht, wie eine Umfrage des Bundesfamilienministeriums zeigt. Demnach bereuen vier von zehn Frauen, Elternzeit in Anspruch genommen zu haben. 38 Prozent der befragten Mütter und 28 Prozent der befragten Väter sehen einen Zusammenhang zwischen Babypause und stockendem beruflichem Fortkommen. Angst haben weibliche Studenten außerdem, was die Kinderbetreuung (20 Prozent) und finanzielle Einschränkung (17 Prozent) anbelangt.

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Bei den Männern steht die Furcht vor den finanziellen Einbußen mit 21 Prozent hingegen an vorderster Stelle. Auf Platz zwei der erwarteten Probleme landet bei ihnen mit 17 Prozent der Faktor Betreuung. Erst an dritter Stelle folgt die Angst vor einem Karriereknick (15 Prozent).

Doch ein großer Teil der Befragten ist auch optimistisch, dass flexible Arbeitszeitmodelle ihnen die Familiengründung einfach machen werden. Allerdings ist ein gemachtes Nest ein zunehmend wichtiger Faktor: "Frühere Generationen wollten noch jung Eltern werden, heute sehen sich die Studenten erst später in einer guten Position, um Kinder zu bekommen", sagt Kempin. Da spiele neben dem Wunsch, die Ausbildung Früchte tragen zu lassen, auch der Aspekt der finanziellen Sicherheit eine wichtige Rolle. Kempin: "Wenn Arbeitgeber die richtigen Voraussetzungen schaffen, damit die Pläne der Studierenden nicht an den Gegebenheiten der Realität im Berufsleben scheitern, zum Beispiel indem sie auf flexible Arbeitszeitmodelle setzen, dann sollte es keine Wahl mehr geben müssen zwischen Kindern und Karriere."

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