Geschlechter: Frauen studieren die falschen Fächer

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Geschlechter: Frauen studieren die falschen Fächer

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Mutterglück bedeutet für viele Frauen einen Karriereknick

Frauen werden nicht durch Diskriminierung am beruflichen Aufstieg gehindert. Verantwortlich für ihren geringen Anteil auf Führungspositionen ist unter anderem ihre Studienfachwahl, zeigt eine Untersuchung.

Die Standardrechtfertigung für die Einführung von Frauenquoten für Führungspositionen ist ihre angebliche Diskriminierung bei Aufstiegsentscheidungen. Von einer "gläsernen Decke" ist oft die Rede. Nun zeigt eine soziologische Studie in der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie", dass der seltenere Aufstieg von Hochschulabsolventinnen in Managementpositionen allein durch die geschlechtsspezifische Wahl von Studienfächern zu erklären ist - und durch die Folgen von Mutterschaft.

Der Autor, Fabian Ochsenfeld von der Universität Frankfurt, wertete darin die Erwerbs- und Lebensverläufe in den ersten zehn Jahren nach dem Examen von 4246 Männern und Frauen aus, die für den Absolventenjahrgang 1997 deutschlandweit durch die HIS GmbH erhoben wurden. Zumindest für die erste Karrierephase ist demnach die allgemein verbreitete Vorstellung falsch, wonach Frauen mindestens gleich gut wie Männer ausgebildet seien und erst durch betriebliche Diskriminierung an einer Karriere gehindert würden.

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Zehn Jahre nach dem Examen hatten 42 Prozent der Männer eine leitende Position erreicht, aber nur 23 Prozent der Frauen. Etwa ein Drittel des Unterschiedes kann durch die Tatsache erklärt werden, dass Frauen und Männer in der Tendenz unterschiedliche Fächer studieren. Während Männer in den karriereträchtigen Ingenieurswissenschaften stärker vertreten sind, studieren Frauen häufiger Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sowie Lehramtsstudiengänge, die in der freien Wirtschaft geringere Karrierechancen ermöglichen.

Kitas gegen Karriereknick

Die restlichen zwei Drittel des Geschlechterunterschieds beim Erreichen erster Managementpositionen kann man nach Ochsenfeld nahezu vollständig durch die unterschiedlichen Folgen einer Familiengründung erklären. "Unsere Resultate zeigen, dass Mutterschaft für Frauen mit einer knappen Halbierung der Wahrscheinlichkeit assoziiert ist, zehn Jahre nach dem Examen eine erste Managementposition inne zu haben", schreibt Ochsenfeld. Vaterschaft dagegen bedeutet in der Regel keinen Karriereknick. Auch bei kinderlosen Frauen ist nach Ochsenfeld kein Nachteil aufgrund des Geschlechts feststellbar.

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Ochsenfeld erklärt seine Befunde mit der Geschichte der deutschen Familienpolitik. Diese verfolgte in Westdeutschland lange Zeit das ausdrückliche Ziel, Frauen nach der Geburt eines Kindes möglichst lange vom Arbeitsmarkt fern zu halten. Anreize für eine geschlechterspezifische Aufgabenteilung - Männer machen Karriere, Frauen kümmern sich um die Familie - bestehen bis heute fort, etwa in Form des Ehegattensplittings oder der Familienversicherung. Bis heute bestehen erhebliche Ost-West-Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen. Während 2010 in den alten Ländern nur jedes vierte Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens 7 Stunden außerhalb der Familie betreut wurde, waren es in Ostdeutschland zwei von drei.
Die Studie zeigt, dass Mutterschaft und Karriere für Frauen in den neuen Ländern daher besser vereinbar sind. Im Durchschnitt arbeiten Hochschulabsolventinnen mit Kind in Ostdeutschland knapp 4 Stunden pro Woche mehr als in den alten Ländern. Und der Karriereknick infolge von Mutterschaft ist in Ostdeutschland weniger gravierend als im Westen.

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