Hochschulen: Warum Dax-Chefs keinen Nebenjob als Uni-Manager machen sollten

Hochschulen: Warum Dax-Chefs keinen Nebenjob als Uni-Manager machen sollten

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Goethe-Universität in Frankfurt am Main

von Max Haerder

Deutsche Unis holen sich immer mehr externe Top-Manager in Hochschulräte. Dort lenken sie nun die Geschicke mit. Bei den Vielbeschäftigten sei das jedoch kaum sinnvoll, sagt ein prominenter Rat.

Rolf-E. Breuer hat ein bewegtes Wirtschaftsleben hinter sich. Fast zwei Jahrzehnte, darunter sechs als Vorsitzender, steuerte er als Deutsche-Bank-Vorstand die Deutschland AG mit, dann zog er sich bis 2006 in den Aufsichtsrat der Bank zurück. Mittlerweile hat Breuer ein neues Betätigungsfeld: Er ist Vorsitzender des Hochschulrates der Goethe-Universität Frankfurt, und damit quasi der Aufsichtsratschef der Stiftungsuni.

Mit dem Ex-Banker ist dort unternehmerischer Geist eingezogen. Breuer und seine Ratskollegen, darunter Bundesbank-Chef Axel Weber, treffen die wichtigen Personalentscheidungen. Die Leitungsebene der Uni, vom Präsidenten bis zum Kanzler, erhielt leistungsbezogene Verträge. Das bedeutet deutlich bessere Bezahlung als die verbeamteten Kollegen, dafür muss die Leitung nun anhand von harten Kennziffern nachweisen, wie sie vorankommt: Zufriedenheit der Studenten, Abschlüsse in Regelstudienzeit, Drittmittel, Publikationserfolge der Professoren – alles zählt. „Das führt zu Belebung“, sagt Breuer sichtlich zufrieden.

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Die passt nicht allen. Vor allem Studenten und auch viele Universitätsmitarbeiter sind misstrauisch gegenüber den teils machtvollen und teils verschlossenen Räten, die seit Ende der Neunzigerjahre in allen Bundesländern (bis auf Bremen) möglich wurden. Viele fürchteten und fürchten eine Übernahme der Hochschulen durch Externe aus der Wirtschaft. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, die Heinz-Nixdorf-Stiftung und das Centrum für Hochschulentwicklung haben deshalb die erste umfassende Studie zu den Hochschulräten vorgelegt.

Ihr Fazit: Richtig ausgewählt und mit den passenden Kompetenzen, können die Ratsrunden wichtige Impulse für die eigene Alma Mater liefern.

Von Löscher bis Reithofer

Breuer jedenfalls nimmt seine Aufgabe ernst. Rund drei Monate des Jahres müsse er für sein akademisches Management einplanen. Daraus zieht Breuer eine Lehre: Wäre er selbst noch Aufsichtratschef eines Dax-Konzerns, „würde ich einem Vorstand die Mitgliedschaft in einem Hochschulrat verbieten“. Das sei schließlich nicht irgendein Ehrenamt – "da wird Zeit gefordert“.

Mit solchen Aussagen dürfte sich der Deutschbanker nicht nur Freude machen. Denn viele Hochschulen haben gerade auch prominente Wirtschaftsbosse aus der allerersten Reihe in ihre Gremien geholt: wegen des Prestiges oder auch aufgrund fachlicher Expertise. Und so dürften einige zerknirscht sein über Breuers Bekenntnisse:

Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef der Münchener Rück, sitzt im Hochschulrat der Ludwigs-Maximilians-Universität München. An der TU München wirken die Vorstandsbosse Peter Löscher (Siemens) und Norbert Reithofer (BMW). Die TU Darmstadt hat Karl-Friedrich Rausch, Vorstand der Deutschen Bahn in ihren Beraterreihen. An der Uni Stuttgart engagiert sich Daimler-Vorstand Thomas Weber. Und an der FU Berlin gibt Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, seinen Namen.

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