4. Behauptung: Dozenten schauen bewusst nicht so genau hin
Neben dem zeitlichen Aufwand haben viele Dozenten keine Lust darauf, schlechte Stimmung zu verbreiten. „In manchen Hochschulen werden Studenten schon nach einmaligem Schummeln rausgeworfen“, sagt der amerikanische Bildungsforscher Donald McCabe. „Aber dass es diese Regel gibt, bedeutet noch lange nicht, dass ihr alle Dozenten zustimmen und entsprechend handeln.“ Manche drückten lieber beide Augen zu. Auch, weil sie um das Lernklima besorgt seien. „Zu einem Schaffner, der in der Bahn überprüft, ob ich eine Fahrkarte gelöst habe, brauche ich kein Vertrauensverhältnis aufzubauen“, sagt Sebastian Sattler. Vertrauen zu einem Professor sei aber wichtig. Der beruft sich deshalb vielleicht darauf, dass seine Studenten erwachsen sind und schon wissen, was richtig und falsch ist. Oder darauf, dass ein Generalverdacht dem Wissenschaftsklima und der Stimmung im Seminar schadet. Und tut deshalb nichts.

Es greift das alte Prinzip: Wer nicht erwischt wird, hat beim nächsten Mal schummeln oder eine Arbeit als die seine auszugeben weniger Hemmungen. Warum soll man lernen, wenn man das Ganze auch stressfrei haben kann ?? Die Vorlesungen sind zu voll, die Lehrmittel veraltet und die Lehrer meist überfordert, zu alt oder machen Unterricht nach dem 0815-Prinzip. Dazu kommt, dass viele Abiturienten keinen Job finden und sich deshalb für ein Studium einschreiben oder weil es von den Eltern gewünscht wird.
Daneben gibt es noch die Party-Studenten, die auf jeder Party, aber selten in einer Vorlesung zu sehen sind, die Langzeit-Studenten, die ein Studium nach dem anderen machen und abbrechen und nicht einen Tag in ihrem Leben gearbeitet haben. Diese blockieren unnötig Plätze für die Leute, die wirklich studieren wollen.
Das Niveau des Abiturs ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Abitur und Studium sind Massenware geworden. Es ist peinlich zu sehen, dass ein Abiturient nicht einmal einen Text fehlerfrei schreiben kann, geschweige denn, sich vernünftig artikulieren. Als ich die Tage am KIK-Kleidungsdiscounter vorbei bin sah ich, dass sie eine Kassiererin suchen, aber mit Abitur als Grundvoraussetzung. Da hat man keine Fragen mehr.

Mal ganz im Ernst: Der ein oder andere Prof lässt in Klausuren lieber reproduzieren und wiederkäuen anstatt mal auf Entwicklung von Ideen zu setzen, z.B. problembezogene Business Cases von den Studenten lösen zu lassen. Solange Lehrstoff-Massenware statt Qualität gefragt ist und die Semester entsprechend dicht gepackt sind, greift der ein oder andere auch mal nach so einem Strohhalm, um die eigene Haut zu retten. Viele sind erfahrungsgemäß auch schlicht mit der Eigenorga überfordert.

Der gute Sebl Sattler war in seiner Jugend bestimmt der Schlimmste von allen. Aber jetzt mit dem Finger auf überforderte Bachelor-Studenten zeigen ;-)