Hochschulfinanzen: Grenzen für die Drittmittelabhängigkeit

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KommentarHochschulfinanzen: Grenzen für die Drittmittelabhängigkeit

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Hörsaal der Technischen Universität (TUM) in München

von Ferdinand Knauß

Die Hochschulen geben mehr Geld aus. Keine schlechte Nachricht. Aber der besonders stark wachsende Anteil der Drittmittel sollte endlich politisch begrenzt werden.

Die Ausgaben der Hochschulen in Deutschland sind auf einen Rekordwert von 43,8 Milliarden Euro gestiegen. Sie gaben 2011 rund 6,1 Prozent mehr für Lehre, Forschung und Krankenbehandlung aus als im Jahr zuvor. Der Ausgabenzuwachs sei auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen, meldete das Statistische Bundesamt, vor allem auf die gestiegene Zahl der Studienplätze, auf die Neugründung von Hochschulen, auf Zusatzmittel aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm - und auf die Ausweitung der Drittmittelforschung.

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Die Ausgabensteigerungen konnten die Hochschulen nur zum Teil über höhere eigene Einnahmen finanzieren. Die "Einnahmen aus wirtschaftlicher Tätigkeit und Vermögen" - zu über 90 Prozent Entgelte für die Krankenbehandlung - wuchsen nur um 5,1 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro.

Überdurchschnittlich, nämlich um 7,9 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro, sind die Einnahmen von so genannten "Drittmitteln" für die Forschung gestiegen. Der wichtigste Drittmittelgeber bleibt die öffentliche Hand - über den Umweg der DFG Deutschen Forschungsgemeinschaft (2,1 Milliarden Euro) oder direkt aus der Bundeskasse (1,5 Milliarden). 1,3 Milliarden stammen von Unternehmen, der Rest von Stiftern und anderen Geldgebern.

Die wachsende Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln ist politisch gewollt. Sie verstärkt den Wettbewerbsdruck auf Hochschulleitungen und jeden einzelnen Forscher, sich um Geldquellen zu bemühen. Gerade für die klassischen, eher anwendungsfernen Disziplinen der Sozial- und Geisteswissenschaften, aber auch naturwissenschaftliche Grundlagenforschung wie zum Beispiel Astrophysik oder Evolutionsbiologie ist die Auswahl da gering. Am Ende sind sie meist auf die DFG angewiesen. Dass das Rennen um Drittmittel außerdem enormen Aufwand bedeutet, der von den eigentlichen Aufgaben in Forschung und Lehre abhält, wird von Wissenschaftlern immer mehr beklagt - und von Wissenschaftspolitikern ignoriert.

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Drittmittel - auch von Unternehmen - sind in Maßen natürlich sinnvoll. Aber sie bergen immer die Gefahr, dass die wichtigste Grundlage der Wissenschaft aufweicht: Die Freiheit der Wissenschaftler. Die Geldgeber mögen jeden Verdacht, die Freiheit ihrer Empfänger einzuschränken, von sich weisen, wie der Präsident des Stifterverbandes, Arend Oetker, im Handelsblatt. Und das wird auch durchaus ehrlich gemeint sein. Dennoch beeinflusst die Quelle der Finanzierung jeden Empfänger und noch wichtiger: die Nicht-Empfänger, die sich bemühen, bald selbst Empfänger zu werden. Die Wissenschaftspolitik wäre gut beraten, dem Anstieg der Drittmittelabhängigkeit und damit dem Einfluss wissenschaftsfremder Interessen an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen Grenzen zu setzen.

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