Finnland schafft Schulfächer ab: Das traurige Ende der nutzlosen Bildung

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KommentarFinnland schafft Schulfächer ab: Das traurige Ende der nutzlosen Bildung

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Für die Bartagame-Echse - hier an der Haupt- und Realschule in Zetel - könnte es eng werden, wenn wie künftig in Finnland, nur noch "Phänomene" mit Bezug zum späteren Arbeitsleben unterrichtet werden.

von Ferdinand Knauß

Pisa-Musterschüler Finnland will die herkömmlichen Schulfächer durch "Phänomene" ersetzen. Das beraubt die Schüler der Chance auf Bildung jenseits des Nützlichen.

Sollen Schüler für die Schule lernen oder fürs Leben? Fürs Leben natürlich, antwortet man. Aber was ist dieses "Leben"? Besteht es in erster Linie aus der Optimierung der eigenen materiellen Verhältnisse?

Für die Schülerin Naina scheint das so zu sein. Vor einigen Wochen hatte ihr Tweet für Aufsehen gesorgt, in dem sie dem Schulsystem vorwarf, dass sie nun zwar ein Gedicht in vier Sprachen analysieren könne (was "Hybris" bedeutet, weiß sie dann sicher auch), aber eben keine Ahnung von "Steuern, Miete und Versicherungen" habe.

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Die finnische Regierung macht den Geist oder besser: den Verzicht auf jeglichen Geist, der aus Nainas Klage und der großen öffentlichen Zustimmung spricht, nun ganz offen zur Grundlage ihrer Schulpolitik. Nach dem Verzicht auf das Schreibenlernen mit der Hand zugunsten der Tastatur schafft Finnland nun die Schulfächer ab.

Anstatt von Geschichte, Biologie oder Mathematik wird es für junge Finnen in der Schule künftig nur noch "Phänomene" geben. Und die sollen stets aus dem angeblich echten Leben kommen. Marjo Kyllonen, Helsinkis Schulmanagerin (nicht Ministerin!), verkündete in einem Interview mit der britischen Zeitung "Independent", das bisherige System mit den klassischen Schulfächern erschwere vielen Schülern den Einstieg ins Arbeitsleben.

Bis 2020, so ihr Plan, soll die Umstellung geschafft sein. Wie das Lernen mit nützlichen Zielen funktioniert, wird in einigen Schulen schon getestet. Das Phänomen kann dann zum Beispiel "Gastronomie" sein - mit Übungen zum Ausstellen von Rechnungen oder zur Bestellungsaufnahme auf Englisch. Ein anderes Unterrichts-Phänomen könnte die EU sein. Dabei könnte dann möglicherweise auch die Geschichte einzelner Mitgliedsländer ein Thema sein.

In Finnland wird es also bald nicht mehr möglich sein, dass sich eine Naina fragt, warum sie etwas so Nutzloses wie ein Gedicht analysieren soll, dass keinen Bezug zu Steuern, Miete und Versicherungen hat. Die Finnen sollen die Frage: "Wozu lerne ich das überhaupt?", nie mehr stellen. Dass es bei irgendeinem dieser aufs künftige Arbeitsleben hinführenden Phänomene Platz für Gedichtanalysen gibt, ist höchst unwahrscheinlich.

Naina dürfte also mit Finnland recht zufrieden sein. Vielleicht auch die Macher der Pisa-Studien der OECD, für die Schulen ein Dienstleistungsbetrieb sind, in dem optimal an die Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasste junge Menschen geformt werden. In anderen Staaten, zum Beispiel in Großbritannien, gibt es angeblich großes Interesse, dem neuen finnischen Weg zu folgen.

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Auf den Gedanken, dass das Leben sich nicht in der Optimierung von Steuern, Miete und Versicherungen erschöpft, werden finnische Schüler bei der Betrachtung all der nützlichen Phänomene im Unterricht möglicherweise gar nicht mehr oft kommen. Diesen Effekt des über den Alltag Erhabenen haben schließlich nutzlose Lehrinhalte wie Gedichte allzu oft.

Finnland ist die Speerspitze eines globalen OECD-Unbildungsholzweges, der Schüler zum Humankapital herabwürdigt und ihnen die Chance auf Bildungserlebnisse nimmt. Arme kleine Finnen!

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