Hochschulen: Exzellenzinitiative steht auf der Kippe

Hochschulen: Exzellenzinitiative steht auf der Kippe

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Student in einem Labor der Technischen Universität in München

Die Fortsetzung der Exzellenzinitiative steht auf der Kippe, denn die Politik streitet ums Geld. Die Universitäten brauchen aber eine schnelle Lösung.

V, Y2, CCB, NMR – der Aufbruch an der Universität Konstanz trägt seltsame Namen. Doch hinter den Kürzeln verbirgt sich der ganze Stolz der Hochschule, ihr Ehrgeiz und ihre Zukunft: Der verwinkelte Sechzigerjahre-Campus, eine eigentümliche Mischung aus funktionaler Nüchternheit und Hundertwasser-Optik, wächst. Die neuen Gebäude V, Y2, CCB und NMR sollen den Spitzenforschern und ihren Laboren endlich mehr Platz verschaffen. Seit 2007 ist die Uni, was Kritiker abfällig und Befürworter euphorisch „Elite“ nennen: Gewinnerin der Exzellenzinitiative der Bundesregierung – und darf deswegen in einem Zeitraum von fünf Jahren rund 110 Millionen Euro zusätzlich investieren.

Knapp zwei Milliarden Euro insgesamt schütten Bund und Länder seit 2006 aus, um die Forschung in Deutschland auf Weltniveau zu heben. Den Nutzen haben insgesamt 37 Hochschulen, neun von ihnen führen seitdem offiziell den Titel Exzellenz-Universität. Nahezu jeder im Wissenschaftsbetrieb lobt, der Wettbewerb habe Dynamik und die Aufbruchstimmung gebracht. „Wir wollen die Exzellenzinitiative fortschreiben“, sagt deshalb Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU).

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Eigentlich war sie sich da auch mit ihren Länderkollegen einig. Eigentlich. Denn die Wissenschaftsminister aus Bund und Ländern können sich bislang nicht auf eine Fortsetzung einigen. Die ursprüngliche Begeisterung für den Ausbau des Forschungsstandorts Deutschland hat sich gelegt. Statt- dessen gibt es Streit um viele offene Fragen, von der Finanzierung und Personalrekrutierung bis hin zu Besoldung und Lehre.

Den Universitäten dürfte die unklare politische Perspektive kaum gefallen. Sie haben schon genug mit sich selbst zu tun. Ein Gutachten offenbarte im Dezember, dass anderthalb Jahre nach Beginn der ersten Projekte erst 40 Prozent der geplanten Stellen besetzt worden waren. Der Grund: Eine „nicht überzeugende Bewerberlage“. Die exzellenten Köpfe waren nicht zu finden – oder hatten sich gar nicht erst beworben.

Mittlerweile sieht die Lage zwar besser aus. Aber „internationale Stars zu gewinnen ist schwierig“, sagt Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat. Ein Problem ist das deutsche Besoldungsrecht. Viele deutsche Hochschulen klagen, die Tarifstruktur für Wissenschaftler sei zu unflexibel und international nicht konkurrenzfähig. Die W-Besoldung für Professoren bedeute „W wie wenig“, spottet etwa Axel Meyer, Biologe an der Universität Konstanz. Knapp 4700 Euro im Monat ohne Zulage — amerikanische Kollegen verdienen häufig mehr als das Doppelte.

Studenten profitieren kaum

Ein weiteres Defizit der bisherigen Exzellenz-Anstrengungen: Die Studenten profitieren kaum vom Geldsegen. Weder ist klar, ob und wie sich die im Rahmen der Exzellenzinitiative angeworbenen Wissenschaftler neben der Forschung auch der Lehre widmen sollen, noch konnten sich Unis mit innovativen Konzepten für guten Unterricht profilieren. Bislang zumindest. Dabei seien doch gerade Lehre und Ausbildung „nationale Aufgaben“, klagt der Präsident der TU München, Wolfgang Herrmann.

Darüber hinaus geht der Streit aber auch ums Geld. Sollten alle bislang ins Leben gerufenen Projekte über 2011 hinaus bestehen bleiben, bräuchte die zweite Exzellenzrunde deutlich mehr finanzielle Mittel. Nur dann hätten auch neue Vorhaben eine Chance. Die federführenden Institutionen, Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft, fordern deshalb eine Aufstockung der Mittel um 30 Prozent; die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) will sogar 50 Prozent mehr.

Viel Zeit zum Schlichten bleibt nicht. Soll die zweite Runde wirklich im Sommer 2010 starten, muss bald Planungssicherheit her. „Inakzeptabel“ sei der politische Streit, sagt Margret Wintermantel, Präsidentin der HRK. Für die am Mittwoch erneut tagenden Wissenschaftsminister hat sie eine klare Botschaft: „Es wäre klug, jetzt ein Zeichen für die Unis zu setzen.“

Ausländische Beobachter wie etwa der emeritierte Stanford-Professor Hans Weiler betrachten die deutschen Bemühungen ohnehin mit einiger Skepsis. Alleine seine Universität will in den kommenden Jahren mehr als vier Milliarden Euro einwerben – und zwar aus Spenden. Dagegen sähen selbst „zwei oder drei Exzellenzinitiativen sehr bescheiden aus“.

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