Flüchtlinge an Unis: Universitäten erwarten hohen Beratungsbedarf - und Kosten

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Flüchtlinge an Unis: Universitäten erwarten hohen Beratungsbedarf - und Kosten

Seit Monaten kommen täglich Tausende aus Krisengebieten nach Europa. In diesem Jahr waren es rund eine Million Flüchtlinge. Viele, die nach Deutschland gekommen sind, zieht es auch an die Hochschulen.

Bis Anfang dieser Woche haben 2015 bereits eine Million Asylsuchende Europa erreicht. Die Schätzung gab die Internationale Organisation für Migration am Dienstag in Genf bekannt. Damit kamen dieses Jahr mehr als viermal so viele Menschen an wie 2014. Allein Deutschland rechnet für das laufende Jahr damit, mehr als eine Million Flüchtlinge aufzunehmen. Darin enthalten ist aber eine große Zahl von Asylbewerbern aus Europa selbst, zum Beispiel aus den Balkanstaaten. Die IOM-Schätzung bezieht sich auf Einreisende von außerhalb Europas.

Und viele der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, wollen hier auch studieren. Das stellt die Hochschulen vor Herausforderungen. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, rät zu einem fairen und zugleich realistischen Umgang mit studierwilligen Flüchtlingen an deutschen Universitäten. „Wir wollen die Flüchtlinge in ihrer schwierigen Situation bestmöglich unterstützen, aber wir dürfen im Sinne der Chancengleichheit auch unsere Regeln für sie nicht umgehen“, sagte Hippler der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Deshalb gelte es zu informieren über Zugangsvoraussetzungen und Zulassungsbeschränkungen (Numerus Clausus), aber auch über Vorteile einer Berufsausbildung, die in Deutschland viel mehr Wert habe als in den meisten Herkunftsländern. Wie hoch der Anteil studierwilliger und -fähiger Flüchtlinge ist, sei völlig offen. „Das weiß derzeit niemand, unter anderem weil eine Erfassung nicht stattgefunden hat“, sagt Hippler.

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Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte kürzlich hochgerechnet, dass sich die Hochschulen in Deutschland auf bis zu 50.000 Flüchtlinge einstellen sollten. Der erwartete Andrang ergebe sich, wenn man 2015 von etwa einer Million Flüchtlingen ausgehe, von denen ein Viertel zwischen 18 und 25 Jahren alt ist - und von denen wiederum vermutlich 20 Prozent studieren wollen.

Der HRK-Chef sagte, gerade für Flüchtlinge mit Hochschulambitionen sei das Erlernen der deutschen Sprache elementar wichtig. „Für ein Studium muss das auch die notwendige Fachsprache einschließen, ebenso das Kennenlernen der deutschen Lebenskultur. Sinnvoll ist ferner eine Art Propädeutikum, eine Vorbereitungsveranstaltung, um den Einstieg in das Studium verbessern zu können.“ All dies erfordere viel Geld: „Wenn jetzt mehr Flüchtlinge an die Hochschulen kommen, muss das finanziert werden. Für Sprachvermittlung und Propädeutikum liegt der Bedarf pro Student geschätzt bei etwa 4000 Euro pro Jahr.“

100 Millionen Euro für Beratung und Integration

Um studierfähigen Flüchtlingen den Zugang zur Hochschule zu erleichtern, hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein langfristig angelegtes Maßnahmenpaket aufgelegt. In den nächsten vier Jahren stünden rund 100 Millionen Euro zur Unterstützung und Beratung beim Hochschulzugang, der Verbesserung der Studierfähigkeit und der Integration an Hochschulen zur Verfügung, teilte der DAAD am Montag mit. Davon seien 27 Millionen Euro für 2016 vorgesehen.

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Der stellvertretende Vorsitzende und Hochschulexperte der Bildungsgewerkschaft GEW, Andreas Keller, sagte der dpa: „Es wird ein relevanter Anteil der Geflüchteten ein Studium aufnehmen wollen - darauf muss man sich einstellen. Daher sollte der Hochschulpakt, der wegen der hohen Studierendenzahlen schon jetzt nicht ausreicht und unterfinanziert ist, überprüft und ausgebaut werden.“ Die große Herausforderung für die Unis bestehe darin, „dass sie internationaler werden und sich stärker auf Diversität ausrichten“, sagte Keller. „Da wird es größeren Betreuungsaufwand und Fortbildungsbedarf geben. Dabei müssen die Hochschulen von den Ländern unterstützt werden.“

Die Kultusminister der 16 Bundesländer hatten sich Anfang Dezember zunächst auf „Leitplanken“ für den Umgang mit Flüchtlingen verständigt, die ohne ausreichende Dokumente in Deutschland studieren wollen. Für solche Fälle soll es „ein dreistufiges Verfahren zur Studierfähigkeit“ geben, Details der Umsetzung bleiben den einzelnen Ländern und den Hochschulen vorbehalten. Für Flüchtlinge mit Studierwunsch soll es Ansprechpartner an Hochschulstandorten geben.

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