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Hochschulbudgets: Schuldenkrise bedroht die Unis

von Kerstin Dämon

Europa spaltet sich in mehr als einer Hinsicht: Gerade wirtschaftlich schwache Länder sparen an der Bildung. Dabei ist die der Schlüssel, um die Krise zu überwinden.

RWTH Aachen

Aachen liegt in allen technischen Disziplinen vorne. Das ist auch der Anspruch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative.

Exzellenz bescheinigt die WirtschaftsWoche der RWTH auch in ihrem Uni-Ranking: Sie belegt den ersten Platz in Naturwissenshaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Bei Informatik steht Aachen auf dem zweiten Platz

Bild: dapd

Der Europäische Hochschulverband (EUA) ist besorgt: Die europäische Schuldenkrise lässt nicht nur die Märkte verrückt spielen, sie hat auch einen starken Einfluss auf die Bildung in den EU-Staaten. Gerade Länder mit einem schlechten Rating kürzen bei Forschung und Lehre. "Bei der Finanzierung kann es zu tiefen Spaltungen zwischen den europäischen Ländern kommen", warnte EUA Präsidentin Professor Helena Nazaré.

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Länder mit negativem Rating streichen Hochschulen die Mittel

Der Verband beobachtet die Entwicklung der Hochschulbudgets in Europa seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. Und die Ergebnisse des „EUA Public Funding Observatory“ zeigen einen beunruhigenden Trend: Bis auf wenige Ausnahmen ist die Hochschulfinanzierung in vielen ost- und südeuropäischen Ländern stärker von der Krise beeinträchtigt als in den meisten Ländern Nord- und Westeuropas. Besonders die Länder, die ohnehin schon weniger Geld in die Bildung investieren als ihre Nachbarn, kürzen seit 2008 massiv.

Welche Länder das Budget kürzen

  • Einschnitte von mehr als 10 Prozent

    In folgenden Ländern haben die Universitäten mehr als zehn Prozent weniger in der Kasse als noch vor einem oder zwei Jahren: Griechenland, Irland, Island, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Portugal, Spanien, Ungarn und Tschechei.

  • Einschnitte bis zu 10 Prozent

    Die Hochschulen in Estland und Kroatien haben derzeit mit Etatkürzungen von bis zu zehn Prozent zu kämpfen.

  • Stabiles Budget

    In Belgien und Finnland gibt es seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 nur minimale Veränderungen des Budgets für die Hochschulen.

  • Förderung erhöht

    Einige EU-Staaten haben die Zuschüsse für Forschung und Lehre erhöht. Allerdings sind die Erhöhungen mitunter marginal und werden direkt von der Inflation geschluckt. Die Staaten, die mehr investieren sind Dänemark, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, die Schweiz und die Slowakei.

Bildung ist Zukunft, kein Kostenaufwand

Das sei aber auch für Länder wie Deutschland oder Schweden, deren Universitäten es vergleichsweise gut geht, kein Grund zum Aufatmen. Von den Sparmaßnahmen sei kein System komplett verschont geblieben. "Auch Länder ohne oder mit nur geringen Kürzungen stehen zunehmend unter Druck", heißt es seitens des EUA. So stieg zwar die Zahl der Studierenden an, die Zahl der Dozenten und Unimitarbeiter aber stagniere oder sinke und es werde immer schwieriger, neue Investoren aufzutreiben. Deshalb dürfe die aktuelle Krise nicht die gesellschaftlichen Herausforderungen in den Hintergrund drängen, sagt Nazaré. Bildung sei der Schlüssel, um die Krise zu überwinden. "Deshalb geht es um eine sinnvolle Investition, nicht um bloßen Kostenaufwand", bekräftigt Nazaré.

Aufsteiger:

Uni Bamberg

Die Bamberger Otto-Friedrich-Universität konnte in den Wirtschaftswissenschaften aufholen. Belegte sie 2011 etwa bei BWL noch Platz 28 hat sie sich dieses Jahr auf Platz 20 vorgearbeitet. Bei VWL sind die Bamberger um fünf  Plätze auf Platz 11 vormarschiert.

Bild: gms

Die Entwicklung, so die EUA, birgt mehrere Risiken: Die Lehre wird schlechter, die Unternehmen bekommen also weniger gut ausgebildete Kräfte. Außerdem besteht "die Gefahr der Abwanderung von talentierten Wissenschaftlern aus den am stärksten von der Krise betroffenen Ländern", sagt Nazaré. Gehen die klugen Köpfe weg, bekommen die Universitäten auch weniger Geld von den europäischen Finanzierungsprogrammen. Und die sind nach Erkenntnissen des Hochschulverbandes eine sehr wichtige Einnahmequelle für die europäischen Unis.

Keine Förderung bei Brain drain

Die Programme brauchen allerdings häufig Kofinanzierungen: Das heißt, dass die EU nur einen Teil zuschießt, den Rest müssen die Universitäten aus ihrem Budget beisteuern. Entweder durch Förderungen von Unternehmen oder durch Staatsgelder. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Wenn die Lehre leidet und es zum sogenannten Brain drain, also dem Abwandern kluger Köpfe in andere, besser gestellte Länder kommt, gibt nicht nur die EU weniger Geld, auch die Unternehmen sind weniger spendabel.

Fachkräftemangel durch geringe Förderung

Und die massiven Budgetkürzungen auf nationaler Ebene machen es den Universitäten zusätzlich schwer, die Finanzierung zu gewährleisten. "So geraten Universitäten besonders in finanzschwächeren Ländern zunehmend in einen Teufelskreis", sagt Nazaré. All das befeuert den Fachkräftemangel und verringert damit die Chance der Länder, sich schnell selbst aus dem Schuldensumpf zu ziehen.

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Elektrotechnik

"Die Lage am Arbeitsmarkt ist weiterhin gut, viele Betriebe wollen ihr Personal aufstocken", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Das Problem: Das Fehlen von Fachkräften.

Und das betrifft immer mehr Branchen. 35 Prozent der vom DIHK befragten 25.000 Unternehmer haben Sorge, dass ihnen der Fachkräftemangel binnen zwölf Monaten das Geschäft vermiest. Bei den Elektrotechnikern fürchten 36 Prozent, dass sie keine geeigneten Leute finden. Heißt: Hier ist jede dritte Stelle frei

Bild: dpa

Folgt man der Theorie des Hochschulverbandes gibt es außer Griechenland und Spanien noch sechs weitere EU-Staaten, die künftig nicht genügen gut ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung haben. So hat beispielsweise Lettland in den Jahren zwischen 2008 und 2010 die Fördergelder um 57 Prozent eingedampft. Mittlerweile ist der Abwärtstrend gestoppt, das Budget stabilisiert sich - das Vorkrisenniveau ist jedoch noch lange nicht erreicht. Litauen dagegen hat allein im Jahr 2012 das Hochschulbudget um 26.02 Prozent eingedampft und die Portugiesen sparen schon seit 2011 an ihren Unis: In diesem Jahr haben sie - verglichen mit 2011 - bereits 22 Prozent weniger Geld für die Lehre ausgegeben. Die Niederlande geben zwar relativ viel für die Hochschulbildung aus, aber auch dort leider die Unis unter andauernden Etatkürzungen zwischen fünf und zehn Prozent

Kroatien hatte sein Budget nach fünfprozentigen Einschnitten in der Zeit zwischen 2008 und 2010 zunächst stabilisiert. Im Jahr 2012 mussten die Hochschulen dann erneut Kürzungen in Höhe von fünf Prozent hinnehmen. Bislang sind aber keine weiteren Einschnitte geplant.

Marginale Erhöhungen mit geringer Wirkung

Estland dagegen scheint sich ein wenig zu erholen. Nachdem die Unis in den vergangenen Jahren deutlich weniger Geld vom Staat bekamen, hat sich das Budget stabilisiert und im Jahr 2012 sogar leicht erhöht. Allerdings bekommen die Hochschulen immer noch nicht das gleiche Geld wie vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008. In Belgien sind die Veränderungen des Hochschulbudgets dagegen eher gering - genauso wie die Anpassung der Gelder an die Inflation. Ganz ähnlich sieht es auch in Finnland aus, geringfügige Erhöhungen werden von der Inflation aufgefressen. Vergleiche zwischen der Höhe der Bezüge jetzt und direkt nach Ausbruch der Finanzkrise in 2008 gestalten sich jedoch schwierig, da das finnische Hochschulsystem erst 2010 komplett reformiert wurde.

Auch in Polen frisst die Inflation die Budgeterhöhungen auf. In der Slowakei gab es im vergangenen Jahr noch drastische Einschnitte bei den Ausgaben, jedoch sind sowohl in Polen als auch der Slowakei in absehbarer Zeit positive Entwicklungen zu erwarten.

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Uni Frankfurt am Main - Martin Blessing: Sein Vater war Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, sein Opa Bundesbank-Präsident. Der Commerzbank-Chef studierte an der Uni Frankfurt BWL.

Zu weiteren Absolventen der Uni Frankfurt am Main gehören Jürgen Götz, Fresenius; Wolfgang Hartmann, Commerzbank; Michael Kuhn, Deutsche Börse; Stefan Lauer, Lufthansa; Thomas Quaas, Beiersdorf; Hermann Requardt, Siemens.

Bild: dpa

In Österreich und Deutschland sollen die Universitäten in den nächsten Jahren mehr Geld zur Verfügung gestellt bekommen. In Deutschland handelt es sich hierbei allerdings mehr um eine wettbewerbsorientierte Förderungsstruktur. Österreich dagegen will zwischen 2013 und 2015 rund eine Milliarde Euro in die Hochschulbildung investieren. Frankreich hat seinen Unis zwischen 2007 und 2010 im Zuge einer Hochschulreform mehr Geld zur Verfügung gestellt, das meiste davon waren allerdings Stiftungsgelder. Auch Dänemark und Schweden haben ihre Budgets teilweise aufgestockt, sie aber sehr unterschiedlich auf Personal, Forschung, Lehre und universitärer Infrastruktur verteilt.

Keine Förderung pro Student

Das Kuriose: Je mehr Studenten es in einem Land gibt, desto eher wird die Lehre gefördert. Eine tatsächliche Förderung pro Student gibt es allerdings nur sehr selten. Universitäten mit sehr vielen Studenten haben deshalb nicht zwangsläufig mehr Geld für Professoren und Gastdozenten zur Verfügung als kleinere Hochschulen. Die Länder, die den Universitäten einen festen Betrag pro Student zuweisen, verändern die Höhe der Pro-Kopf-Pauschale in der Regel nicht. Wenn doch, dann wurde gekürzt, so der EUA.

Mehr Studenten, weniger Dozenten

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Und je mehr gekürzt wird, desto weniger Lehrpersonal gibt es. Einschnitte im Budget führen hauptsächlich zu einem Einstellungsstopp, Gehaltskürzungen, geringeren Forschungsetats und Einsparungen beim Ausbau oder nötigen Sanierungen der Universitäten. Beispielsweise in Spanien führen die Kürzungen dazu, dass keine neuen Mitarbeiter eingestellt werden - darunter leiden sowohl Lehre als auch Forschung: Die einzelnen Dozenten müssen mehr arbeiten, die Hörsäle platzen aus allen Nähten. Des Weiteren wird wegen des Personalmangels an Sprechstunden und der Verfügbarkeit von Unibibliotheken und Computerräumen gespart. Außerdem wird - nicht nur in Spanien - die Zahl der Studiengänge reduziert. Dass die Studenten flüchten, sollte da nicht weiter verwundern.

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