Handwerk will "Duales Abitur": Auf dem Holzweg der Akademisierung

KommentarHandwerk will "Duales Abitur": Auf dem Holzweg der Akademisierung

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Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer.

von Ferdinand Knauß

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert ein "duales Abitur", um Gymnasiasten anzulocken. Das zeigt: Die expansive Bildungspolitik löst keine Probleme - sondern schafft sie erst.

Als ob das Kuddelmuddel des deutschen Bildungssystems nicht schon groß genug wäre. Nun fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks ein "duales Abitur". Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer stellt sich darunter anscheinend eine Fusion des Abiturs mit dem System der dualen Ausbildung in Berufsschulen und Betrieben vor. Warum will er das?

Weil dem Handwerk die jungen Leute ausgehen. Doch warum tun sie das?

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Wollseifers Vorstoß macht deutlich, was in der deutschen Bildungspolitik grundlegend schief läuft. Jetzt werden die fatalen Folgen offenbar, die die blindwütige Akademisierungspolitik zeitigt.

Den gut ausgebildeten Nachwuchs, den deutsche Betriebe brauchen, lieferten bisher die Berufsschulen. Dort lernen Jugendliche mit Haupt- oder Realschulabschluss das, was sie im Arbeitsleben wissen und können müssen.

Doch nun durchlaufen nicht mehr genug Schüler dieses Ausbildungssystem, das im Rest der Welt als Schlüssel für Deutschlands Erfolg erkannt und daher fleißig kopiert wird. Die machen nämlich mittlerweile zum großen Teil Abitur und strömen dann an die Hochschulen. Mittlerweile gibt es fast so viele Studien- wie Ausbildungsanfänger.

Können Sie diese PISA-Aufgaben lösen?

  • Mathe-Frage

    An Manuelas Schule führt der Physiklehrer Tests durch, bei denen 100 Punkte zu erreichen sind. Manuela hat bei ihren ersten vier Physiktests durchschnittlich 60 Punkte erreicht. Beim fünften Test erreichte sie 80 Punkte. Was ist Manuelas Punktedurchschnitt in Physik nach allen fünf Tests?

    a) 64 Punkte
    b) 72 Punkte
    c) 68 Punkte

  • Würfel-Frage

    Fünf Seiten eines Würfels von drei Zentimetern Kantenlänge werden rot angestrichen, die sechste Fläche bleibt ohne Anstrich. Wie viel Prozent der Würfeloberfläche sind rot?

    a) Etwa 60 Prozent
    b) Etwa 83 Prozent

  • Geographie-Frage

    Wie tief ist der Tschadsee heute?

    a) Etwa 15 Meter
    b) Etwa fünfzig Meter
    c) Etwa zwei Meter

  • Gewicht-Frage

    Wie verändert sich das Gewicht auf der Waage wenn man beim Wiegen schwungvoll in die Knie geht?

    a) Es ändert sich gar nichts an der Gewichtsangabe
    b) Das Gewicht wird für diesen Moment höher angezeigt
    c) Das Gewicht wird kurzzeitig geringer angezeigt

  • Grand-Canyon-Frage

    Die Temperatur im Grand Canyon reicht von unter 0 Grad bis über 40 Grad. Obwohl es sich um eine Wüstengegend handelt, gibt es in einigen Felsspalten Wasser. Wie beschleunigen diese Temperaturschwankungen und das Wasser in den Felsspalten die Zersetzung des Gesteins?

    a) Gefrierendes Wasser dehnt sich in Felsspalten aus
    b) Gefrierendes Wasser löst warmes Gestein auf
    c) Wasser kittet Gestein zusammen

  • UV-Frage

    Wie wirkt es sich aus, wenn Sie eine dunkle Sonnenbrille ohne UV-Schutz tragen?

    a) Es gelangen mehr UV-Strahlen ins Auge als ohne Brille.
    b) Es gelangen weniger UV-Strahlen ins Auge als ohne Brille.
    c) Es gelangen genau so viele UV-Strahlen ins Auge wie ohne Brille.

  • Das sind die richtigen Antworten

    Frage 1: a

    Frage 2: b

    Frage 3: c

    Frage 4: c

    Frage 5: a

    Frage 6: a

Die Schulpolitik der vergangenen Jahrzehnte hat den alten Auftrag der Gymnasien – Vorbereitung auf Wissenschaft -  aufgeweicht zu Gunsten des Ziels des Erwerbs von "Kompetenzen" im Dienste der "Employability". Das propagandistische Dauerfeuer der PISA-Macher in der OECD und der Bertelsmann-Stiftung tat zusätzlich seine Wirkung, indem es das beschäftigungspolitische Himmelreich durch Massenakademisierung versprach. Und gleichzeitig entwertete diese Akademisierungspolitik mehr oder weniger absichtsvoll die nichtakademischen Zweige des Bildungssystems stillschweigend.

Die Umsetzung entpuppte sich als ausgesprochen unkompliziert: Man musste nur dafür sorgen, dass die Anforderungen für die Hochschulreife sinken - und den Niveauverlust durch pädagogische Vokabeln wie "individuelle Förderung" und sozialpolitische Romantik ("Kein Kind darf zurückbleiben") vernebeln.

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass mittlerweile rund die Hälfte eines Geburtsjahrgangs die angebliche "allgemeine Hochschulreife" erreicht, und da diese jungen Menschen von allen Seiten zu hören bekommen, dass ein Studium der Weg zu einem sicheren gut bezahlten Beruf sei, ist es auch kein Wunder, dass die meisten diesen Weg einschlagen.

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