Hochschul-Studie: Forscher attackieren Universitäten

Hochschul-Studie: Forscher attackieren Universitäten

von Daniel Rettig

Ein Studium verschafft Absolventen die Eintrittskarte ins Berufsleben. Aber profitieren sie von der Uni auch intellektuell? Zwei Professoren meinen: nein.

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Eine Studentin lernt in einer Bibliothek an der Humboldt-Universität in Berlin

2011 erwarten die deutschen Hochschulen einen wahren Ansturm. Bereits im vergangenen Jahr vermeldeten die Universitäten 442.600 Erstsemester – diese Zahl dürfte sich in diesem Jahr noch deutlich erhöhen. Dafür verantwortlich sind vor allem die Abschaffung der Wehrpflicht sowie die doppelten Abiturjahrgänge.

Aber was bringt ein Studium den Absolventen – außer der Eintrittskarte ins Berufsleben. Profitieren Sie auch intellektuell vom Besuch einer Hochschule? Zwei US-Professoren meinen: Nein. Für ihr neues Buch, das gestern vom englischsprachigen Blog Free exchange vorgestellt wurde, verfolgten die beiden Soziologen Richard Arum von der New York Universität und Josipa Roksa von der Universität von Virginia über mehrere Jahre hinweg die Entwicklung von 2300 Studenten an insgesamt 24 Hochschulen.

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Grundlage der Auswertung war ein Test namens Collegiate Learning Assessment (CLA). Dabei müssen die Teilnehmer verschiedene Aufgaben lösen, unter anderem werden dabei ihr logisches Denken, ihre Problemlösefähigkeit und ihr Sprachverständnis getestet.

Nun könnte man erwarten, dass die Ausbildung an der Hochschule dazu beitrug, all diese geistigen Kompetenzen zu verbessern. Von wegen.

Innerhalb der ersten zwei Jahre an der Uni zeigten 45 Prozent der Studenten überhaupt keine Verbesserungen beim CLA. Selbst nach vier Jahren schlugen sich 36 Prozent der Studenten immer noch nicht besser. Mehr noch: Diejenigen, die sich im Laufe der Jahre verbesserten, zeigten allenfalls marginale Steigerungen.

Zu den Gewinnern der Studie zählen die Geisteswissenschaftler. Sie profitierten vom Studium offenbar überdurchschnittlich und konnten sich in allen Testbereichen verbessern. Angehende Ökonomen schnitten im Laufe der Jahre jedoch nicht besser ab.

Natürlich lässt sich die Herangehensweise der Wissenschaftler leicht kritisieren. Hochschulen werden einwenden, dass sie in erster Linie für die Vermittlung von Fachwissen zuständig sind – und das stimmt auch. Einerseits.

Andererseits sollte es nämlich im Interesse der Universitäten liegen, intellektuell fähige Absolventen ins Arbeitsleben zu entlassen. Dort zählt nämlich selten das Wissen, welches man im Studium erworben hat – sondern vor allem logisches Denken.

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