Hochschulabschlüsse: Warum das Studium an Wert verliert

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Hochschulabschlüsse: Warum das Studium an Wert verliert

von Ferdinand Knauß

Ein Akademiker zu sein, ist heute nichts besonderes mehr - das war mal anders. Doch die Abschlüsse werden immer bedeutungsloser - und zwingen zu außeruniversitären Zusatzqualifikationen.

Was ist die Universität? Eine aktuelle, halbwegs konsensfähige Antwort würde heute vermutlich so ähnlich lauten: eine Einrichtung, an der junge Menschen die entscheidende Qualifikation für höhere berufliche Positionen als Fach- oder Führungskräfte erwerben.  

Abiturienten wählen heute ihr Studienfach und die Hochschule meist in einer Abwägung aus räumlicher Nähe und gewünschter beruflicher Zukunft, die der Studiengang verheißt. Zur Orientierung dienen Hochschulrankings wie das der WirtschaftsWoche. Möglichst früh versucht man dann, in den Semesterferien aussichtsreiche Praktika zu absolvieren, um die nötigen Erfahrungen und vor allem Kontakte für das bevorstehende Berufsleben zu gewinnen.

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Das Studium ist also ein Mittel zum beruflichen Zweck, der außerhalb der Universitäten liegt. Die Hochschulen selbst werben heute meist mit den angeblichen Karriereaussichten um Studenten: "Abi. Studium. Karriere" steht beispielsweise auf Plakaten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Und beim Gang über den Campus fallen nicht, wie noch vor einigen Jahren, linksradikale Aufrufe auf, sondern Ankündigungen von Job-Messen. Die Agentur "Deutsche Hochschulwerbung" macht es möglich.   

Die Universität von heute soll, da sind sich Bildungspolitiker und Hochschulmanager weitgehend einig, vor allem Employability verschaffen: die Fähigkeit, am Arbeits- und Berufsleben erfolgreich teilzunehmen.  

Kein unehrenhaftes Ziel. Aber wenn es das einzige ist, so bedeutet das doch einen Bruch mit der fast 800-jährigen Tradition der europäischen Universität und dem dazugehörigen Ideal. Wilhelm von Humboldt definierte Bildung als "die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen".

Spricht man mit alten Menschen der Erlebnisgeneration, die aus Krieg und Gefangenschaft kamen und im Hungerwinter 1946/47 in den ungeheizten Hörsälen der gerade wieder eröffneten Unis saßen, hört man selten von Praktika und Bewerbungschancen. Die rund acht Prozent Abiturienten dieser Jahrgänge studierten in einer Zeit größter ökonomischer Unsicherheit und materieller Entbehrungen. Doch an den Universitäten gab es keine "Career Services", keine Job-Messen und keinen Recruiting-Tag.

Diese Männer und Frauen der vom Soziologen Helmut Schelsky so genannten "skeptischen Generation" (geboren 1910-26) waren hungrig nach Bildung – obwohl sie selten genug zu essen hatten. Zu diesen durch den Krieg erwachsen gewordenen Ex-Landsern und Trümmerfrauen, die sich selbst später oft "45er" nannten, gehörte Schelsky selbst. Und ein großer Teil der unsterblichen Namen, die in politischen Sonntagsreden und Tagungen auch heute noch fleißig zitiert werden: Niklas Luhmann, Reinhart Koselleck, Margarete Mitscherlich.

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