Entdeckt wird fast niemand: Die Bielefelder Studie zeigt, dass 94 Prozent derjenigen, die ein Plagiat abgeben, nicht erwischt werden. Und rechtliche Konsequenzen gibt es ohnehin fast nie. Darf man das? Ist ein bisschen Schummeln in Ordnung? Oder ist jeder Spickzettel knallharter Betrug? Darüber wird angesichts dieser Studie wohl wieder gestritten werden. Aber anders als während der Guttenberg-Debatte und der Aufregung um weitere Promiplagiate gibt es diesmal detaillierte Zahlen darüber, wie es wirklich an den Unis aussieht. Zahlen, die Anlass geben, nach den Ursachen für das Schummeln zu fragen – Zahlen, mit denen sich einige gängige Behauptungen überprüfen lassen: „Copy and Paste ist der neue Zeitgeist!“ oder „In Karrierefächern wird am meisten geschummelt!“ oder „Ein Plagiat kann jedem passieren!“ – Stimmt das wirklich?

Es greift das alte Prinzip: Wer nicht erwischt wird, hat beim nächsten Mal schummeln oder eine Arbeit als die seine auszugeben weniger Hemmungen. Warum soll man lernen, wenn man das Ganze auch stressfrei haben kann ?? Die Vorlesungen sind zu voll, die Lehrmittel veraltet und die Lehrer meist überfordert, zu alt oder machen Unterricht nach dem 0815-Prinzip. Dazu kommt, dass viele Abiturienten keinen Job finden und sich deshalb für ein Studium einschreiben oder weil es von den Eltern gewünscht wird.
Daneben gibt es noch die Party-Studenten, die auf jeder Party, aber selten in einer Vorlesung zu sehen sind, die Langzeit-Studenten, die ein Studium nach dem anderen machen und abbrechen und nicht einen Tag in ihrem Leben gearbeitet haben. Diese blockieren unnötig Plätze für die Leute, die wirklich studieren wollen.
Das Niveau des Abiturs ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Abitur und Studium sind Massenware geworden. Es ist peinlich zu sehen, dass ein Abiturient nicht einmal einen Text fehlerfrei schreiben kann, geschweige denn, sich vernünftig artikulieren. Als ich die Tage am KIK-Kleidungsdiscounter vorbei bin sah ich, dass sie eine Kassiererin suchen, aber mit Abitur als Grundvoraussetzung. Da hat man keine Fragen mehr.

Mal ganz im Ernst: Der ein oder andere Prof lässt in Klausuren lieber reproduzieren und wiederkäuen anstatt mal auf Entwicklung von Ideen zu setzen, z.B. problembezogene Business Cases von den Studenten lösen zu lassen. Solange Lehrstoff-Massenware statt Qualität gefragt ist und die Semester entsprechend dicht gepackt sind, greift der ein oder andere auch mal nach so einem Strohhalm, um die eigene Haut zu retten. Viele sind erfahrungsgemäß auch schlicht mit der Eigenorga überfordert.

Der gute Sebl Sattler war in seiner Jugend bestimmt der Schlimmste von allen. Aber jetzt mit dem Finger auf überforderte Bachelor-Studenten zeigen ;-)