Freytags-Frage: Warum sind so viele deutsche Studenten psychisch krank?

ThemaStudium

kolumneFreytags-Frage: Warum sind so viele deutsche Studenten psychisch krank?

Kolumne von Andreas Freytag

Fast ein Fünftel der deutschen Studenten sind psychisch krank, Frauen sind gefährdeter als Männer. Die Politik trägt eine Hauptschuld.

Eine Studie der Technikerkrankenkasse (TK) ist zu dem Ergebnis gelangt, dass etwa ein Fünftel, genau: 21,4 Prozent, der deutschen Studenten psychisch krank sind. Aus dieser Gruppe lässt sich wiederum etwa die Hälfte regelmäßig behandeln. Auffällig ist die Steigerung; am schnellsten zugenommen hat der Anteil der unter Depression leidenden Studenten. Die Situation verschärft sich offenbar mit dem Lebensalter der Studenten, die ab dem 27. Lebensjahr viel anfälliger für psychische Probleme als ihre Altersgenossen im Berufsleben sind. Frauen sind dabei gefährdeter als Männer.

Nun ist es nicht seriös, mittels einer Ferndiagnose die Ursachen für eine Krankheit bei unbekannten Menschen zu bestimmen. Die Studie nennt den Stress und die fehlenden Mechanismen zur Stressverarbeitung (kaum Sport, dafür viel Alkohol etc.). Dieses Verhalten ist nun nicht neu, auch früher haben nicht alle Studenten Sport getrieben, und Drogenkonsum gab es auch damals.

Anzeige

Symptome einer Depression

  • Müdigkeit

    Deutliche Geschlechtsunterschiede finden sich bei der sogenannten unipolaren Depression, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Diese Form ist gekennzeichnet durch Symptome wie verminderten Antrieb oder gesteigerte Müdigkeit, ...

  • Depressive Stimmung

    ... depressive Stimmung in einem ungewöhnlichen Ausmaß, die fast jeden Tag mindestens über zwei Wochen hinweg auftritt, ...

  • Keinerlei Freude

    ...Verlust an Interessen, keinerlei Freude mehr an Tätigkeiten, die einem früher mal Spaß und Befriedigung gebracht haben, ...

  • Selbstvertrauen

    ...Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls sowie Selbstvorwürfe und Selbstzweifel,...

  • Konzentration

    ...Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit.

    (Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Neu ist aber der große Anteil der gestressten und kranken Studenten. Vom lustigen Studentenleben scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Studenten – sofern sie tatsächlich studieren (also neudeutsch Studierende sind) – haben in der Tat ein umfassendes Programm, zumal es durch die Modularisierung der Studiengänge bedingt eine enorme Anzahl an Prüfungen je Semester gibt. Diese Prüfungen gelten für das Examen; dies ist in der Tat stressig. Dieser Tendenz zugrunde liegt übrigens die politische Entscheidung, das Diplomstudium aufzugeben und das Studium in Bachelor- und Masterprogramm zu ändern.

Als weitere Hauptgründe für den Stress werden laut der Studie die Doppelbelastung durch Studium und das Arbeiten zur Finanzierung des Studiums, finanzielle Probleme der Studenten, die Angst vor schlechten Bewertungen im Studium und die Sorge darum, später keinen Arbeitsplatz zu bekommen. Immer mehr Studenten ziehen die Notbremse: Deutschlandweit bricht mehr als jeder vierte Bachelorstudent (28 Prozent) sein Studium ab. An Universitäten sind es 33 Prozent, an Fachhochschulen 23 Prozent.

Fünf Tipps zur Stressbewältigung

  • Auch mal Nein sagen

    Sagen Sie auch mal „Nein“. Haben Sie gerade keine Kapazitäten für eine neue Aufgabe oder ein Projekt, sagen Sie frühzeitig Bescheid. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen Sie mit „Ja“ antworten müssen. Aber vielleicht hat ein Kollege gerade mehr Zeit oder die Aufgabe ist doch nicht ganz so dringend.

  • Niemand ist perfekt

    Niemand ist perfekt, stellen Sie daher keine zu hohen und unrealistischen Erwartungen an sich selbst. Damit blockieren Sie sich nur.

  • Auslöser identifizieren

    Identifizieren Sie die Auslöser. Jeder Mensch gerät durch andere Dinge unter Druck. Um einen Überblick zu behalten, hilft es, sich eine Liste mit seinen persönlichen Stressfaktoren anzulegen. Stört Sie zum Beispiel das ständige „Pling“ eingehender E-Mails, stellen Sie den Computer auf lautlos und bestimmen Sie einen festen Zeitraum, in dem Sie Mails beantworten.

  • Stress nicht unterdrücken

    Stress zu unterdrücken, ist auf lange Sicht keine Lösung. Früher oder später wird er wieder hochkommen. Um das zu vermeiden, sprechen Sie darüber mit einem Kollegen und beziehen Sie auch ihren Chef mit ein. Allein das Gefühl, aktiv etwas gegen den Stress zu tun, hilft bei der Bewältigung.

  • Sport machen

    Machen Sie Sport – Bewegung ist eine gute Methode, um Stress entgegen zu wirken. Ein kurzer Spaziergang zur Kantine oder morgens eine Station früher aussteigen, hilft Ihnen bei der Stressbewältigung. Nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug und laufen Sie zum übernächsten Drucker statt zum nächsten.

Die Frage stellt sich, ob es richtig war, die Anzahl der Studenten bzw. ihren Anteil an der jeweiligen Alterskohorte so deutlich zu erhöhen, wie es die Politik in den letzten Jahrzehnten erzwungen hat. Angeregt durch die Pisa-Vergleiche und die Diagnose (vor all dem der OECD), dass die Akademisierung in Deutschland im internationalen Vergleich viel zu niedrig ist, hat die Politik einen Prozess eingeleitet, der mehr jungen Menschen den Zugang zu den Hochschulen ermöglicht.  Viel war die Rede von Bildungsgerechtigkeit.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%