2. Behauptung: „Wer in Klausuren spickt, wird später zum Plagiator“
Stimmt nicht. Denn längst nicht jeder Schummler ist zu allem bereit. So hat mehr als jeder dritte Befragte zugegeben, in einer Klausur abgeschaut zu haben, plagiiert hat aber nicht mal jeder fünfte. Viele nehmen manchmal Spickzettel mit (31 Prozent), aber nur manche benutzen sie dann auch (17 Prozent). Zudem wird das Spicken, Plagiieren und Fälschen in höheren Semestern weniger: Im Schnitt wird im dritten Jahr an der Uni weniger geschummelt als im ersten und zweiten – und im vierten Jahr noch weniger. Nur falsche Atteste werden mit jedem Jahr etwas öfter benutzt. Aber: Wer keine Angst davor hat, erwischt und bestraft zu werden, schummelt häufiger. „Viele Schummler bekommen keine Credit Points, wenn sie erwischt werden, aber auch keine Strafe“, sagt Sebastian Sattler, der Leiter der Fairuse-Studie. „Das ist so, als würde man einem Bankräuber das Geld wegnehmen, das er geklaut hat, aber keine Gefängnisstrafe verhängen.“

Es greift das alte Prinzip: Wer nicht erwischt wird, hat beim nächsten Mal schummeln oder eine Arbeit als die seine auszugeben weniger Hemmungen. Warum soll man lernen, wenn man das Ganze auch stressfrei haben kann ?? Die Vorlesungen sind zu voll, die Lehrmittel veraltet und die Lehrer meist überfordert, zu alt oder machen Unterricht nach dem 0815-Prinzip. Dazu kommt, dass viele Abiturienten keinen Job finden und sich deshalb für ein Studium einschreiben oder weil es von den Eltern gewünscht wird.
Daneben gibt es noch die Party-Studenten, die auf jeder Party, aber selten in einer Vorlesung zu sehen sind, die Langzeit-Studenten, die ein Studium nach dem anderen machen und abbrechen und nicht einen Tag in ihrem Leben gearbeitet haben. Diese blockieren unnötig Plätze für die Leute, die wirklich studieren wollen.
Das Niveau des Abiturs ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. Abitur und Studium sind Massenware geworden. Es ist peinlich zu sehen, dass ein Abiturient nicht einmal einen Text fehlerfrei schreiben kann, geschweige denn, sich vernünftig artikulieren. Als ich die Tage am KIK-Kleidungsdiscounter vorbei bin sah ich, dass sie eine Kassiererin suchen, aber mit Abitur als Grundvoraussetzung. Da hat man keine Fragen mehr.

Mal ganz im Ernst: Der ein oder andere Prof lässt in Klausuren lieber reproduzieren und wiederkäuen anstatt mal auf Entwicklung von Ideen zu setzen, z.B. problembezogene Business Cases von den Studenten lösen zu lassen. Solange Lehrstoff-Massenware statt Qualität gefragt ist und die Semester entsprechend dicht gepackt sind, greift der ein oder andere auch mal nach so einem Strohhalm, um die eigene Haut zu retten. Viele sind erfahrungsgemäß auch schlicht mit der Eigenorga überfordert.

Der gute Sebl Sattler war in seiner Jugend bestimmt der Schlimmste von allen. Aber jetzt mit dem Finger auf überforderte Bachelor-Studenten zeigen ;-)