Forschung: Dritte Runde der Hochschul-Exzellenzinitiative

Forschung: Dritte Runde der Hochschul-Exzellenzinitiative

von Max Haerder

Die milliardenschwere Exzellenzinitiative wälzt die deutschen Hochschulen tief greifend um. Die Gründung von Bundesuniversitäten ist nur noch eine Frage der Zeit.

Klassengesellschaft

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Studenten an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen verfolgen eine Vorlesung im Fach Maschinenbau

Aufmerksame Studenten finden im Foyer der Berliner Humboldt-Universität eine der berühmtesten Sentenzen von Karl Marx. Die Welt, prangt dort am Treppenaufgang in güldenen Lettern auf marmornem Grund, sei verschiedentlich interpretiert worden, nun komme es darauf an, sie zu verändern.

Wenig zu interpretieren, dafür umso mehr zu tun gäbe es hier tatsächlich. Der Prachtbau mit der Adresse Unter den Linden welkt vor sich hin. In Hörsälen und Seminarräumen gibt es unübersehbare Platzprobleme. Wenig zu spüren von der Universität, wo einst das Lern- und Lehrmodell aus der Feder Wilhelm von Humboldts Wirklichkeit wurde, in aller Welt bewundert und nachgeahmt.

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Seit Monaten feilen und formulieren die Uni-Strategen an Anträgen, die dieser Tradition wieder alle Ehre machen sollen. Die HU bewirbt sich für den dritten und letzten Durchgang der Exzellenzinitiative. Der Marx’sche Satz kann da nur Motivation sein: In den ersten zwei Runden war die Universität zwar leidlich erfolgreich, doch versagten ihr die Gutachter den Anspruch auf den Titel Exzellenzuniversität. Das schmerzte die stolzen Humboldtianer.

Dabei sind die Diskrepanzen von Masse und Klasse, von Wille und Wirklichkeit, nicht nur in Berlin zum akademischen Alltag geworden. Notorisch unterfinanziert, ringen die meisten Universitäten immer noch mit dem Umstieg auf die Bachelor- und Master-Studiengänge. Die Verkürzung der Gymnasialzeit und das Ende der Wehrpflicht bescheren ihnen einen weiteren Segen, auf den sie gerne verzichten würden: Eine Extra-Welle von Erstsemestern wird in den kommenden Jahren Seminare und Bibliotheken fluten.

„Brain up!“

Gegen diese Mühen nehmen sich die Verheißungen aus Bonn so schön aus. Heute geben die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat bekannt, welche Hochschulen sich Hoffnungen auf rund 2,7 Milliarden Euro Exzellenzgelder machen und ihre Anträge einreichen dürfen. Noch einmal mehr als die rund 1,9 Milliarden, die Bund und Länder in den ersten beiden Runden bereits ausgeschüttet haben.

Geld, das Spuren hinterlässt: Wenn der Elitewettbewerb wie geplant 2017 endet, wird das deutsche Hochschulsystem anders aussehen. Der Wandel hat schon begonnen.

Rektoren und Kultusminister sind aus alten Gleichheitsträumen aufgewacht. Die Mär, Universitäten, ob nun in Heidelberg oder Oldenburg, seien in etwa gleich stark in Forschung und Lehre, glaubt keiner mehr. Die Länder hatten sich zuvor in einem behaglichen akademischen Nichtangriffspakt eingerichtet. Fast vergessen, wie die damalige SPD-Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn 2004 den Wettbewerb unter der befremdlichen Überschrift „Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten“ aus der Taufe gehoben hatte. Die damals angedachte Prämierung nur einer Handvoll Spitzen- oder gar Bundesuniversitäten verhinderten die Länderfürsten mit Verweis auf ihre föderale Zuständigkeit. Heraus kam die Exzellenzinitiative: Drei Viertel des Geldes stammen vom Bund – und dank drei verschiedener Förderlinien gab es auch Teilsiegchancen für fast jedes Bundesland.

Bei den Uni-Chefs wirken die Milliarden heute wie ein Jungbrunnen. „Die Hochschulen sind die gesellschaftlichen Orte, die sich in den vergangenen Jahren am schnellsten und tiefgreifendsten verändert haben“, sagt Bernd Huber, Präsident der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Zusammen mit seinem Kollegen Wolfgang Herrmann von der TU München hat er die bayrische Kapitale zum Vorzeigestandort gepäppelt. „Ich werde überall auf der Welt darauf angesprochen“, schwärmt Huber. In der nun beginnenden Schlussrunde werde man sich wieder „gegen harte Konkurrenz bewähren“.

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