Hochschulförderung: Deutsche Hörsäle sollen digital werden

Hochschulförderung: Deutsche Hörsäle sollen digital werden

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Der Bund fördert künftig 20 Projekte für Digitalisierung der Hochschullehre.

Das Bundesbildungsministerium will den virtuellen Hörsaal. Der Bund will künftig 20 Leuchtturmprojekte unterstützen. Insgesamt zwölf Millionen Euro sollen in Projekte rund um die Digitalisierung der Unis fließen.

Die Bundesregierung will die Digitalisierung in der Hochschullehre vorantreiben und sogenannte Leuchtturmprojekte fördern. Dafür stehen in den nächsten drei Jahren zwölf Millionen Euro zur Verfügung, sagte die Staatssekretärin im Forschungsministerium, Cornelia Quennet-Thielen, am Montag in Berlin. 20 Einzel- und Verbundprojekte an insgesamt 39 Instituten seien ausgewählt worden, um computerunterstützte Didaktik und das Lernen mit digitalen Medien zu erproben.

Als Beispiel nannte Quennet-Thielen den Bereich Physik an der Technischen Universität Kaiserslautern - dort wird erforscht, ob die Verbindung von Vorlesungen und Videoanalyse die hohe Anzahl von Studienabbrechern verringern kann. Mathematische und naturwissenschaftliche Fächer, aber auch Lehramts- und Medizin-Studiengänge stehen im Mittelpunkt des Förderprogramms.

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Aus diesen Gründen brechen Studenten ihr MINT-Studium ab

  • Falsche Studienanreize

    Wer ein MINT-Fach nur studiert, weil die beruflichen Aussichten und das Gehalt gut sind, bricht in der Regel vorzeitig ab. Ganz ohne persönliche Neigungen und Interesse am Fach wird niemand Ingenieur oder Maschinenbauer.

     

    Quelle: „Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit“, eine bundesweite Befragung der IMPULS-Stiftung, Stiftung für den Maschinenbau, den Anlagenbau und die Informationstechnik

  • Fachliche Voraussetzungen

    Wer in der gymnasialen Oberstufe Mathe und Physik als Leistungskurs belegt und dort auch erfolgreich war, schafft das MINT-Studium in der Regel auch. Wer Physik und Chemie nach der elften Klassen abgewählt und in Mathe kaum das Klassenziel erreicht hat, bricht deutlich häufiger ab, als die Kommilitonen mit der entsprechenden mathematischen und naturwissenschaftlichen Vorbildung.

  • Zeit bis zum Beginn des Studiums

    Wer nach dem Abitur eine Ausbildung gemacht, gearbeitet, die Welt bereist oder eine Familie gegründet hat, bricht ein später begonnenes MINT-Studium eher ab, als jemand, der direkt von der Schulbank in den Hörsaal gewechselt hat. „Eine Zeitspanne zwischen Schulabschluss und Studienaufnahme, die länger als 18 Monate währt, erhöht offensichtlich das Risiko eines Studienabbruchs“, heißt es in der Studie der IMPULS-Stiftung. Bei zu langer Übergangszeit gingen zum einen wesentliche, in der Schule schon erworbene fachliche Vorkenntnisse und Fähigkeiten verloren. Zum anderen fällt es dann schwerer, wieder in einen festen Lernrhythmus zu finden.

  • Überforderung

    Die Studienanforderungen für Naturwissenschaftler und Techniker sind hoch. Viele Studenten sind damit überfordert, bringen nicht die gewünschten Leistungen und brechen deshalb ab.

  • Studienbedingungen und Betreuung

    „Studienabbrecher schätzen alle Studienbedingungen kritischer ein als Absolventen“, so die Studie. Außerdem schätzen Abbrecher die akademische Betreuung als besonders schlecht ein. Wer das Gefühl hat, unter miserablen Bedingungen zu studieren und für den Dozenten unsichtbar zu sein, der wirft eher hin.

  • Soziale Integration und studentische Netzwerke

    Wer nicht gut in die Studentenschaft integriert ist, keine guten Beziehungen zu den Kommilitonen hat und nur für die Vorlesungen und Seminare am Unileben teilnimmt, scheitert eher am MINT-Studium, als der gut integrierte Kommilitone mit Freunden und Lerngruppen.

  • Nebenjob

    Wer neben dem Studium arbeitet, studiert in der Regel länger. Das ist bekannt. Je regelmäßiger ein Student arbeitet, desto höher ist allerdings auch das Risiko, dass er das MINT-Studium abbricht. Das gilt auch für die Fälle, die einen fachfremden Nebenjob haben und zum Beispiel dreimal in der Woche kellnern gehen. Damit seien die Anforderungen eines MINT-Studiums nicht vereinbar. Besonders hoch sei das Abbruchrisiko der Studenten, die von Tag eins an arbeiten gehen. Dadurch könnten sie sich nicht richtig auf den Studieneinstieg konzentrieren.

  • Finanzielle Lage

    Eng mit dem Punkt Nebenjob hängt der Punkt „finanzielle Lage“ zusammen: Wer sich sein Studium selbst finanzieren muss, bricht häufiger ab, als jemand, der von den Eltern finanziert wird. „Die größte Immunität gegen einen Studienabbruch gewährt ein elternfinanziertes Studium, die geringste besteht bei einer überwiegend aus eigener Erwerbstätigkeit bestrittenen Finanzierung des studentischen Lebensunterhaltes“, so die Studie.

Der Mediendidaktiker Michael Kerres von der Universität Duisburg-Essen sprach von einem „großflächigen Veränderungsprozess in unserer Wissensgesellschaft“ und an den Hochschulen. Wichtig sei, dass die auf dem Feld der Digitalisierung fortschrittlichen Hochschulen und die derzeit noch weniger experimentierfreudigen Unis kooperieren und sich vernetzen, sagte Olaf Zawacki-Richter, Professor für Wissenstransfer an der Universität Oldenburg. Er sieht in puncto Austausch Nachholbedarf: „Es gibt Hochschullehrer, die würden eher die Zahnbürste des Kollegen benutzen als dessen Lehrmaterialien.“

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