Hochschulen: Noch weniger Betreuung für Studentenflut

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Hochschulen: Noch weniger Betreuung für Studentenflut

von Kristin Schmidt

Noch nie gab es in Deutschland so viele Studenten wie heute. Doch das ist nicht nur eine erfreuliche Meldung. Denn es gibt auch viele Probleme.

Heute hat das Statistische Bundesamt die neusten Zahlen zur deutschen Hochschullandschaft präsentiert. Zentrales Ergebnis: Noch nie studierten so viele Menschen wie heute. 2011 waren es 2,4 Millionen. Das sind 27 Prozent mehr als noch 2001. Dieses Jahr sind es nach vorläufigen Zahlen sogar 2,5 Millionen Studenten.

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Vor allem die hohe Zahl an Erstsemestern in den Jahren 2012 und 2011 sind ausschlaggebend für den Rekord. Im Studienjahr 2011 begannen 518.700 junge Menschen mit einem Studium, so viele wie nie zuvor. „Ursache für die hohe Zahl waren die Doppelabiturjahrgänge in Bayern und in Niedersachsen aufgrund der Umstellung auf G8 und die Aussetzung der Wehrpflicht“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes Roderich Egeler auf der Pressekonferenz in Berlin.

Wer geht wohin?

  • Beliebtestes Zielland

    Am liebsten gehen die Studenten nach Spanien. „Da spielt sicher auch der Sunshine-Faktor eine Rolle“, sagt Wuttig. Die Austauschplätze in Madrid & Co. sind allerdings begrenzt: Jedes Land soll ungefähr so viele Studenten in ein anderes Land entsenden, wie es von dort empfängt.

  • Reisefreudige Fachrichtungen

    Sozial- und Geisteswissenschaftler packt das akademische Fernweh häufiger als Naturwissenschaftler. Der Prototyp des deutschen Erasmus-Teilnehmers studiert Wirtschaftswissenschaften.

  • Zielland Deutschland

    Obwohl nicht im sonnigen Süden gelegen, ist Deutschland in Europa Empfängerland Nummer drei.

  • Entwicklung der Teilnehmerzahlen

    In der Umstellungsphase auf Bachelor- und Masterstudiengänge sind die Teilnehmerzahlen zeitweise leicht eingebrochen, haben sich aber wieder erholt. Tendenz: Steigend. Allerdings habe sich die Dauer der Aufenthalte verkürzt. „Seit der Einführung von Bachelor und Master schauen die Studenten mehr darauf, ob ein Auslandsaufenthalt ins Studium integrierbar ist“, sagt Christiane Biehl von der Uni Köln. Der Freiraum, im Ausland auch einmal in andere Disziplinen hineinzuschnuppern, sei geschwunden.

Auch bei der Jahrespressekonferenz des Deutsche Studentenwerks freute man sich über den Rekord an Studierenden, verband damit aber sogleich Forderungen an die Politik. „Weniger erfreulich ist, dass Bund und Länder bisher für die soziale Infrastruktur des Studiums, also all das, was die Studentenwerke leisten, keinen Cent zusätzliche Mittel bereitgestellt haben“, sagte Dieter Timmermann, Präsident des Deutschen Studentenwerks. Wer die Studienplatzkapazitäten ausbaue, müsse auch die Versorgung mit Wohnraum, Essen, Beratung und Kinderbetreuung ausbauen. Timmermann forderte 25.000 zusätzliche Wohnheimplätze, die Bund und Länder mit 660 Millionen fördern sollten, außerdem 200 Millionen für den Ausbau von Mensen, Bistros und Cafeterien an deutschen Hochschulen.

Des Weiteren stellte das Deutsche Studentenwerk einen Zehnpunkteplan zur Veränderung des Bafögs vor. Unteranderem wurde die Streichung der Altersgrenze und eine Förderung für Teilzeit- und duale Studiengänge gefordert. 

Tipps für Studienplatzbewerber

  • Früh informieren

    Abiturienten, die örtlich oder deutschlandweit zulassungsbeschränkte Fächer studieren wollen, sollten sich schon vor der Bewerbung bei der Hochschule oder der Stiftung Hochschulzulassung (hochschulstart.de) über die Chancen einer Kapazitätsklage informieren.

  • Fristen

    Die Widerrufsfrist auf dem Ablehnungsbescheid von Hochschulstart ist nicht maßgeblich für eine Kapazitätsklage. Hier gelten eigene Fristen, die sich je nach Bundesland und Fach unterscheiden und sich oft ändern.

  • Widerspruch

    Ein "regulärer" Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid von Hochschulstart hat sehr viel geringere Aussichten als Kapazitätsklagen. Denn beim Widerspruch geht es nur um die gemeldeten Studienplätze. Eine Kapazitätsklage versucht, zusätzliche Plätze ausfindig zu machen.

Nur 60 Prozent schaffen das Studium in Regelzeit

Ginge es nach dem Deutschen Studentenwerk, würde die Regelstudienzeit für Bachelor und Master nicht länger auf zehn Semester begrenzt sein. Grund der Forderung: 2010 schafften es nur 60 Prozent der Bachelor-Absolventen, ihren Abschluss in der Regelstudienzeit zu machen.

2011 waren es sogar nur 53 Prozent, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Bei den Masterstudenten schafften weniger als die Hälfte ihren Abschluss in der vorgegebenen Zeit.

Außerdem stellte das Bundesamt fest, dass sich die Betreuungssituation zwischen Studenten und Lehrkraft in den vergangenen Jahren leicht verschlechtert hat. Während 2008 auf eine Lehrkraft 15,2 Studenten kamen, sind es heute 15,9 Studenten, obwohl der Wissenschaftsrat im Zuge der Bologna-Reform empfohlen hatte, das Betreuungsverhältnis zu verbessern. Zwar ist die Zahl des wissenschaftlichen Personals seit 2001 um etwa 50 Prozent gestiegen. Den Großteil stellen dabei aber Personen, die im Nebenberuf an den Hochschulen tätig sind, wie Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Hilfskräfte. Die Zahl der Professoren ist mit 14 Prozent am wenigsten gestiegen.

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